Lehrveranstaltungen & Kommentare SoSe 2010
Religionswissenschaft
Dr. phil. Ulrich Nanko 20.04.- 20.07.2010
Schäferweg 20-3 Di: 10:15-11:45
71706 Markgröningen Raum : 1.314
Tel.: 07145/3945 20.04.10: Raum 2.211
e-mail: ulrich-nanko(at)gmx.de
Rezeption asiatischer Religionen in Europa
Gegenstand dieses religionswissenschaftlichen Seminars ist die Aneignungsart asiatischer Religionen in der europäischen Gelehrtengeschichte. Es umfasst die Zeit der ‚Entdeckung’ der Welt im 16. Jahrhundert, der Verarbeitung in der Aufklärung des 18. Jahrhunderts, des Kolonialismus des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Wahrnehmungen der Europäer waren unterschiedlich und hatten mit dem Verhältnis von christlicher Theologie und Philosophie in Europa zu tun. War es in der Aufklärungszeit noch die Kultur Chinas, wobei zwischen Religion und Philosophie noch nicht genau unterschieden wurde, so veränderte die Beschäftigung mit den Religionen Indiens (Hegel, Humboldt, Schlegel, Bopp, Schopenhauer, Friedrich Max Müller) und insbesondere mit der Religion des RgVeda die geistige Landschaft. Mit der Indogermanistik ist ein ganzer Wissenschaftszweig entstanden, deren Popularisierung im Ariermythos einen Ausdruck fand. Die Religionen Japans spielen erst im 20. Jahrhundert eine Rolle wie der Zen-Buddhismus bei Rudolph Otto. Gerade im 20. Jahrhundert erreicht die Kenntnis anderer Religionen auch Schichten außerhalb des universitären Bereichs, etwa in der Literatur (H. Hesse). Es entsteht z. B. ein eigener deutscher Buddhismus, in der New-Age- und Esoterikszene stößt man allenthalben auf Elemente asiatischer Religion und Philosophie.
Leseempfehlung:
- Urs Bitterli: Die ‚Wilden’ und die ‚Zivilisierten’. Die europäisch-überseeische Begegnung. München 1976
- Grasmück, Oliver: Geschichte und Aktualität der Daoismusrezeption im deutschsprachigen Raum, Münster 2004.
- Wilhelm Halbfass: Indien und Europa. Perspektiven ihrer geistigen Begegnung. Basel/Stuttgart 1981.
- Hans G. Kippenberg: Die Entdeckung der Religionsgeschichte. München 1997.


