21. Februar 2010: Exkursion nach Köln und Düsseldorf
Fünf Tage lang erkundeten 43 Studierende der Kultur- und Medienbildung die Medienlandschaft Kölns und Düsseldorfs – vom Kinderstudio des Westdeutschen Rundfunks bis hin zum Millionärsstuhl von Günther Jauch. Die Exkursion endete am Donnerstag der „Weiberfastnacht“; so blieb noch Zeit, in den Kölner Karneval einzutauchen. „Kölle Alaaf!“ – mit diesen Worten im Ohr starteten die jungen Teilnehmer des Seminars „Medieninstitutionen“ dann in ihre ersten Semesterferien.
Köln ist neben Berlin, Hamburg und München einer der bedeutendsten Medienstandorte Deutschlands. Wichtig also auch für den Studiengang Kultur- und Medienbildung. Ziel der Exkursion vom 7. bis 11. Februar 2010 war es, Einblicke in die Organisation und den Arbeitsalltag von verschiedenen Medieninstitutionen zu gewinnen. Prof. Dr. Stephan Buchloh hatte die Seminarexkursion organisiert und leitete sie. Untergebracht waren alle Exkursionsteilnehmer in der Jugendherberge Köln-Deutz.
Hinter die Kulissen der Medienwelt geblickt
Als Erstes standen die Nobeo-Film- und Fernsehstudios in Hürth bei Köln auf dem Programm. Karl Ingenerf, Projektleiter in den Nobeo-Studios, führte die Studenten durch das große Gelände des TV-Dienstleisters. Die Gruppe von Studierenden bekam Drehorte verschiedener Fernsehsendungen wie „Wer wird Millionär?“, „Richterin Barbara Salesch“, „Zwei bei Kallwass“ oder „Stern TV“ zu sehen. In den Studios wurde den Studenten konkret vor Augen geführt, dass in der Fernsehwelt vor allem eines gilt: Nichts ist, wie es scheint. Sieht man die Sendung „Wer wird Millionär“ im Fernsehen, so hat man den Eindruck, dass Hunderte von Zuschauern live mit den Kandidaten raten und zittern. Betritt man jedoch das Studio, überrascht die räumliche Enge mit wenigen Stuhlreihen. Hinzu kommt, dass die Sendung nicht live übertragen wird, sondern bereits Tage vor der Ausstrahlung aufgezeichnet und bearbeitet wird.
Auch der Raum, der im Fernsehen als das Büro der Psychologin Angelika Kallwass gezeigt wird, enthüllt, mit welchen Tricks im TV gearbeitet wird: nur das halbe Zimmer ist renoviert und eingerichtet, da die Kamera immer nur aus einer Perspektive filmt. Das gemütliche Zimmer aus dem Fernsehen sieht in Wirklichkeit aus wie eine Baustelle. Es wirkt grau, klein, dunkel. Um es größer und wärmer erscheinen zu lassen, wird beim Dreh mit Unmengen von Licht gearbeitet.
Vom Privatsender zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Genauso spannende Einblicke gewannen die Studenten bei RTL (Radio Télévision Luxembourg). Kaum beim Sender angekommen, begegneten sie der ersten Prominenten, Frauke Ludowig, Moderatorin der Sendung „Exclusiv“. Nach einem Mittagessen in der RTL-Kantine begrüßte Karla Durchleuchter, Redakteurin bei RTL, die Studenten und stellte sich deren Fragen. Während anfangs noch zurückhaltend gefragt wurde, entwickelte sich nach einiger Zeit eine impulsive Diskussion mit der Redakteurin. Einige Studenten äußerten Kritik an RTL, auf die Karla Durchleuchter gekonnt schlagfertig reagierte. Den Hauptstreitpunkt der Diskussion bildeten die unterschiedlichen Meinungen zur Sendung „Deutschland sucht den Superstar“.
Den Gegensatz zum Aufenthalt bei Deutschlands erfolgreichstem Privatsender bildete ein Besuch beim öffentlich-rechtlichen Veranstalter WDR (Westdeutscher Rundfunk). Neben Fernsehprogrammen wie „Wissen macht Ah!“ und der „Sendung mit der Maus“ produziert der WDR auch Radioangebote wie „RadioQuarks“ oder „Leonardo“. Zuerst informierte Annette Busch-Wiesenthal, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Medienpädagogik, die Studenten über einige Projekte für Kinder. Anschließend besichtigte die Gruppe das neue Kinderstudio des WDR, in dem Schüler der 3. bis 5. Klasse spielerisch die Arbeit im Fernsehen und Radio kennenlernen und ihre Medienkompetenz erweitern können.
Zeitungs- und Hörfunkwelt erkundet
Den nächsten Tag starteten die Studierenden mit einer intensiven Seminarsitzung in der Jugendherberge: Sie griffen noch einmal die Debatte bei RTL auf und diskutierten über Fragen von Jugendschutz, Programmverantwortung, Medienethik und das Nebeneinander von öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk in Deutschland. Daran schloß sich eine ausgiebige Stadtführung an. Ihre aus Köln stammende Kommilitonin Annette Leyendecker führte die Studenten zu den Sehenswürdigkeiten Kölns und erzählte interessante Anekdoten aus der Geschichte ihrer Heimatstadt. Den restlichen Nachmittag verbrachten die Seminarteilnehmer damit, auf eigene Faust die Stadt Köln zu erkunden.
Auch die Zeitungslandschaft Kölns lernten die Studierenden anhand des großen Verlagshauses M. DuMont Schauberg kennen. Das Unternehmen verlegt fast alle Kölner Zeitungen: „Kölner Stadt-Anzeiger“, die „Kölnische Rundschau“ und das Boulevardblatt „Express“. Auf einem Rundgang durch die Produktionsstätte sahen die Studenten, wie eine Zeitung gedruckt wird. Darüber hinaus stand ein Besuch beim Kölner Hochschulradio auf dem Programm. Das Hochschulradio „Kölncampus“ ist der gemeinsame Radiosender der Kölner Hochschulen, bei dem Studierende neben ihrem Studium ehrenamtlich mitarbeiten können. „Kölncampus“ und M. DuMont Schauberg bildeten nicht den letzten Programmpunkt des Tages – nach einer Verschnaufpause ging es später am Abend in den Club „Nachtflug“, wo die Studenten zusammen feierten und tanzten.
Von Köln nach Düsseldorf und zurück
Für den darauffolgenden Tag war ein abwechslungsreicher Stadtwechsel nach Düsseldorf angesetzt. Die Landesanstalt für Medien (LFM) und ein Besuch im Filmmuseum standen auf der Tagesplanung. Zu den Aufgaben der LfM gehören die Zulassung privater Radio- und Fernsehsender, die Aufsicht über deren Programm, die Medienforschung und die Förderung von Medienkompetenz. Dr. Joachim Gerth, Mechthild Appelhoff und Stephanie Jansen schafften es (nicht nur durch belegte Brötchen und Getränke), das Interesse der wissbegierigen Besuchergruppe zu wecken, auch wenn sich bei einigen Studenten der vorige Abend und eine durchtanzte Nacht durch leichte Anflüge von Müdigkeit bemerkbar machten. Die Studenten erfuhren einiges über die Tücken der Suchmaschine Google und über manipulierte Informationen, die Interessenvertreter und Scherzbolde in der Vergangenheit in die Online-Enzyklopädie Wikipedia eingeschmuggelt hatten.
Im Filmmuseum erkundeten die Studenten die Geschichte des Films und waren sich hinterher einig, dass sie dort noch viel länger hätten verweilen können, ohne dass es langweilig geworden wäre. Zum Tagesausklang füllten die Studierenden ihre hungrigen Mägen gemeinsam in einem gemütlichen Düsseldorfer Lokal.
Den Abschluss der Exkursion bildete am letzten Tag ein Besuch des jfc Medienzentrums (Jugendfilmclub). Dort informierte Andreas Kern, der für internationale medienpädagogische Projekte zuständig ist, die Studenten über Aufgaben und Angebote des jfc. Außerdem zeigte er der Gruppe einige Filme, die von Jugendlichen im Rahmen solcher Projekte gedreht worden waren. Bevor es endgültig nach Hause ging, war noch ein weiterer Programmpunkt zu bewältigen: „Alltagskultur und Rituale – ethnologische Studien im Kölner Karneval“. Für ein paar Stunden konnten sich die Studierenden in den ausgelassenen Kölner Karneval stürzen.
Hanna Dengler, Stephanie Schill und Veronika Weixler



