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Interkulturelle Theorie und Praxis in der Hochschullehre

Im Rahmen des „Erasmus“-Programms für Dozenten besuchte Stephan Buchloh die Erziehungswissenschaftliche Fakultät der Universität von Granada / Erstmals Dozentenaustausch mit südspanischer Partnerhochschule

Wenn vom „Erasmus“-Programm die Rede ist, dann denkt man meist an einen Studentenaustausch. In der Tat fördert das Programm „European Region Action Scheme for the Mobility of University Students“ vor allem Auslandsstudien. Das Akronym wurde gewählt, damit das Programm zugleich den Namen des niederländischen Philosophen und Theologen Erasmus von Rotterdam (1466 oder 1469 bis 1536) tragen kann. Jedoch unterstützt das Programm nicht nur Studenten: Auch Wissenschaftler kommen in den Genuß der Förderung, damit sie an anderen Hochschulen unterrichten und sich durch den Austausch mit ausländischen Kollegen und Studenten fachlich weiterentwickeln können.

Erster Besuch eines PH-Dozenten an spanischer Partneruniversität

Diese Gelegenheit hat Stephan Buchloh, der Leiter des Studiengangs Kultur- und Medienbildung, im Mai 2010 ergriffen. Er reiste für einige Tage nach Granada und lehrte dort an der Universität. Es war der erste Besuch eines Wissenschaftlers der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg an der Universität von Granada. Die andalusische Universität ist eine der Partnerhochschulen der PH. Im Jahr zuvor hatten Martina Wippermann und Fabienne Deniaud-Bartke vom Akademischen Auslandsamt erste Gespräche in Spanien geführt, um den Dozentenaustausch vorzubereiten.

„Kollektivismus“ und „Individualismus“ in Spanien

In Granada kümmerte sich der Prodekan für internationale Beziehungen und Forschung der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät, Prof. Dr. Javier Villoria Prieto, um die Organisation des Besuchs. Er setzte Stephan Buchloh in einem englischsprachigen Seminar von Ana María Ramos García ein. Das von Buchloh gewählte Thema war „Interkulturelle Kommunikation“. Der deutsche Gast erörterte mit den Studentinnen und Studenten besonders die Dimension „Kollektivismus versus Individualismus“: Wie unterscheiden sich Menschen aus Kulturen, bei denen die Gruppe im Vordergrund steht, von Menschen aus Kulturen, die sich am Individuum orientieren, in ihrem Denken, Fühlen und Handeln? Wie machen sich solche Unterschiede in der Familie, im Management oder in der Hochschullehre bemerkbar? Wie sehen die spanischen Studentinnen und Studenten ihr Land – eher als kollektivistisch oder eher als individualistisch geprägt?

Engagierte spanische Studentinnen und Studenten

Auf Wunsch der Universität arbeitete Stephan Buchloh mit einer englischsprachigen PowerPoint-Präsentation, erläuterte diese aber auch auf spanisch. Die Studentinnen und Studenten bildeten Arbeitsgruppen, in denen sie die einzelnen Merkmale eines theoretischen Modells mit der konkreten Situation in Spanien verglichen. Die spanischen Seminarteilnehmer waren mit großem Engagement bei der Sache. Aus ihrer Sicht befindet sich das Land auf einer Zwischenposition: Familie und Herkunftsort spielten nach wie vor eine große Rolle in Spanien, aber im Zusammenleben der Menschen zeigten sich mehr und mehr individualistische Züge.

Gespräche mit Austauschdozenten aus Osteuropa

Außer dem Seminar stand ein gemeinsames Essen mit Austauschdozenten aus der Slowakei und der Tschechischen Republik auf dem Programm. Des weiteren führte eine Studentin den deutschen Wissenschaftler kurz durch die Räume der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät. In der freien Zeit durften Besuche der Burg Alhambra, der Gartenanlage Generalife und der Altstadt Albaicín nicht fehlen. Granada ist eine der schönsten Städte Spaniens.

Da das Erasmus-Programm eigentlich den Dozenten-„Austausch“ fördern soll, wäre zu hoffen, daß Wissenschaftler aus Granada auch einmal den Weg nach Ludwigsburg finden. Genauso würden sich die Pädagogische Hochschule und der Studiengang Kultur- und Medienbildung über spanische Studentinnen und Studenten freuen. Die Verbindung nach Granada reißt jedenfalls nicht ab: Im Wintersemester 2010/11 wird eine Studentin der Kultur- und Medienbildung ihr Auslandssemester an der Universität von Granada verbringen.

 

 

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