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Erwiderung zum Artikel "Schwarmgeschmack"

Der Artikel " Schwarmgeschmack - In Hamburg soll das Theaterpublikum den Spielplan bestimmen" in der Zeit vom 15. Dezember 2011 veranlasste Patrick Glogner-Pilz zu einem Leserbrief. Da der Leserbrief nur gekürzt erschienen ist und einige zentrale Aussagen fehlen, wird hier noch einmal die vollständige Erwiderung veröffentlicht:

Als Wissenschaftler, der sich seit vielen Jahren mit Besucherforschung im Kulturbereich beschäftigt, irritiert mich die im Artikel "Schwarmgeschmack" vertretene Haltung gegenüber dem Publikum zutiefst. Dass dem Publikum so wenig Vertrauen entgegengebracht, so wenig Intelligenz zugesprochen wird, dass gar mit dem in Deutschland unvermeidlichen „Adorno-Reflex“ reagiert wird, lässt eine kurze Gegenrede unvermeidlich erscheinen. Zum einen zeigt die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Kulturpublikum immer wieder, zu welch differenzierten und reflektierten Sichtweisen dieser vermeintliche „Schwarm“ in der Lage ist. Zum anderen wissen wir aus der kulturellen Bildung, dass zum Subjekt nur gebildet werden kann, wer auch als Subjekt behandelt wird. Zugegeben: Ob eine Online-Befragung der richtige Weg ist, muss bezweifelt werden.

Gleichwohl zeigt sich regelmäßig die gleiche Reaktion, wenn ein intensiverer Dialog mit dem Kulturpublikum gewünscht wird. Es wird vor Quoten und Mainstream gewarnt. Kunst und Kritik wissen also besser, was für das Publikum gut ist. Dass man sich dabei häufig immer weiter von den Alltagsrealitäten der Menschen entfernt und sich nur noch in seinem eigenen, kleinen Kulturkosmos bewegt, ist nicht weiter störend. Oder geht es hier womöglich um etwas ganz anderes? Geht es vielleicht nur um die eigene Distinktion, um Abgrenzung, darum, sich – um es mit Bourdieu zu sagen – durch seine Klassifizierungen selbst zu klassifizieren?

 

Patrick Glogner-Pilz

 

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Kultur- und Medienbildung > Aktuelles > 29. Dezember 2011: Kontroverse zum Thema Kulturpublikum in der Wochenzeitung "Die Zeit"
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