1. März 2012: Nichts. Was im Leben wichtig ist
Theaterprojekt des Studiengangs Kultur- und Medienbildung nach dem Roman von Janne Teller
Premiere im Studiengang Kultur- und Medienbildung
Vanessa Puttner inszeniert zusammen mit Studenten ein philosophisches Theaterstück, das zum Nachdenken anregt. Johannes Rost hat die Aufführung besucht.
Es wird sehr voll im Bild- und Theaterzentrum der Pädagogischen Hochschule am Abend des 18. Januar 2012. Die Veranstalter, Studenten der Kultur- und Medienbildung des Aufnahmejahrgangs 2010, haben mit einem solchen Andrang wohl nicht gerechnet. Spontan werden neue Sitzgelegenheiten geschaffen, so dass niemand nichts sehen kann – dafür sehen alle „Nichts“.
Im Jahr 2000 erschien der Roman „Nichts. Was im Leben wichtig ist“ der dänischen Autorin Janne Teller. Der heftig umstrittene Roman lieferte nun die Vorlage für die Inszenierung. Die Studenten hatten das Theaterstück selbst mit ihrer Dozentin Vanessa Puttner aus der Buchvorlage heraus entwickelt. Die Handlung: Eines Tages erklärt Pierre-Anton seinen Mitschülern von einem Baum aus, dass nichts auf dieser Welt eine Bedeutung habe. Alle Dinge seien auf Gedeih und Verderb nur dem Verfall ausgeliefert. Seine verunsicherten Klassenkameraden beginnen daraufhin, Dinge zu sammeln, die ihnen etwas bedeuten. Doch das Vorhaben entwickelt eine gefährliche Eigendynamik. Die Opfer, die auf dem „Berg der Bedeutung” dargebracht werden, werden immer bedeutungsvoller. Schließlich schreckt die Gruppe auch vor Vergewaltigung und Körperverletzung nicht zurück.
Der Stoff hätte Spielraum geboten für die Darstellung verschiedenster Charaktere, denn die Schülerzahl besteht aus einer bunten Truppe von Persönlichkeiten, für die ganz unterschiedliche Dinge etwas bedeuten. Es hätte ein Drama mit tiefschürfenden Charakteren werden können, in die sich die Besucher hätten einfühlen können. Doch der Ansatz der Inszenierung ist ein radikal anderer: Alle Schüler sind uniform in Weiß gekleidet, und keine der Rollen erzählt eine eigene Hintergrundgeschichte. Auch das Bühnenbild ist einfach gehalten. Selbst der „Berg der Bedeutung” wird dem Zuschauer nur hinter einer Leinwand als Schattenspiel vorgeführt. Somit tritt das Stück ein wenig hinter seine Aussage zurück. Die Szenen körperlicher und sexueller Gewalt berühren das Publikum dennoch – nicht zuletzt auf Grund der soliden Schauspielleistung der Studentinnen und Studenten. Doch die eigentliche Hauptdarstellerin ist die Bedeutung, die fast im Raum schwebt, fast jeden Satz durchzieht, doch nie ganz greifbar wird.
Und eben dieses Unfassbare fasziniert so an der Inszenierung. Dadurch, dass nicht die Figuren und ihre Geschichte in den Vordergrund gerückt werden, beginnt der Zuschauer vielmehr, sich mit dem philosophischen Hintergedanken zu befassen. Man sucht für sich nach Gegenständen, die man selbst auf den Berg hinter der Leinwand gelegt hätte.
So ist es in erster Linie eine Inszenierung, die zum Nachdenken anregt. Einige Besucher fragten sich nach der Aufführung wohl nicht nur „Pierre-Anton, was hast du denn davon?” – sondern auch, was für sie im Leben Bedeutung hat.
Johannes Rost



