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... des Uni-Bluffs

  1. Wenn du etwas nicht weißt, schweige und mache ein kluges Gesicht. Schaue später im Internet nach. Zeige niemals, dass du etwas nicht weißt.
  2. Stelle nie Fragen, deren Antwort du nicht weißt. Fragen sind nicht dazu da, etwas herauszufinden, sondern um zu zeigen, wie toll du bist.
  3. Wenn du die Wahl hast zwischen einem deutschen Wort und einem Fremdwort, nimm das Fremdwort, und zwar ein möglichst exotisches. Es erhöht auf magische Weise die Bedeutsamkeit dessen, was du zu sagen hast.
  4. Mache dich unangreifbar mit relativierenden und scheinbar differenzierten Aussagen, die Füllsel wie "manchmal", "häufig", "oft", "gewöhnlich" enthalten, sprich im Konjunktiv und lege dich nie fest, mache deine Darstellung vielmehr so überkomplex, dass du immer ausweichen kannst: "Das habe ich doch gar nicht gesagt." Oder: "Das müssen Sie missverstanden haben."
  5. Verwende nie das Wort "Ich", etwa in der Form: "Ich denke, dass...". Wissenschaft lebt nicht vom Denken, sondern vom Zitieren. Rede also davon, dass "die wissenschaftliche Literatur sich überwiegend einig ist, dass..." oder dass "neuste wissenschaftliche Studien zeigen, dass...". Auf etwaige Nachfragen erkläre arrogant, dass sich der Nachfragende gefälligst selbst kundig machen soll.
  6. Wenn du zu einem Thema selbst nichts zu sagen hast, rede möglichst lang und umständlich darüber, was berühmte Leute aus deinem Fach dazu gesagt haben.
  7. Wenn du etwas nicht richtig verstanden hast, stelle den Sachverhalt selbst besonders unverständlich dar und verdecke die Schwachstellen mit Verweisen und Zitaten berühmter Namen des Fachs, auch wenn sie nicht so richtig dazu passen. Niemand wird es auch nur wagen, irgendeine Nachfrage zu stellen.
  8. Greife wenig bekannte Autorinnen und Autoren heftig und arrogant an, zerfetze sie in der Luft, moralisch, intellektuell und persönlich. Niemand wird sie verteidigen, und du zeigst deine Überlegenheit und schreckst potentielle Kritiker ab.
  9. Verwende jede auch noch so unwichtige und bedeutungslose Quelle, insbesondere, wenn du davon ausgehen kannst, dass sie niemand kennt, und lege ein möglichst umfassendes Literaturverzeichnis an, in dem außer den Schriften der Größen des Faches und deiner etwaigen eigenen Werke alles aufgeführt wird, was zu dem Thema je geschrieben worden ist, ganz gleich, ob du es gelesen hast oder nicht.
  10. Lerne frühzeitig das richtige akademische Auftreten, indem du die Erfolgreichen deines Faches imitierst. Selbst wenn du sie karikierst, wird es keiner merken. Deine Dozenten werden dich für einen gelehrigen Schüler halten und entsprechend fördern. Denn so bleibt alles, wie es ist.

    Aus: Wolf Wagner, Uni-Angst und Uni-Bluff, Rotbuch 2007.

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