Logo Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Logo
 Seitensprache Deutsch hallo
 

Wie alles begann...

Ein denkmal- und feuerpolizeilich geschützter Flurleerraum, der um einen vom Tageslicht abgeschotteten Hörsaal gruppiert war, sollte mit seiner Glas- und Betonfaszination die Studierenden zu einer flanierenden Entspannung animieren, da außer Holzblumenbänken ohne Pflanzengrün keine glaskäfigbelebenden Requisiten existierten. Diese kafkaeske Räumlichkeit also animierte mich 1984, mit der Fachschaft Deutsch eine bescheidene hochschulrevolutionäre Aktion zu starten:
Eine dieser freien Glasbetonflurecken im l. Stock des L-Gebäudes wurde mit Sperrmüllkostbarkeiten (Sofas und Sesseln etc.) und mit in der [Eglosheimer] Nachbarschaft gespendeten Pflanzenkübeln ausgestattet. Begabte Studenten des zweiten Bildungsweges, die nach ihrer Handwerkerqualifikation über die berühmte »Eignungsprüfung« die Studienqualifikation an der Pädagogischen Hochschule erlangt hatten, bastelten zum Teil mit den Hausmeistern (erlaubt oder unerlaubt, es blieb unaufgeklärt) ein paar Holzpodeste und Kunststudenten beklebten und verdunkelten die denkmalgeschützte Glasfront - und siehe da: mit einer Kaffeemaschine, Sammeltassen und »erworbenem« Cafeteriageschirr wagte sich diese Ecke als »Literatur-Cafe« der Fachschaft Deutsch zu etikettieren.
Helles Entsetzen, skeptisches Kopfschütteln, neugieriges Beschnuppern und engagiertes Nachfragen erlebte diese »Schmuddelecke«. Nachdem sich das Podium literarisch mit Künstlern der Kleinkunstszene aus ehemaligen Esslinger Seminarkontakten belebte, fand diese Hochschulkuriosität einen unerwarteten Zuspruch, auch für »Kulturfreaks« aus der Stadt. Nachdem sogar etablierte Künstler mit reduzierten Gagen finanziert werden konnten: u. a. Uli Keuler, Thomas Felder, Christoph Stählin, Gerd Schinkel, Wolfgang Höper, Eva Vargas, die Galgenstricke, Thaddäus Troll, Peter Härtling, Johannes Poethen, Anne Birk, Peter Bichsel, Hilde Domin, kam Presse und es wurden auch ein paar Hochschullehrer gesichtet.
Nachdem die Papierbahnen durch Stoffbahnen an den Fenstern ersetzt waren, die Sperrmüllsofas auf eine hygienische Auswahl reduziert, Seminarbestuhlung dazu kam und aufgrund der engagierten Förderung des Projekts durch den Verein der Freunde der Pädagogischen Hochschule das Geschirrspülritual aus dem WC-Waschraum an eine gesponserte Theke verlagert werden konnte, gab es tolerante Absicherung dieses improvisierten Literatur Cafes seitens des Rektors, des Senats und sogar des Hochbauamtes.
Besonders in der Zeit anhaltender Lehrerarbeitslosigkeit und zurückgehender Studierendenzahlen florierte das Literatur-Cafe, lockte junge unbekannte Künstler und auch Ludwigsburger Publikum. Foyergestaltung und Bühnenlicht sowie Trennstellwände vervollständigten langsam die Raumwirkung. Die PH-Abteilung des Ministeriums, die einen Besuch abstattete, begann bescheiden, aber regelmäßig das Projekt zu fördern. Manchmal denken wir nostalgisch an die studentische Neugier und das Besucherengagement der Gründerjahre, wenn bei der stark gestiegenen Deutschlehrerstudierendenzahl die Besucherquote heutzutage lahmt, wenn nicht bekannte Künstler oder Bewegungskunst locken. Aber auch hier warten wir geduldig auf eine der sich immer schneller einstellenden Trendwenden.
Wer das heute neu platzierte Literatur-Cafe, nach den Umbaumaßnahmen im Luftgeschoss (L-Gebäude I. Stock), aufsucht, wird eine perfekte Verdunkelung, neue Möblierung, Bühneninstallation und demnächst eine neue Theke entdecken, dessen Komplettierung durch eine neue Foyerausstattung angestrebt wird. Eine Hoffnung ist mit dieser Renovierung auch verbunden, dass ein schonenderer Umgang mit dieser weiterhin ungeschützten Kultur- und Kommunikationsnische der Pädagogischen Hochschule gepflegt wird.
Aus der so genannten Nische ist mittlerweile ein Kommunikations-, Freiarbeits- und Veranstaltungsbereich geworden, der aus dem kulturellen und sozialen Raumhaushalt der Hochschule nicht mehr wegzudenken ist und der zu den verschiedensten Aktivitäten animiert - bis jetzt immer noch aufopfernd betreut von der Fachschaft Deutsch in Koordination mit dem Institut für Sprachen, in deren Auftrag ich an der Weitergestaltung engagiert bin.
Der so genannte Bühnenraum aktivierte aber auch zu einer theaterproduktiven Initiative, die ich mit der Gründung des »Podiumtheaters im Literatur-Cafe« offerierte, um mit diesem Literaturbrettl auch eine Brücke zum Spiel- und Theaterpädagogikstudiengang vor allem im Erweiterungsstudienfach für Lehramtsstudierende zu institutionalisieren.

Aus: Harald Vogel (2001): »Podiumtheater«, »Literatur-Café«, »Werkstatt Lyrik«, »Lyrik-Bühne«: Hochschuldidaktische Wege in den öffentlichen kulturellen Raum. In: W. Heinrichs/ A. Klein (Hrsg.): Deutsches Jahrbuch für Kulturmanagement 2000. Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft, S. 206-208

Prof. Dr. Harald Vogel, Gründer und Leiter des Lit-Cafés von 1984-2007

Was danach geschah...

Die Umsetzung geltender Brandschutzbestimmungen machte 2007 umfangreiche Umbaumaßnahmen im Gebäude 1 (vormals "L-Gebäude") der PH erforderlich. Anfänglich sahen wir das Projekt "Lit-Café" gescheitert: die ersten Planungen sahen eine "Glas-Einsargung" des bestehenden Bühnen- und Zuschauerbereiches vor - ohne die abzutrennenen Fluchtwege ein 6 Meter schmaler Schlauch. Not macht erfinderisch und wir gingen in die planerische Offensive: die Bühne drehen, einen Technik- und Garderobenraum schaffen, die Theaterbeleuchtung erneuern, eine Tonanlage und die Elektrik neu installieren, eine Entlüftung montieren, den Raum mit Glas- und Türelementen abschließen und neu bestuhlen, zusätzliche Rundbänke und -tische im Foyerbereich aufstellen. Hochbauamt und Hochschule zeigten sich äußerst kooperativ und so konnten wir Harald Vogel im November 2007 im umgebauten Ambiente einen gebührenden Abschied bereiten.

Im Februar 2008 trat zum ersten Mal der "Kulturbeirat Literatur-Café" zusammen und plante das Veranstaltungsprogramm für das kommende Semester. Kulturschaffende und -interessierte aus verschiedenen Instituten und Institutionen der Hochschule tragen seitdem zu einem abwechslungsreichen und niveauvollen Programm auf der Bühne des Lit-Cafés bei. Im Wintersemester 2008/2009 gelang es zum ersten Mal, an jedem Dienstag der Vorlesungszeit ein Abendprogramm zu präsentieren: Konzerte, Lesungen, Kabarettprogramme, Improvisationstheater, Filmvorführungen, Podiumdiskussionen, Poetry Slam, Buchvorstellungen... 

Das Lit-Café ist inzwischen die "gute Stube" der PH geworden: zahlreiche Empfänge, Festakte, Verabschiedungen, Abschlussfeiern werden hier veranstaltet, Workshops und Seminare angeboten und in den freien Öffnungszeiten finden Ruhesuchende hier eine entspannte, gemütliche Atmosphäre zum Ausspannen oder konzentrierten Arbeiten. Die Fachschaft Deutsch und die Hochschulgemeinde stillen in den Mittagspausen den Kaffeedurst.
Liebevoll gepflegte Pflanzen und Wechselausstellungen an den Wänden runden das Erscheinungsbild ab.

Für 2009 hatte der AStA eine Aufstockung seines Kulturetats beantragt, die dem Lit-Café finanzielle Spielräume für die Programmgestaltung eröffnete. Eine neue, größere Kaffeemaschine ist in den Mittagspausen im Dauereinsatz... Im Sommer 2009 wurde endlich das sehnsüchtig erwartete Türelement neben der Theke montiert, sodass die Frischluft der Deckenheizung Paroli bieten und im Sommer der Freibereich an der Westseite mit genutzt werden kann. Zudem soll ein Kühlelement im Lüftungssystem für erträgliche Raumtemperaturen sorgen.

ga 02/10

Dr. Michael Gans, Hochschulbeauftragter für das Lit-Café seit 2007

Wie es weitergeht...

Auch für 2010 hat der AStA wieder eine Aufstockung seines Kulturetats beantragt und größtenteils bewilligt bekommen, sodass für die Programmgestaltung Planungssicherheit besteht. Ende Februar hat der Kulturbeirat über das Programm im Sommersemester beraten. Es kann wieder an jedem Dienstagabend eine Veranstaltung präsentiert werden. Weitere Kooperationspartner sorgen für ein dichter und größer werdendes Netzwerk infrage kommender Veranstaltungen. Neue Formate werden ausprobiert und das Programm vorab wieder in einem übersichtlichen Folder verbreitet.

Geduldig harren wir der Campus-Sanierung. Erst dann können wir den Freibereich vor dem Lit-Café wieder nutzen.

Momentan konstitutiert sich ein PH-weiter Kulturbeirat, auch soll es künftig einen Kulturbeauftragten als Ansprechpartner geben. Das Gremium will es sich zur Aufgabe machen, die verschiedenen und vielfältigen Kulturinitiativen der PH künftig besser zu koordinieren, gemeinsam zu bewerben, die Kultur innerhalb der PH insgesamt zu stärken und zu vernetzen.

(Stand März 2010)

HISTORIE 
SUCHE
Literatur-Café > Historie
Startseite   Sitemap  KontaktLogin

DruckansichtDruckansicht