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Dr. Kerstin Alber:

Der Sprachproduktionsprozess von Kindern – Untersuchung der Abrufprozesse von Informationen aus dem mentalen Lexikon und Überprüfung der qualitativen Wirksamkeit von Abrufhilfen

 

Im Rahmen der sprachlichen Entwicklung eines Kindes muss dem Wortschatz eine zentrale Rolle und ein hoher diagnostischer Stellenwert zugeschrieben werden: zeitliche Verläufe, quantitativer Umfang sowie qualitative Strategien bei der Bewältigung sprachlicher Aufgaben geben Hinweise auf Entwicklungsstände sowie Schwierigkeiten oder Störungen im Bereich der Wortschatzentwicklung.

Auch im schulischen Alltag wird die Bedeutung des Wortschatzes als eine ‚versteckte’ Lernerschwierigkeit längst erkannt: Treten Schwierigkeiten beim Schriftspracherwerb, bei der Schreibentwicklung, beim Lesen und Textverstehen oder beim Erlernen der deutschen Sprache als Zweitsprache auf, sind es häufig zu Grunde liegende Wortschatzprobleme, die diese Lerneraufgaben erschweren. Der Wortschatz spielt somit in alle Kompetenzbereiche des Bildungsplans mit hinein. Im Bildungsplan aber werden semantische Kompetenzen isoliert im Bereich „Sprachbewusstsein entwickeln“ zusammen mit grammatischen Kompetenzen aufgeführt und somit nicht mit den anderen Kompetenzbereichen verbunden (vgl. Fix 2007). Die Beschreibung von Teilkompetenzen oder von Entwicklungsstufen eines Kompetenzmodells auf der Grundlage des von Ossner (2006) vorgestellten allgemeinen Kompetenzmodells für die Deutschdidaktik sind für den Bereich des Wortschatzes bzw. seines spezifischen Anteils im Zusammenhang mit den anderen Kompetenzbereichen sind nicht erfolgt.

Ziel des Habilitationsprojektes ist es, in einer methodischen Kombination aus psycholinguistischen Laborexperimenten und schulischen Feldexperimenten zu überprüfen, wie die Wissensrepräsentation, das mentale Lexikon und die sprachlichen Verarbeitungsprozesse bei Kindern funktionieren. Obwohl es bereits sehr spezifische Experimente zu den genannten Bereichen gibt, fehlen Untersuchungen, die Aufschluss über die Organisation des mentalen Lexikons bei Schulkindern geben. Zielgruppe der Forschung sind dabei sowohl monolinguale als auch für DaZ-Kinder in der Primarstufe.

Auf der Grundlage der Forschungsergebnisse sollen Implikationen für die didaktische Auswahl und das methodische Vorgehen im Unterricht abgeleitet werden. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf den Frage- und Impulstechniken im Deutschunterricht, die der Wortschatzaktivierung und Wortschatzerweiterung der Schüler dienen sollen.

Mit dem Forschungsprojekt werden die bereits bisher im Fach Deutsch zum Einsatz kommenden Methoden werden erweitert um eine in der Psycholinguistik seit Jahren etablierte Methode. Mit Hilfe modernster computergestützter Verfahren lassen sich Teilprozesse von Verarbeitungs- und Lernprozessen exakt erfassen. Außerdem sind mit dieser Methode bislang stillschweigend vorausgesetzte Annahmen über Verarbeitungs- und Lernprozesse in den unterschiedlichsten Lernerbereichen auch in anderen Forschungsprojekten überprüfbar.

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