10 Lernmethoden
Leitziele
Drei Leitziele kennzeichnen das Projekt „Denken lernen mit Geographie“ (vgl. Leat 1998):
- Die Entwicklung von flexiblen, anpassungsfähigen Lernmethoden und Materialien, die Geographie zu einem herausfordernden und spannenden Fach werden lassen.
- Den Schülern dabei zu helfen, im Geographieunterricht wichtige Schlüsselkonzepte des Denkens zu verstehen und kognitive Fertigkeiten zu entwickeln, die sie auch in einem anderen Kontext anwenden können.
- Die intellektuelle Entwicklung von Schülern zu unterstützen, damit sie vielfältige und komplexe Informationen besser bewältigen und insgesamt im Unterricht erfolgreicher sein können.
Um diese Leitziele erreichen zu können, werden im Projekt "Denken lernen mit Geographie" Lernmethoden und Aufgabenbeispiele entwickelt, bei denen Schüler in der Auseinandersetzung mit geographischen Begriffen, Themen und Problemen auf eine motivierende Weise zum Nachdenken, Mitdenken und Weiterdenken angeregt werden.
Entscheidend ist dabei immer der Denkprozess, der zur Lösung der Aufgaben führt. Deshalb gehört zu jeder Aufgabe eine Reflexion, bei der sich die Schüler diesen Denkprozess selbst bewusst machen sollen (metakognitives Lernen). Damit öffnet sich durch die Arbeit mit den Lernmethoden auch der Weg zu einem selbstgesteuerten Denkenlernen, das über die Fachinhalte des Geographieunterrichts hinausgeht.
10 Lernmethoden in abgestufter Komplexität
Bislang wurden im Projekt “Denken lernen mit Geographie“ insgesamt 10 Lernmethoden konzipiert und als Diercke-Methodenbuch im Westermann-Verlag publiziert (Vankan/ Rohwer/Schuler 2007). Zu jeder Lernmethode gibt es dort eine allgemeine Anleitung, drei ausführlich erläuterte Aufgabenbeispiele mit Kopiervorlagen und Hinweise zur Erstellung eigener Aufgabenbeispiele.
- Der Außenseiter
- Tabu
- Karte im Kopf
- Bilder befragen
- Kategorien
- Wo ist was möglich?
- Das lebendige Diagramm
- Mystery
- Planen und Entscheiden
- Das Wertequadrat
Mit dieser Reihenfolge nehmen auch die Komplexität und das Anspruchniveau der Lernmethoden zu.
- Mit den ersten 5 Lernmethoden werden v.a. Denkfertigkeiten in den Bereichen Begriffsbildung, Vergleichen, Kategorisieren und Verorten trainiert.
- Die Methoden 6-8 widmen sich v.a. dem induktiven Schlussfolgern und dem vernetzenden Denken.
- Bei den Lernmethoden 8-10 stehen Problemlöse-, Planungs- und Bewertungskompetenzen im Mittelpunkt.
Ein Beispiel für eine Lernmethode mit mittlerem Komplexitätsgrad ist die Mystery-Methode, bei der Schüler einen Fall lösen müssen, indem sie viele kleine Informationskärtchen bekommen. Um den Fall lösen zu können, müssen sie Einzelinformationen bewerten, ordnen, miteinander vernetzen, unwichtige ignorieren und geschickte Schlussfolgerungen ziehen (vgl. auch Schuler 2005).
Niveaustufen für den Einsatz der Lernmethoden im eigenen Unterricht
Der Einsatz der Lernmethoden im Unterricht kann auf verschiedenen Niveaustufen erfolgen, die man als Lehrer/in sukzessive erlernen sollte.
- Niveau 1: Die Aufgabenbeispiele werden als Kopiervorlagen genutzt, um damit schüleraktivierende, anregende Unterrichtsstunden zu gestalten.
- Niveau 2: Zu den einzelnen Lernmethoden werden eigene Aufgabenbeispiele entworfen. Die meisten Methoden lassen sich leicht an die eigenen Unterrichtsinhalte anpassen, indem man neue Inhalte nach dem Vorbild eines vorhandenen Aufgabenbeispiels umsetzt. Dabei helfen die allgemeinen Anleitungen und die Hinweise zur Konstruktion eigener Aufgaben, die in den Lernmethodenkapiteln enthalten sind.
- Niveau 3: Ausbau der Reflexion mit dem Ziel eines systematischen metakognitiven Lernens. Nach dem „Was?“ bei der Besprechung der Antworten und Lösungen wird nun gemeinsam mit den Schülern auch das „Wie?“ analysiert, indem die unterschiedlichen Lösungswege und Denkstrategien diskutiert werden. Diese Art der Nachbesprechung ist schwierig und erfordert eine gewisse Vertrautheit mit den Lernmethoden. Es lohnt sich aber sehr, sich und die Schüler darin zu üben, denn erst dadurch lernen die Schüler, über ihr Denken nachzudenken und bestimmte Denkstrategien gezielt einzusetzen. In den einzelnen Kapiteln und Aufgabenbeispielen finden sich Hinweise und Hilfestellungen für diese Art der Reflexion.
- Niveau 4: Die Lernmethoden und das Ziel des Denkenlernens wird als Bestandteil des persönlichen, beruflichen Profils aufgefasst. Dabei können Unterrichtssituationen organisiert werden, in denen man selbst erstellte Aufgabenbeispiele oder auch das eigene Lehrerverhalten bei der Durchführung der Methoden mit Fachkollegen bespricht und mit Hilfe der Merkmale der konstruktivistischen Didaktik analysiert.
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