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Die
mechanischen Rechenmaschinen - von Erhard Anthes |
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Die in den letzten Jahren erschienen Publikationen zur Geschichte des Computers enthalten auch immer Bezüge zu der einen Wurzel der elektronischen Datenverarbeitung, den mechanischen Rechenmaschinen. In zwei Punkten leiden
diese Darstellungen unter erheblichen Verkürzungen:
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1.Erste Ansätze des maschinellen Rechnens (17./18.Jh.) Nicht nur die oben bereits genannten Personen haben sich im 17. und 18. Jh. mit der Konstruktion von Rechengeräten befaßt, es waren mehr als 20 Wissenschaftler und Instrumentenbauer, die in diesem Zeitraum eine unterschiedliche Anzahl von Maschinen herstellten oder so beschrieben, daß man später Nachbauten anfertigen konnte.
Die einfacheren Geräte
sollten vorwiegend für kaufmännisches Rechnen benutzt werden und waren
daher meist auf die damaligen Zahlungsmittel abgestimmt. Dem Versicherungskaufmann Charles Xavier Thomas schließlich gelang es, eine auf den Ideen von Leibniz (Staffelwalze) und Hahn (zweistufige Zehnerübertragung) beruhende Konstruktion zu entwerfen und diese ab ca. 1855 unter ständigen Verbesserungen in größeren Stückzahlen zu produzieren.
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2. Beginn der industriellen Produktion (19.Jh.) Während zu Beginn des 19. Jh. noch die handwerkliche Produktionsweise vorherrschte, konnte mit zunehmender Einführung von Fertigungsmaschinen die Präzision der hergestellten Teile und deren Anzahl gesteigert werden. Die Rechenmaschinen
gewinnen in diesem Jahrhundert an Funktionstüchtigkeit und Zuverlässigkeit.
Einer größeren Verbreitung
stand der recht hohe Preis von ca. 500 Francs entgegen, aber auch die
wohl nur beschränkte Lieferkapazität der Hersteller. Bis zur Mitte des Jahrhunderts
erfährt man von etwa einem Dutzend neuen Konstruktionen, darunter befinden
sich wenige, die es zu einer gewissen Bekanntheit bringen, wie die Addiermaschine
von Didier Roth (1841), der auch eine Sprossenradmaschine (1841) baut.
Weitere Konstruktionen
werden in England (z.B. von Tyrell, Downing, Wertheimber) und in Polen
(Chaim Zelig Slonimski, Abraham Israel Staffel) bekannt, wobei die polnischen
Geräte sogar in der Lage gewesen sein sollen, die Quadratwurzel zu ziehen.
In der zweiten Hälfte
des 19. Jh. werden über 60 weitere Versuche gemacht, brauchbare Rechenmaschinen
zu bauen; die meisten davon sind über das Experimentierstadium nicht hinausgekommen.
Einige dieser Geräte
haben die Wirrender Zeit überstanden und können heute in Museen besichtigt
werden: Das im September 1999 eröffnete Arithmeum in Bonn zeigt nicht nur die meisten Konstruktionen des 17. und 18. Jh. in exakten und funktionstüchtigen Nachbauten, sondern auch einige der teilweise einzigartigen Erfindungen des 19. Jh., wie z.B. die Arithmaurel von 1849 oder die Sprossenradmaschine von Büttner (1889. In der zweiten Hälfte
des 19. Jh. werden allerdings auch die Erfindungen gemacht, die das Zeitalter
der mechanischen Rechenmaschine in den Kontoren und Büros bestimmten:
Der sich Ende des 19. Jh. . abzeichnende wirtschaftliche Erfolg der damals führenden Rechenmaschinen-Produzenten Burkhardt, Grimme,Natalis und Co (Odhner / Brunsviga), American Arithmometer Company (Burroughs) und Felt and Tarrant (Comptometer) führt zu einer stürmischen Entwicklung vieler Konkurrenzmodelle, die auf unterschiedlichstem Wege Patentvorschriften zu umgehen suchen und damit zu einer Weiterentwicklung beitragen.
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Zu Beginn des 20. Jh. hatte die druckende Addiermaschine aus den USA (z.B. Burroughs, Dalton) und die nichtdruckende Vierspeziesrechenmaschine (z.B. Odhner, Burkhardt, Brunsviga) aus Europa einen beachtlichen Interessenten- und Abnehmerkreis gefunden. Die technische Kompliziertheit der Geräte erforderte allerdings im Herstellungsablauf eine Mischung aus maschineller und handwerklicher Produktionsweise; dies blieb auch so bis zum Ende des mechanischen Rechners. Der Elektromotor war
inzwischen so weit verkleinert worden, daß er auch für den Einbau in Addier-
und Multipliziermaschinen in Betracht gezogen werden konnte. Die erste Vierspeziesmaschine
mit elektrischem Antrieb ist eine Konstruktion des Österreichers Alexander
Rechnitzer, dem eine motorbetriebene, automatisch rechnende Maschine ab
1902 in Deutschland patentiert wird. Rechnitzer kann nach
seiner Übersiedelung in die USA noch weitere Verbesserungen finden, seine
Maschine AUTARITH gerät jedoch in Vergessenheit. Dagegen kann in Deutschland
ein anderer einen großen Erfolg verbuchen: Weitere Erfindungen mit dem Ziel, eine Motorisierung zu ermöglichen, werden von Carl Friden in USA (Stellsegment-Prinzip, 1922) und noch einmal von Christel Hamann (Schaltklinken-Prinzip, 1925) gemacht. Auch die Staffelwalzenmaschinen
werden mit Motor ausgerüstet:
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Wie schon angedeutet, hatte die Motorisierung nicht nur eine Entlastung des Bedienenden zur Folge, bedeutungsvoller war die Möglichkeit, weitere und komplexere Funktionen mit Hilfe des elektrischen Antriebes einbauen und die Ablaufgeschwindigkeit steigern zu können. Die Autarith von 1902
gelangte nicht zur Herstellung, und so war der erste fabrikmäßig produzierte
Automat das Modell 7 der Mercedes Euklid (1913), das aber erst nach dem
ersten Weltkrieg in größeren Stückzahlen verkauft wurde.
Als wesentliches Manko
wird die in den Vierspeziesmaschinen immer noch fehlende Schreibeinrichtung
beklagt. Hier bahnen sich aber noch vor dem zweiten Weltkrieg Lösungen
an, deren Anknüpfungspunkte die druckende Addiermaschine liefert:
Einige Sonderkonstruktionen
der 50-er und 60-er Jahre sind noch erwähnenswert: Zuerst natürlich der
einzige fabrizierte mechanische Rechner, der automatisch die Quadratwurzel
ziehen kann, die von Friden gebaute Staffelwalzenmaschine Modell SRW (1952);
hierbei läuft das alte Toeplersche Verfahren durch einen vollständig automatisierten
Mechanismus selbsttätig ab. Sprossenradmaschinen
sind schon seit den 20-er Jahren damit ausgestattet (z.B. 1925 Brunsviga
Nova III), Staffelwalzenmaschinen bringen diese Zusatzfunktion erst nach
dem zweiten Weltkrieg.
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1999 ergänzte Fassung der Veröffentlichung in: Beiträge zum Mathematikunterricht 1987, Bad Salzdetfurth, S.74-77 Literatur: Arithmeum Texte, Forschungsinstitut für Diskrete Mathematik, Bonn 1999 |