Zurück zur Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg
Zurück zur Leitseite
Letzte Revision: 19-12-2000
 
8 Jahre Gymnasium sind zuviel! Sie lesen richtig: 

Diese These kann man vertreten, besonders wenn man die Vergangenheit kennt. 

Bitte lesen Sie erst weiter, wenn Sie sich vom ersten Schock erholt haben. 

Achilles, der griechische Kämpfer vor Troia, war nach Berichten wenig über 14 Jahre alt gewesen, wie er zur Entscheidung im troianischen Krieg so beigetragen hat, daß man noch heute von ihm spricht. 

Justus von Liebig
Professur mit 21
Justus von Liebig, einige hundert Jahre später (genauer 1803 bis 1873) wurde im Alter von 21 Jahren zum ordentlichen Professor berufen. Seine Schulbildung war "lückenhaft". Ihm verdanken wir, daß die Weltbevölkerung heute genug zu essen haben kann. Die Zusammenhänge zwischen Ernte und Düngung sind von ihm erkannt worden. Wichtige Erkenntnisse in der Chemie gehen auf ihn zurück. 
Abitur mit 16 Auch die Physiker Planck und Heisenberg hatten schon eine Professur in dem Alter, in dem heute etliche noch das Gymnasium besuchen. Mit knapp 16 Jahren bestand Max Planck bereits die Reifeprüfung - am anspruchsvollen Maximiliangymnasium in Müchen. 

Mein früherer Englischlehrer hatte mit 22 Jahren sein Studium abgeschlossen und bereits promoviert. 

Das Thema ist auch heute noch aktuell. Ganz modern:



Über den Unternehmer Gaiser finden Sie im Managermagazin


Zum früheren Schattenwirtschaftsminister der SPD Stollmann. der sein Amt dann nicht angetreten hat,  lesen Sie in der FAZ vom 1.8.98


 
Das Sprichwort sagt: Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. Wie lange bleibt man Hänschen?

Es gibt einen einfachen Zusammenhang, der die Grenzen des Lernens (hier genauere Erörterung) beschreibt: 

          Die aufgenomme Informationsmenge (und ihre Verarbeitung) wächst im besten
          Fall proportional zur Lernzeit. 

          Das Vergessen ist jedoch zur aufgenommenen Informationsmenge proportional. 

Das bedeutet, daß - in einem individuell verschiedenen Alter - die persönlich verfügbare Informationsmenge nicht mehr nennenswert zunimmt. Fragen Sie einen Abiturienten nach Bildungszielen früherer Schuljahre in Biologie, Chemie, Geographie, Geschichte, Mathematik, ... .In 9 von 10 Fällen werden Sie feststellen: Tabula rasa (zu deutsch: nix mehr da). Warum muß  das Zeug erst mühsam gelernt werden, wenn es sofort nach der Klassenarbeit vergessen werden darf. Lange Schulzeit und langes Studium garantieren noch keinen Lernerfolg.

Im Gegenteil: Es gibt trotz der oft kontraproduktiven Arbeit der Schule genügend Beispiele dafür, daß kurze Bildungszeiten möglich sind. (Von meinen acht Jahren Gymnasium ist eines durch Krieg und Nachkriegszeit fast ganz ausgefallen; danach habe ich in acht Semestern das Studium von Mathematik und Physik erfolgreich abgeschlossen. Keinem meiner Studienkollegen, die zum Teil mehr als 12 Semester lang studiert haben, würde ich bessere Fachkenntnisse zugestehen.Bessere Noten haben sie übrigens auch nicht erhalten.)

Ein anderes Beispiel: Da ich gelegentlich selbst am Rechner etwas entwickle, brauche ich manchmal zusätzliche Kenntnisse über das Betriebssystem. Nach vergeblicher Nachfrage bei einer Reihe von Informatikern erhielt ich kürzlich eine dringend benötigte Auskunft von einem dreizehnjährigen Schüler. - Welchen Schaden kann die Schule bei diesem Kind anrichten, wenn es noch sechs Jahre lang die Schule besuchen muß? 

Die Halbwertszeit des Wissens liegt in vielen Bereichen unterhalb von 3 Jahren. Wozu dann 9 Jahre Gymnasium? 

Heute, im Zeitalter des Internet, sind lange Ausbildungszeiten noch weniger gerechtfertigt als je zuvor, weil Information so leicht verfügbar ist. Die Transformation von Information in Bildung ist nicht die Frage der Zeit, sondern der Intensität der Auseinandersetzung mit Information. 

         8 Jahre Gymnasium sind zuviel!

Gymnasiale Bildung entsteht nicht durch Absitzen einer neunjährigen Bildungszeit. Sie braucht aktive Auseinandersetzung mit Geschichte und Gegenwart, mit kompetenten Personen und mit medialer Information. 

 

Warum gibt es keine systematischen Untersuchungen darüber, wie viel die Kinder von den stofflichen Anforderungen des 5., 6., 7., ... Schuljahrs dauerhaft aufgenommen - und verarbeitet - haben? Was sagen Sie zu der These
 
Die Dauer der Schulzeit wird nicht von sachlogischen Erwägungen bestimmt.

Ausschlaggebend sind Partikularinteressen von Berufsgruppen
- und die Angst der Alten vor den Jungen.

Die lange Schulzeit schadet der optimalen Entwicklung der Kinder - der leistungsschwachen, der mittelmäßigen und der hochbegabten in gleicher Weise.

Diese These kann ich nur plausibel machen, nicht beweisen. Aber es gibt auch niemand, der sie falsifizieren würde!
 
 

Kritik und Anregungen: (nestle@go-2n.de)

Zurück zur Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg
Zurück zur Leitseite