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Stand 30.8.98

Leistungsmessung in der Schule - ein heißes Eisen
        und eine Zukunftsfrage dazuhin

Der Lehrer besitzt ein nahezu uneingeschränktes Bewertungsmonopol für die Leistungen der Schüler.

Früher verlieh dieses Monopol dem Lehrer Macht über seine Schüler, heute führt es ihn in eine ohnmächtige Zwangslage: Gibt er "schlechte" Noten, so zieht er sich den Unwillen oder Haß von Schülern, Eltern und Schulverwaltung zu; will er gute Noten geben, so muß er die Anforderungen unverantwortlich zurücknehmen, weil die Motivationsbereitschaft der Schüler gegenüber früher abgenommen hat. Die zunehmende Mißachtung kognitiver (akademischer) Leistung gegenüber Sport und Show wird dieses Problem noch verschärfen.

Der Lehrer steht heute deshalb unter einem unerhörten Druck bei der Bewertung von  Schülerleistung. Dagegen gibt es keinen nennenswerten Druck, gute Schülerleistungen zu erarbeiten - solche haben mit den dafür erteilten Schulnoten fast nichts zu tun.

Bewertungsmonopol - vier Willkürschritte von der Schülerleistung zur Schulnote

Von zentralen Prüfungen abgesehen - von den dabei praktizierten Manipulationen schweige ich lieber - kann der Lehrer an vier verschiedenen Stellen eingreifen, wenn er den Notendurchschnitt einer Klasse oder Einzelnoten manipulieren will:

Auswahl der Aufgaben
Es gibt keine überprüfbare Vorschrift, durch die die Schwierigkeit der Aufgaben bei einer Lernerfolgskontrolle geregelt werden könnte.
Zuweisung von Punkten
Bei den üblichen Punktwertungen liegt die Zuweisung von Punkten zu Einzelanforderungen ausschließlich im Ermessen des Lehrers.
Vergabe von Punkten
Wie viele Punkte für eine Teilleistung vergeben werden, ist wieder in weiten Grenzen willkürlich.
Umrechnung in Noten
Schließlich kann der Lehrer festlegen, wie er Punkte in Noten umrechnet.

Näheres zu dieser Feststellung finden Sie hier.

Externe Kriterien - eine unabdingbare Forderung

Bei den Angeboten des Handels kann der Verbraucher auf objektive Angaben vertrauen. Wenn auf der Verpackung 500 g steht, sind 500 g drin; wenn nicht, kommen Verbraucherschützer und Wirtschaftskontrolldienste und machen großen Ärger.

Mathematiknote 1 ist eine solche "Verbraucher"-täuschung. Die Einrichtungen, die Schulabgänger aufnehmen, führen deshalb in der Regel eigene Überprüfungen durch. Die Ergebnisse enttäuschen zunehmend. Die Schule kommt den Erwartungen der Öffentlichkeit nicht genügend nach; sie kann es nicht - siehe oben.

Würde die Arbeit der Schule an externen Kriterien gemessen, so hätte das ungeheure Auswirkungen auf den Schulalltag. Die wichtigste davon: Der Lehrer wäre nicht mehr die verhasste Autorität sondern der erwünschte Partner im Kampf um die geistige Entwicklung - eine völlig neue Perspektive für die Schule
 

Kritik und Anregungen an (nestle@go-2n.de)

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