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31.7.01/30.11.01

 TIMSS-Aufgaben bei anderen Zielgruppen

Herzlichen Dank an den Kollegen Dr. Albrecht von der PH Ludwigsburg, der bisher als einziger der angesprochenen Kollegen bereit war, zur Gewinnung der unten als nützlich bezeichneten Daten beizutragen.

Selbstversuch für Didaktiker
Lösungswahrscheinlichkeiten (Lehramtsstudenten; SS 2001)
Lösungswahrscheinlichkeiten (Lehramtsstudenten; WS 2001/2001)
Ausschnitte aus Bearbeitungen
Kontakt 

Es ist bekannt, daß deutsche Schüler bei TIMSS (Third International Math and Science Study) nur mittelmäßige Leistungen erbracht haben.

Siehe auch Bemerkungen zu TIMSS (1999)


 
In einer meiner ersten Veröffentlichungen schrieb ich 1968:
 
"In der industriellen Produktion gibt es Werkstücke, bei deren Herstellung verschiedene aufwendige Arbeitsgänge aufeinanderfolgen. Nach jedem Bearbeitungsschritt wird sorgfältig geprüft, ob die verlangten Eigenschaften und Maße erreicht worden sind. Gibt eine solche Zwischenkontrolle Anlaß zur Beanstandung, so wird das betroffene Werkstück sofort aus dem normalen Produktionsgang ausgeschieden. Zusätzliche Arbeitsgänge sorgen dafür, daß es wieder in den normalen Produktionsablauf eingegliedert werden kann. - Auf diese Weise wird verhindert, daß ein bereits untaugliches Werkstück weitere Kosten verursacht und den Produktionsgang belastet."
Ob Schüler in einer Unterrichtssequenz die Voraussetzungen für die nächstfolgende sicher erworben haben, wird gar nicht oder mit unzureichenden Methoden geprüft. Deshalb wird Schülern mit Defiziten wird heute nicht mit einer geeigneten Therapie geholfen; sie werden vielmehr ohne individuelle Hilfen solange zum eigenen Schaden und dem der Klasse mitgeschleppt, bis sie als gescheitert aussortiert werden.
 

Über die Gründe des unbefriedigenden Abschneidens der deutschen Schüler bei TIMSS wird heute noch diskutiert. Eine Vielzahl von Aktionen (SEMIC, WUM, ...) soll die Defizite beheben. 

Ob es sinnvoll ist, die für TIMSS-Aufgaben nötigen Qualifikationen zu besitzen, soll hier nicht erörtert werden. Profke fragt (in einer persönlichen Nachricht): 
 

Was wollen wir mit unserem Mathematikunterricht erreichen? Ist sein Ziel ein besseres Abschneiden bei Tests wie TIMSS?

Kommentar
Hier als Antwort nur eine Zusammenfassung früher veröffentlichter Überlegungen: Aufgabensätze wie die von TIMSS erlauben eine transparente Einteilung von Personen in solche, die in einer definierbaren Situation die Anforderungen zu 100 Prozent, teilweise oder gar nicht erfüllen können. Bei Gegenständen des täglichen oder gehobenen Bedarfs gilt die entsprechende Frage als legitim. Im Sport ist das Interesse für derartige Fragen Grundlage für einen beträchtlichen Teil der Angebote der Unterhaltungsindustrie in den Medien. Nur im kognitiven Bereich wird das Thema von vielen tabuisiert.

Bei der Ursachenforschung sind nach Kenntnis des Verfassers einige Bereiche ausgeblendet worden - vielleicht die entscheidenden. Solange in unserer Gesellschaft für das Lernen die Unverzichtbarkeit von Lehrern als personalen Mittlern zwischen Lernenden und den Anforderungen der Lerninhalte als Dogma - als Axiom - akzeptiert ist, beeinflusst das Können der Lehrer mittelbar auch das Können der Schüler. Dieses Axiom wird auch nicht aufgegeben, wenn es durch Gegenbeispiele widerlegt wird, aktuell z.B. durch die Versuche des indischen Wissenschaftlers S. Mitra vom NIIT, der beobachtet hat, wie Slumkinder in Indien sich selbst Computerwissen beibringen (Bericht in B5 Aktuell; Schallarchiv 31.7.01 ca. 7.50 bis 7.55). Die Ergebnisse von TIMSS sind daher unter den Bedingungen der Gegenwart nur dann hinreichend interpretierbar, wenn die Arbeitsergebnisse der Schüler mit denen ihrer Lehrer bei den gleichen Aufgaben verglichen wird.
Oder können Lehrer erfolgreich lehren, was sie selbst nicht können? (Wenn sie richtig vorgehen, können sie es natürlich; deshalb ist es nicht die beste Vorbereitung auf den Lehrberuf, künftige Lehrer mit Fachwissen vollzustopfen.)

Die Tabuisierung von kognitiven Defiziten und die damit verbundenen Absicherungsmechanismen haben bis heute verhindert, daß Lehrer selbst systematisch von den Schulbehörden mit den TIMSS-Anforderungen konfrontiert worden sind. Eigentlich wäre es doch selbstverständlich, daß man weiß, wie Lehrer mit solchen Anforderungen zurechtkommen. Wie sollen sie den sonst Defizite ihrer Schüler analysieren, bewerten und therapieren können?

Es ist ein interessanter Selbstversuch für Didaktiker, TIMSS-Aufgaben unter Zeitbeschränkung zu bearbeiten. Dies gilt, obwohl viele der Aufgaben Schwächen bei der Formulierung aufweisen. Wer sich angesprochen fühlt, findet unter http://www.ph-ludwigsburg.de/mathematik/personal/nestle/timss/auswahl.htm eine Auswahl von TIMSS-Aufgaben, für die eine Arbeitszeit von 30 Minuten angemessen ist. Ein Austausch über Selbsterfahrungen über fritz.nestle@extern.uni-ulm.de wird begrüßt.
 
 

Bis 14.5.2002 hat niemand Selbsterfahrungen mitgeteilt!

Sollten Sie den Selbstversuch gemacht haben, dann gibt es noch weitere interessante Rückmeldungsmöglichkeiten:

- Schätzen Sie die Lösungswahrscheinlichkeiten der ausgewählten Aufgaben für deutsche Schüler der achten Klassen und vergleichen Sie mit den Ergebnissen der TIMS-Studie.
- Schätzen Sie die Lösungswahrscheinlichkeiten für eine Gruppe von Lehramtsstudenten des Fachs Mathematik. Anschließend können Sie vergleichen mit
http://www.ph-ludwigsburg.de/mathematik/personal/nestle/timss/alb.htm.
Wenn Sie selbst Arbeitsergebnisse weitere Studentengruppen zur Publikation hier beisteuern (an fritz.nestle@extern.uni-ulm.de), wird dies außerordentlich begrüßt.
- Schätzen Sie die Lösungswahrscheinlichkeiten für Mathelehrer verschiedener Stufen. Hier gibt es keine Vergleichsdaten. Vielleicht können Sie solche beschaffen. (In der deutschen Wirtschaft wird großer Wert auf die Evaluierung von Mitarbeitern gelegt; die Evaluierung der Bosse ist kein Thema!)
Zum Gedankenaustausch über das Thema ist bereit fritz.nestle@extern.uni-ulm.de.
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