"Öhrchen-Projekt"

 

Was geht in 11-13-Jährigen in Berlin-Marzahn während des Schulunterrichts vor? Unterscheidet sich dies von Kindern gleichen Alters in einer ähnlichen Situation in Vaasa/Finnland, in Sofia/Bulgarien, Neuquen/Argentinien oder in Stuttgart-Vaihingen? Mittels meines speziell für dieses Projekt entwickelten Forschungssettings einer `Öhrchen-Installation´ ist es möglich, dass die Schülerinnen und Schüler einer 5.Klasse ihre geheimen Ideen, Wünsche, Ängste etc. auch während des Unterrichts äußern können (1.Projektphase): Es steht jeweils eine `Öhrchen-Plastik´ pro Kind zur Verfügung (siehe Auszüge aus dem Datenmaterial: Audiofiles).

Die `Öhrchen-Plastik´:

In die Ohrmuschel eines kinderhandgroßen Öhrchens aus einem formbaren Material ist ein MP3-Gerät samt Mikrofon eingebaut, das vom Kind an- und ausgeschaltet werden kann. Das in´s `Öhrchen´ Gesprochene wird so aufgezeichnet (siehe Bild: "Öhrchen-Plastik").

 

Die Mitwirkung am Projekt ist freiwillig. Eine Woche lang können die Schüler(innen) während der Schulstunden und in der Pause in `ihr Öhrchen´ das einflüstern, was sonst vielleicht kein Gehör findet.

Im Anschluss daran stellt jeweils eine der kooptierten internationalen Künstler(innen) als `Antwort´ auf eine der Kinderäußerungen eine körperbezogene künstlerische Arbeit her und führt dabei ein Tagebuch (2.Projektphase). Die wissenschaftliche Reflexion in Hinblick auf die jeweilige Thematisierung der Körperlichkeit erfolgt als Werk- und Tagebuchanalyse.

Die Künstlerarbeiten sollen die Schüler(innen) anschließend im Kunstunterricht zu eigenem bildhaftem Arbeiten anregen (3.Projektphase). Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt mit dem Ziel, individuelle Konzepte der Schüler(innen) zu verschiedenen Themen zu rekonstruieren und das leiblich vermittelte Responsivitätsgeschehen zwischen ihnen und den Künstler(innen) herauszuarbeiten.

Eine Dokumentation des entstehenden, weitgehend nonverbalen Dialogs zwischen den am Projekt beteiligten Schüler(innen) und den Künstler(innen) soll schließlich öffentlich ausgestellt werden (4.Projektphase): Nicht nur das Forschungssetting der `Öhrchen-Installation´ ist, etwa in der Tradition von Ansätzen der Concept Art und Context Art, als „Offenes Kunstwerk“ (Eco) zu verstehen und ist dementsprechend ergebnisoffen angelegt. Auch die Ausstellung der künstlerischen und wissenschaftlichen Dokumente zu dem durch die `Öhrchen-Installation´ in Gang gebrachten Dialog ist als „Offenes Kunstwerk“ angelegt, d.h. sie fordert eine aktive Rezeption durch den Ausstellungsbesucher, die Ausstellungsbesucherin heraus. Dabei sollen insbesondere die im geplanten Dialog mittels verschiedener Medien zutage tretenden Klischeevorstellungen und individuellen Konzepte zur Leiblichkeit deutlich werden.