Immer mehr Schulen sind ans Netz angeschlossen und können mit dem Internet arbeiten. Wer aber ist befähigt, die Lernenden angemessen einzuweisen? Wer wartet Hard- und Software und kümmert sich darum, dass die Programme aktualisiert werden und die Geräte auf dem neuesten Stand sind? In Hamburg bekommen die Referendare seit zwei Jahren zum Dienstantritt ein Notebook überreicht und werden in die Arbeit damit eingeführt. Aber was geschieht dann? Wie sieht es mit der kontinuierlichen Fortbildung aus? Diese Fragen müssen wir uns stellen, wenn wir uns mit den neuen Medien und ihrer Verwendung in den Schulen auseinander setzen. Obwohl die Zahl der Kolleginnen und Kollegen mit Computer ständig wächst, bedeutet dies nicht, dass sie auch in der Lage sind, damit sinnvoll und nutzbringend im Unterricht zu arbeiten. Manfred Overmann, ausgewiesen durch zahlreiche Veröffentlichungen über den Umgang mit dem Internet in der Schule, hat jetzt einen Band vorgelegt, der zum einen seine Arbeit an der Hochschule spiegelt, zum anderen deutlich macht, welche Möglichkeiten die neuen Medien eröffnen:
Manfred Overmann (2002):
Multimediale Fremdsprachendidaktik. Les sites internet à
exploiter en classe et des cours prêts à l'emploi. Theorie
und Praxis einer multimedialen, prozeduralen Didaktik im Kontext eines
aufgaben- und handlungsorientierten FU. Internet Communication Band 4.
Frankfurt/M.: Peter Lang. 221 Seiten, € 29,70 ISBN 3-631-38645-1
Die Komplexität des Untertitels mag auf den ersten Blick verwirren,
aber der Leser wird im Band selbst gut ins Thema eingeführt und über
die unterschiedlichen Facetten einer modernen Medienpädagogik informiert.
Es geht nicht um Dogmen in Bezug auf die neuen Medien, sondern um „neue
Perspektiven der Öffnung, Individualisierung und Differenzierung im
Unterricht" am Beispiel des Französischen. Der Autor beleuchtet kontroverse
Aspekte in Sachen Internet und etabliert seine „36 guten Gründe für
den Interneteinsatz im Französischunterricht". Neben umfangreicher
Theorie (konstruktivistische Grundlagen der Lerntheorie) geht es ihm vor
allem um ein neues Interaktionsmodell für einen interkulturellen und
mediengestützten FU. Dabei stellt sich auch die Frage, inwieweit das
Internet mit dem Lehrwerk kompatibel ist. Beispiele für Internetmodule
im FU werden angeführt, desgleichen Unterrichtsbeispiele „prêts
à 1'emploi" aus der französischen Landeskunde, z. B. „La promenade
du virtuo-touriste à travers le Paris virtuel d'Internet" (S. 132ff.)
oder Filmarbeit (Chabrol, Au cœur du mensonge) und die sinnvolle Integration
von Sendungen von TV 5. Wie in seinen Fachzeitschriftenartikeln nennt er
„les bonnes adresses francophones sur le Net ou le site portail du professeur
de FLE" -eine echte Fundgrube! Nur: Die Daten veralten oft schnell. Doch
neue Links findet man im Internet allenthalben, sodass hier wenig Probleme
auftreten sollten. Die Datenbank der PH Ludwigsburg, wo der Autor gegenwärtig
arbeitet, hilft dabei. Auch Lernsoftware Französisch wird untersucht
- auch hier gilt der obige Hinweis. In Zeitschriftenbeiträgen kann
das schnell aktualisiert werden. Overmann ist hier mit gutem Grund exemplarisch
vorgegangen, auch um den Lesern eine Einführung zu geben. Der Band
ist eine übersichtliche Zustandsbeschreibung mit kritischen Ein- und
Ausblicken, und der Autor darf in seinem Vorwort zu Recht sagen: „Aber
keine Angst: das Internet wird den Lehrer und die Lehrerin nicht ersetzen!"
Dies sollte uns ermutigen, den FU moderner und attraktiver zu gestalten,
nicht zuletzt, um die Malaise im Fach Französisch überwinden
zu helfen.