Anfang 2014 startete das neue umfassende EU-Bildungsprogramm ERASMUS+ .  Einen Kurzüberblick über die neuen Fördermöglichkeiten erhalten Sie hier.

Grundlage Europäischer Bildungspolitik - "Europa 2020"

Die Europäische Union verfügt über keine "gemeinsame Bildungspolitik", da die einzelnen Mitgliedstaaten aufgrund des "Subsidiaritätsprinzips" voll für die Lehrinhalte und die Gestaltung ihrer Bildungssysteme verantwortlich sind. Die Aufgabe der Union ist es daher, die Maßnahmen der Mitgliedstaaten im Hinblick auf die Verwirklichung einer europäischen Dimension zu unterstützen und zu ergänzen, damit sich kohärente "europäische Politiken" entwickeln können ("offene Koordinierungsmethode").

Strategisches Ziel der Union bis 2010 war es, "die Union zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt zu machen - einem Wirtschaftsraum, der fähig ist, ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und einen größeren sozialen Zusammenhalt zu erzielen" (Europ. Rat von Lissabon im März 2000).

Dieses Ziel konnte - nicht zuletzt durch die Wirtschaftskrise und das Offensichtlichwerden struktureller Schwächen Europas - nicht erreicht werden. Als Reaktion darauf hat die Europäische Union 2010 eine neue Strategie beschlossen, mit der sie die EU in eine "intelligente, nachhaltige und integrative Wirtschaft" umwandeln möchte.

Diese Strategie "Europa 2020" ist in 3 Schwerpunkte unterteilt, innerhalb derer 7 Leit­initiativen („flagship initiatives“) mit konkreten Maßnahmevorschlägen (für die EU sowie für die einzelnen Mitgliedsstaaten) festgelegt werden:

I. Intelligentes Wachstum: auf Wissen und Innovation gestützte Wirtschaft

  • „Innovationsunion“ (v.a. Neuausrichtung der FuE- und Innovationspolitik von der     „Blue sky“ Forschung bis zur Vermarktung)
  • „Jugend in Bewegung“ (v.a. Verbesserung der Qualität der allgemeinen und beruflichen Bildung, Mobilitätsförderung und Verbesserung der Beschäftigungs¬chancen)
  • „Eine digitale Agenda für Europa“ (z.B. Breitbandanschluß für jedermann, höhere Internetgeschwindigkeiten, etc.)

II. Nachhaltiges Wachstum: ressourcenschonende, umweltfreundlichere und wettbewerbsfähigere Wirtschaft

  • „Ressourcenschonendes Europa“ (v.a. Abkopplung des Wirtschaftswachstums von den Ressourcen und vom Energieverbrauch)
  • „Eine Industriepolitik für das Zeitalter der Globalisierung“ (v.a. Herausforderung, in der Globalisierung zu bestehen und Produktionsabläufe und Produkte auf die emissionsarme Wirtschaft einzustellen)

III. Integratives Wachstum: Wirtschaft mit hoher Beschäftigung und wirtschaftlichem, sozialem und territorialem Zusammenhalt 

  • „Eine Agenda für neue Kompetenzen und neue Beschäftigungsmöglichkeiten“ (v.a. Anhebung des Beschäftigungsniveaus, Nachhaltigkeit unserer Sozialmodelle, Förderung der beruflichen Anpassungsfähigkeit)
  • „Europäische Plattform zur Bekämpfung der Armut“ (Gewährleistung des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts, aktive und würdevolle gesellschaftliche Teilhabe von Menschen, die unter Armut und Ausgrenzung leiden)

Zudem benennt die EU 5 Kernziele als sog. „repräsentative Beispiele“ für das, was die EU bis 2020 erreichen möchte:

1) 75% -Beschäftigungsquote der 20-64-Jährigen (sowie vermehrte Einbeziehung von Frauen, älteren Arbeitnehmern und Migranten)
2) 3% des BIP der EU als Investition in Forschung und Entwicklung
3) Die 20-20-20-Klimaschutz-/Energieziele sollen erreicht werden
4) Der Schulabbrecheranteil soll auf < 10% gesenkt werden, mind. 40% der jüngeren Generation sollen einen Hochschulabschluss haben
5) Die Zahl der armutsgefährdeten Personen soll um 20 Mio. sinke 

Die 5 Kernziele werden anhand von 8 Leitindikatoren gemessen, die - nach Ländern aufgeschlüsselt - aktuell auf den Seiten von EUROSTAT abgerufen werden können.

Maßgeblich für die zukünftigen Förderprogramme und -inhalte der Europäischen Union sind insbesondere die Leitinitiativen "Innovationsunion", "Jugend in Bewegung" und "Eine Agenda für neue Kompetenzen und neue Beschäftigungsmöglichkeiten".

Hier finden Sie den Link zur Strategie "Europa 2020" und zu den 7 "Flagship Initiatives".

Basis für die Bildungszusammenarbeit - "Education and Training 2020"

Am 12. Mai 2009 beschloss die EU  einen neuen strategischen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen den EU-Mitgliedstaaten bei der Reform ihrer Bildungssysteme. Dieser strategische Rahmen löst das bisherige Arbeitsprogramm der EU-Bildungs¬minister/innen ab, das bis 2010 Gültigkeit hatte. Er dient der Verständigung auf gemeinsame Aktivitäten in den EU-Mitgliedstaaten im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung bis 2020. In den Schlussfolgerungen des Rates werden sowohl direkte Prioritäten für 2009-2011 als auch langfristige Zielsetzungen für das kommende Jahrzehnt festgehalten.


Folgende Ziele gelten bis 2020:

  • Verwirklichung von lebenslangem Lernen und Mobilität
  • Verbesserung von Qualität und Effizienz der allgemeinen und beruflichen Bildung
  • Förderung der Gerechtigkeit, des sozialen Zusammenhalts und des aktiven Bürgersinns
  • Förderung von Kreativität und Innovation (inkl. Unternehmergeist) auf allen Bildungsebenen

Zur Überwachung des Fortschritts wurden 5 Benchmarks fomuliert:

  1. Mind. 15% aller 25-64-Jährigen sollen bis 2020 am Lebenslangen Lernen teilnehmen
  2. Bis 2020 soll der Anteil 15-Jähirger mit Schwächen in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften geringer als 15% sein
  3. Bis 2020 sollen mind. 40% der 30-34-Jährigen ein tertiäres Bildungslevel erreicht haben (ISCED Levels 5 und 6)
  4. Bis 2020 soll der Anteil der Schulabbrecher geringer als 10% sein.
  5. Bis 2020 sollen 95% aller Kinder zwischen 4 Jahren und Schuleintrittsalter an Maßnahmen früher Bildung teilnehmen.

Zudem fordert der Rat die Kommission auf, bis Ende 2010 Vorschläge für weitere Benchmarks in folgenden Bereichen zu machen:

  • Mobilität
  • Beschäftigungsfähigkeit und
  • Sprachenlernen

 Mehr Informationen dazu finden Sie unter: http://ec.europa.eu/education/news/news1383_de.htm

 

Weitere Entwicklungen:

 

23.-24.11.2015: Ergebnisse des Rats Bildung, Jugend, Kultur und Sport:

26.8.2015: Neuformulierung der Prioritäten zur Umsetzung von ET 2020:

  1. Relevante, hochwertige Fertigkeiten und Kompetenzen für Beschäftigungsfähigkeit, Innovation und bürgerschaftliches Engagement – mit Fokus auf Lernergebnissen
  2. Inklusive Bildung, Chancengleichheit, Nichtdiskriminierung und Förderung von Bürgerkompetenz
  3. Eine offene und innovative allgemeine und berufliche Bildung, die sich die Errungenschaften des digitalen Zeitalters in vollem Umfang zu eigen macht
  4. Verstärkte Unterstützung der Lehrkräfte
  5. Transparenz und Anerkennung von Kompetenzen und Qualifikationen zur Erleichterung der Lern- und Arbeitsmobilität
  6. Nachhaltige Investitionen sowie Leistung und Effizienz der Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung

http://ec.europa.eu/education/documents/et-2020-draft-joint-report-408-2015_de.pdf

 

31.1.2011: Initiative gegen Schulabbruch der Europäischen Kommission

 

                   

Europäische Bildungspolitik vor 2010 - ein Rückblick:

In den Jahren 2000 - 2010 war der "Bericht über die konkreten zukünftigen Ziele der allgemeinen und beruflichen Bildungssysteme" Grundlage europäischer Bildungspolitik. Dort wurden 3 strategische Ziele und 13 Teilziele benannt. Aufbauend auf diesem Bericht wurde ein ausführliches Arbeitsprogramm erstellt, in dem es um die Umsetzung der vereinbarten strategischen Ziele ging. Beide Dokumente gaben Aufschluss darüber, welche Themen und Bereiche im Förderfokus der EU lagen (weiterhin liegen) und anhand welcher Indikatoren ihre Umsetzung gemessen wird

Gemeinsame Zwischenberichte des Rates und der Kommission zur Umsetzung der Ziele:

1) 30.04.2004: "Allgemeine und Berufliche Bildung 2010" - Die Dringlichkeit von Reformen für den Erfolg der Lissabon-Strategie"

2) 01.04.2006: "Modernisierung der allgemeinen und beruflchen Bildung: ein elementarer Beitrag zu Wohlstand und sozialem Zusammenhalt in Europa"

3) 02.10.2007: Jahresbericht 2007 der EU-Kommission zur den Fortschritten in Richtung Lissabon-Ziele im Bildungsbereich.

4) 5.4.2008: Gemeinsamer Fortschrittsbericht 2008 des Rates und der Kommission über die Umsetzung des Arbeitsprogramms Allgemeine und berufliche Bildung 2010 — Wissen, Kreativität und Innovation durch lebenslanges Lernen

5) 12.05.2009: EU-Mitgliedstaaten vereinbaren Ausbau der Zusammenarbeit in der allgmeinen und beruflichen Bildung. Der Rat hat sowohl direkte Prioritäten für 2009 - 2011 festgelegt, als auch sich auf einen Rahmen für die zukünftige Zusammenarbeit im kommenden Jahrzehnt geeinigt. Doukumente dazu finden Sie hier.

Innerhalb der Europäischen Kommission ist die Generaldirektion Bildung und Kultur für die europäische Zusammenarbeit im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung zuständig.

 

 

Weitere bildungspolitische Dokumente der Europäischen Union

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl an für die Pädagogischen Hochschulen relevanten bildungspolitischen Mitteilungen, Empfehlungen und anderen Dokumenten der Europäischen Union

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Mitteilung der Kommission: Bessere Kompetenzen für das 21. Jahrhundert: eine PDF Agenda für die europäische Zusammenarbeit im Schulwesen (3. Juli 2008)

Die Mitteilung schlägt eine Agenda für die Verstärkung der europäischen Zusammenarbeit im Schulwesen vor, in der die größten Herausforderungen bestimmt werden, die sich dem Schulsystem stellen und die am besten durch eine solche Zusammenarbeit bewältigt werden können (Kompetenzen als Schwerpunkt - Hochwertiges Lernangebot für Schüler/innen - Lehrkräfte und Schulpersonal)

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Mitteilung der Kommission: "Eine erneuerte Sozialagenda: Chancen, Zugangsmöglichkeiten und Solidarität im Europa des 21. Jahrhunderts" (2. Juli 2008)

Die erneuerte Sozialagenda ist bereichsübergreifend und mehrdimensional - von der Arbeitsmarktpolitik bis hin zu Bildung, Gesundheit, Einwanderung und interkutlurellem Dialog. Sie umfasst in ihrem weiteren Vorgehen u.a. eine Mitteilung über die Schulbildung, deren Ziel es ist, die Bemühungen der Mitgliedstaaten dabei zu unterstützen, die Qualität ihrer Bildungssysteme zu verbessern, die Zielvorgaben in Bezug auf Schulabbrecher, Lesekompetenz und den Abschluss der Sekundarstufe II zu erreichen und die jungen Menschen auf das lebenslange Lernen vorzubereiten. Die Mitteilung stützt sich auf die Ergebnisse einer Konsultation der Öffentlichkeit zum Thema "Schulen für das 21. Jahrhundert". Zudem wird die nie neue Agenda auch das Grünbuch "Migration und Mobilität: Herausforderungen für die EU-Bildungssysteme" umfassen.

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Grünbuch: Migration & Mobilität: Chancen und Herausforderungen für die EU-Bildungssysteme (Vorlage der Kommission, 3. Juli 2008)

In diesem Grünbuch geht es um die hohe Zahl und Bildungsbenachteiligung von Schüler/innen mit Migrationshintergrund.

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Schlussfolgerungen des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der
Mitgliedstaaten vom 22. Mai 2008 zur Förderung von Kreativität und Innovation durch allgemeine und berufliche Bildung

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Schlussfolgerungen des Rates und der im Rat vereinigten Vertreter der Regierungen der
Mitgliedstaaten vom 22. Mai 2008 zu einem europäischen Konzept für die Medienkompetenz im digitalen Umfeld

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Empfehlung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. April 2008 zur Einrichtung des Europäischen Qualifikationsrahmens für lebenslanges Lernen

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Pressemitteilung "Éducation, jeunesse, culture"

Die EU-Bildungsminister haben sich beim Europäischen Qualifikationsrahmen für Lebenslanges Lernen geeinigt. In der entsprechenden Pressemitteilung ("Éducation, jeunesse et culture") des Rates  werden zudem u.a. folgende Themen behandelt:

  • Verbesserung der Qualität der Lehrerbildung (siehe hierzu auch die entsprechenden Schlussfolgerungen des Bildungsministerrates vom 26.10.2007 (fr)bzw. auf deutsch unter: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:C:2007:300:0006:01:DE:HTML
    U.a. sollen vorhandene Programme und Instrumente genutzt werden, um wissenschaftliche Erkenntnisse in Bezug auf Lehrerbildung, Initiativen für wechselseitiges Lernen, innovative Projekte oder Mobilität zu fördern.
    Die EU-Komission hatte zu diesem thema am 3.08.2007 eine Mitteilung angenommen: "Verbesserung der Qualität der Lehrerbildung".
  • Bildung und Ausbildung als wesentlicher Motor der Lissabon-Strategie (s. entsprechender Beschluss vom 19.10.2007)
  • Hin zu einem Europa der Mehrsprachigkeit
    Die EU-Bildungsminister betonten die wirtschaftliche und soziale Bedeutung der Mehrsprachigkeit und sprachen sich für lebenslanges Sprachenlernen vom frühesten Kindesalter an und eine angemessene Sprachlehrerausbildung aus. U.a. wurde dafür plädiert, Sprachprogramme zu entwickeln, die die Integration von Einwanderern nicht nur durch das Lehren der Sprache des aufnehmenden Landes sondern auch der Muttersprache fördert.
  • Beabsichtigte Verlängerung des Programms ERASMUS Mundus mit kleinen Änderungen bis 2013

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Entschließung des europäischen Parlaments vom 27.Sept 2007 zur Effizienz und Gerechtigkeit in den europäischen Systemen der allgemeinen und beruflichen Bildung

Das EU-Parlament betont in einer Entschließung u.a. die Bedeutung vorschulischer Bildung, fordert mehr Investitionen in diesem Bereich und spricht sich gegen eine zu frühe Differenzierung der Schüler aus.

http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+TA+P6-TA-2007-0417+0+DOC+XML+V0//DE&language=DE

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Mitteilung der Kommission vom 27.9.07:  PDF Aktionsplan Erwachsenenbildung - zum Lernen ist es nie zu spät (PDF)