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Hochschulpolitik: Pädagogische Hochschulen fordern zukunftssichere Finanz- und Personalausstattung

Von: Landesrektorenkonferenz der Pädagogischen Hochschulen Baden-Württemberg

23-07-2019

Bildung ist die Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben, für berufliche Qualifikation und für gesellschaftliche Partizipation. Sie ist ein grundlegendes Menschenrecht, das mit der Geburt beginnt und ein ganzes Leben lang besteht. Zugleich ist sie die entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung der Wissensgesellschaft. Grundlegende und angewandte bildungswissenschaftliche Forschung, die wissenschaftliche Ausbildung von Fachleuten für die Gestaltung von Bildungsprozessen und die Entwicklung von Bildungsinnovationen sind die Kernaufgaben der Pädagogischen Hochschulen, über die Baden-Württemberg als einziges Bundesland verfügt.

Damit sie ihre Kernaufgaben auch in Zukunft auf hohem Qualitätsniveau erfüllen und an neue Erfordernisse anpassen können, braucht es eine dauerhaft verlässliche Finanzierung sowie – mit Blick auf die Zukunftsaufgaben bildungswissenschaftlicher Hochschulen – eine Anpassung künftiger Ressourcen. Die Landesrektorenkonferenz der Pädagogischen Hochschulen fordert das Land Baden-Württemberg daher auf, die anhaltenden strukturellen Defizite im Rahmen des Hochschulfinanzierungsvertrages II abzubauen und insbesondere eine zukunftssichere Grundfinanzierung sicherzustellen.

Neue Schwerpunkt in Lehre und Forschung

„Das Aufgabenspektrum der Pädagogischen Hochschulen hat sich in den letzten Jahren stark erweitert“, erklärt Professor Dr. Hans-Werner Huneke, Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz der Pädagogischen Hochschulen (LRK-PH) und Rektor der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. Zwar liegt der Schwerpunkt dieses Hochschultyps bis heute in der Ausbildung von Lehrkräften für Grundschulen, die Sekundarstufe I und die Sonderpädagogik, im Zuge aktueller gesellschaftlicher Bedarfe sind jedoch neue Studienschwerpunkte beispielsweise im Bereich der Inklusion, der Gesundheitsförderung oder der digitalen Medienbildung entstanden. Dazu kommt der Auf- und Ausbau von Kooperationen mit anderen Hochschultypen und die damit verbundene zusätzliche Aufgabe, an der Ausbildung von Lehrkräften für Gymnasien und für das berufliche Schulwesen mitzuwirken. Mit dieser Entwicklung geht eine seit Jahren stetig steigende Zahl von Studierenden und Absolventinnen bzw. Absolventen einher.

Ähnlich sieht es im Bereich der Forschung aus: Die Pädagogischen Hochschulen haben sich zu leistungsstarken Wissenschaftszentren entwickelt, die nicht nur schulbezogene Initiative im In- und Ausland erforschen, sondern auch vor- und außerschulische bildungswissenschaftliche Forschungsthemen bearbeiten: „Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler tragen entscheidend dazu bei, dass wir die komplexen Bedingungsgefüge von Bildungsprozessen besser verstehen sowie Faktoren für ihr Gelingen beispielsweise im Bereich der Integration von Menschen mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund erkennen. Dazu kommt – und das ist essentiell – dass wir konkrete, passgenaue Lösungsvorschläge für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen entwickeln und der Gemeinschaft zur Verfügung stellen“, sagt Huneke.

Fehlende Ressourcen gefährden Zukunft

Nicht weiterentwickelt haben sich hingegen die finanziellen wie personellen Ressourcen der Pädagogischen Hochschulen. Dies macht es ihnen laut Huneke nahezu unmöglich, weiterhin innovativ auf wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen einzugehen. Gerade hier sieht die Landesrektorenkonferenz der Pädagogischen Hochschulen eine große Gefahr: „Wir qualifizieren Bildungsexpertinnen und -experten, die nach ihrem Studium andere Menschen bei ihren individuellen Lebens- und Bildungsverläufen unterstützen. Wir müssen unsere Studierenden demnach bereits heute dazu befähigen, fundierte Antworten auf Fragen zu geben, wie etwa Bildung in einer von Digitalisierung geprägten Welt aussieht oder wie zunehmend heterogene Klassen oder andere Gruppen bestmöglich zusammen lernen und arbeiten. Als Hochschule brauchen wir hierzu wiederum eine angemessene Ausstattung, die eine verlässliche Planung erlaubt“, so der Vorsitzende.

Wettbewerb um die besten Köpfe

Dazu zählen für die LRK-PH eine Verstetigung sowie dynamische Anpassung der Finanzierung für die in den letzten Jahren zusätzlich geschaffenen Studienplätze, um Dauerstellen in der Lehre schaffen zu können. Nur so könnten die Pädagogischen Hochschulen auch im Wettbewerb um die besten Köpfe zukunftsfähig bleiben: „Gerade im MINT-Bereich konkurrieren wir mit Unternehmen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen um die besten Fachkräfte. Insbesondere mit Blick auf die Entwicklung von digitalen Kompetenzen ist es aber unerlässlich, dass unsere Studierenden und perspektivisch die Schülerinnen und Schüler von Topleuten ausgebildet werden“, meint Huneke. Die LRK-PH begrüßt daher, dass das Land das Unterrichtsfach Informatik derzeit für alle Schularten ausbaut. Ähnlich sieht es bei den Schulfächern Ethik und Islamische Theologie/Religionspädagogik aus. Auch hier unterstützen die Pädagogischen Hochschulen die Bemühungen des Landes, beide Fächer auszubauen bzw. zu verstetigen: „Wir sind gerne bereit, unseren Teil zu der Ausbildung von entsprechend qualifizierten Lehrkräften beizutragen, wenn man uns dies finanziell ermöglicht“, sind sich die Hochschulleitungen einig.

Gute Lehrerbildung braucht eine gute Ausstattung

In dem Zusammenhang verweist die LRK-PH auf die insuffiziente Ausstattung der Professuren mit Personal sowie die verfügbaren Forschungsmittel pro Professur. Zwar haben sich die Pädagogischen Hochschulen in der Drittmitteleinwerbung als national und international wettbewerbsfähig erwiesen, sie verfügen jedoch nicht über die finanziellen Rahmenbedingungen und Forschungsinfrastruktur wie sie an den Landesuniversitäten Standard sind. Dazu kommt, dass bei Berufungen im Bereich der Lehrerbildung nicht nur eine Habilitation, sondern auch ein Lehramtsstudium und eine mindestens dreijährige Schulpraxis vorausgesetzt werden. „Dies ist ein Alleinstellungsmerkmal, das den besonderen intensiven Wechselbezug von Theorie und Praxis ermöglicht, der unsere Lehrbildung so besonders macht. Als Folge müssen wir jedoch die Ausbildung dieses wissenschaftlichen Nachwuchses selbst gewährleisten und brauchen entsprechende Anreizsysteme wie etwa Tenure Track Professuren, um Promovierende für eine bildungswissenschaftliche Laufbahn zu begeistern“, erklärt der Vorsitzende der LRK-PH.

Erfolgreiche Hochschulen brauchen leistungsstarke Verwaltung

Nachholbedarf sehen die Rektorate der Pädagogischen Hochschulen auch in den wissenschaftsstützenden Services wie etwa die Personal- bzw. Drittmittelverwaltung oder den Rechenzentren. Der hier von der LRK-PH geforderte Ausbau der juristischen und administrativen Expertise ergibt sich zum Beispiel aus einer zunehmenden Verrechtlichung, aus den Erfordernissen von Datenschutz und Informationssicherheit oder der Digitalisierung. „Erfolgreiche Hochschulen brauchen eine Verwaltung, in der kompetente und leistungsfähige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sind. Die veränderten und erheblich gewachsenen Anforderungen erfordern ein deutlich höheres Qualifikationsniveau der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ohne zusätzliche Mittel laufen wir Gefahr, als Arbeitgeber unattraktiv zu werden, was unabsehbare Konsequenzen auch für die Forschung und Lehre mit sich bringen würde“, sagt Huneke.

Bildung als Schlüssel

Abschließend appelliert die Landesrektorenkonferenz der Pädagogischen Hochschule an die Landesregierung: „Die Zukunftsfähigkeit unseres Landes hängt entscheidend von der Qualität des Bildungssystems ab. Um unsere Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit nicht zu verlieren und nachfolgende Generationen bestmöglich auf die Zukunft vorzubereiten, brauchen die bildungswissenschaftlichen Hochschulen in Baden-Württemberg eine angemessene und verlässliche Finanzierung.“

Die detaillierten Forderungen der Pädagogischen Hochschulen finden Sie unter www.ph-bw.de.
 
Hintergrund
Die Pädagogischen Hochschulen in Freiburg, Heidelberg, Karlsruhe, Ludwigsburg, Schwäbisch Gmünd und Weingarten sind auf Bildungswissenschaften spezialisierte Hochschulen universitären Profils mit Promotions- und Habilitationsrecht. Das macht sie bundesweit einzigartig. Ihr Studienangebot umfasst die gesamte Breite der Bildungsberufe, wobei der Schwerpunkt auf der Lehrerbildung liegt. Ihre Forschungsvorhaben lassen sich im Spektrum zwischen bildungswissenschaftlicher Grundlagenforschung und der anwendungsorientierten Entwicklung von Bildungsinnovationen verorten. Alle Pädagogischen Hochschulen pflegen sowohl in der Forschung als auch in der Lehre intensive Kontakte zu zahlreichen Partnerhochschulen in der ganzen Welt; dazu kommen außeruniversitäre Partner im In- und Ausland, um das an den Hochschulen vorhandene Wissen auch für außerschulische Bereiche nutzbar zu machen. Wissenschaftlich fundierte Weiterbildungsangebote runden das Profil der Pädagogischen Hochschulen ab.


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