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Leitende Ideen zum Profil der Professur für sozialwissenschaftliches Lernen für die Primarstufe

Bettina Blanck, Stand 08.11.2014

Der Sachunterricht insgesamt bzw. der Unterricht im Fächerverbund Mensch, Natur und Kultur (Menuk) erfordert von Lehrerinnen und Lehrern der Primarstufe besondere fachliche, methodische und didaktische Kompetenzen. Ausgangslage des sozialwissenschaftlichen Sachunterrichts ist, dass die Bezeichnung „Sozialwissenschaften“ nicht auf eine Disziplin bezogen ist, sondern – je nach Verständnis – sehr unterschiedliche Disziplinen bündeln kann. Gelingendes sozialwissenschaftliches Lernen und Lehren hängt wesentlich davon ab, wie eine auf diese Breite bezogene forschende und methodisch reflexiv-kritische Haltung (Einstellung) zukünftiger Lehrerinnen und Lehrer sich im Studium entwickeln kann. Angesichts der Fach- und Mentalitätenheterogenität mag sonst leicht Hilflosigkeit entstehen, die sich in Ab- und Ausgrenzungen flüchtet.

Ein Studium, welches Studierenden in diesem Sinne Grundlagen sozialwissenschaftlichen Lernens und Lehrens in einem integrativ – d. h. auch die naturwissenschaftlichen Disziplinen miteinbeziehenden – konzipierten Sachunterricht erschließen will, sollte sich aus einer deliberativen/erwägungsorientierten Perspektive an folgenden leitenden Ideen orientieren:

·         Sozialwissenschaftliches Lernen und Lehren ist in einer demokratischen Gesellschaft in besonderer Weise der Förderung deliberativer Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler verpflichtet. Dementsprechend sollten Studierende Zusammenhänge zwischen Bildung, Deliberation und Demokratie kennen sowie einen deliberationsoffenen und partizipatorischen Unterricht gestalten können.

·         Die Studierenden soll(t)en die je eigenen Fachkompetenzen einerseits zum Ausgang für den Unterricht nehmen können, andererseits in der Lage sein, sich von hier aus die anderen, jeweils beteiligten Fächer zugänglich zu machen. Dazu gehört auch die Fähigkeit zur gemeinsamen Entwicklung von Unterrichtsprojekten mit Kolleginnen und Kollegen, die andere, fachliche Schwerpunkte haben. Studierende sollten in den Veranstaltungen zum sozialwissenschaftlichen Lernen für die Primarstufe jeweilige Themen aus einer inter- und transdisziplinären Perspektive erschließen lernen. Hierbei ist besonderer Wert auf die Frage des Umgangs mit einerseits sich ergänzenden Perspektiven und andererseits sich ausschließenden alternativen Positionen zu legen. Studierende soll(t)en befähigt werden, methodisch mit Kontroversen klärungsförderlich umzugehen. Idealerweise können den Studierenden auch fächerübergreifende Veranstaltungen angeboten werden, in denen exemplarisch aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen ein Thema des integrativen Sachunterrichts behandelt wird.

·         Insofern ein methodisch klärungsförderlicher Umgang mit Kontroversen für Lehrerinnen und Lehrer nicht nur fachlich, sondern auch sozial relevant ist, wie z. B. in der Elternarbeit, beim Umgang mit Konflikten (Streitschlichtung) oder der Schulentwicklung, sollten diese Themen mitbedacht werden.

·         Weil der Sachunterricht Lehrerinnen und Lehrer große thematische Freiräume lässt, müssen sie in der Lage sein, für jeweilige Schülerinnen und Schüler relevante sozialwissenschaftliche Themen zu identifizieren und aufzubereiten. Die Studierenden sollten dementsprechendes fachliches und methodisch-didaktisches Wissen erwerben und anwenden können.

·         Sozialwissenschaftliches Lernen als Hinführung zu wissenschaftlichem Arbeiten erfordert, dass Lehrerinnen und Lehrer die reflexiv methodischen Fähigkeiten ihrer Schülerinnen und Schüler anbahnen und fördern können. Hierfür sollten die Studierenden entsprechende reflexiv-methodische Kenntnisse nicht nur übernehmend sich aneignen und nutzen können, sondern auch eigenständig Methoden variieren und entwickeln lernen. Dafür kann z. B. auch die Selbstreferentialität der Seminarsituation als Lern-/Lehrsituation genutzt werden.

·         Studierende sollen deliberationsoffene Aufgaben für sozialwissenschaftliches Lernen entwickeln können. Dabei geht es auch darum, die Balance von Offenheit und Struktur gerade mit Blick auf Inklusion individuell differenziert auszugestalten. Vorhandene Lehr- und Lernmaterialien sollten sie aus der Perspektive eines fächerintegrativen deliberationsoffenen Unterrichts bewerten und entsprechende fachliche und methodisch-didaktische Modifikationen vornehmen können.

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