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Der Islam gehört zu Deutschland

Von: Stefan Jeuk

28-04-2016

Auch das zweite Treffen des "Forum Migration" am 16. Juni 2016 war mit ca. 40 Personen gut besucht. Erneut waren neben Studierenden auch engagierte Bürgerinnen und Bürger gekommen. Frau Juniorprofessorin Dr. Julia Dröber von der Abteilung für Islamische Religionspädagogik referierte zum Thema "Der Islam gehört zu Deutschland."

Die Ankunft vieler Flüchtlinge aus muslimisch geprägten Ländern hat wieder einmal die Frage aufgeworfen, welche Rolle der Islam und Muslime in Deutschland spielen können/sollen/dürfen. Zunächst einmal ging es um die Frage nach der geschichtlichen Dimension der Existenz von Muslimen in Deutschland. Zum Einstieg in die gegenwärtige Debatte über den "Islam in/und Deutschland" wurden dann einige scheinbar klare Sachverhalte hinterfragt: Sind Islam und Muslime gleichbedeutend? Sind alle Flüchtlinge Muslime? Praktizieren alle Muslime ihre Religion? Wo hört die Freiheit der Religion auf? Inwiefern sind Islam und Muslime bereits ein Teil von Deutschland? Frau Dröber gab wichtige Impulse zu diesen Fragen und öffnete den Blick dafür, dass stereotype Perspektiven, die "den Islam" in den Fokus stellen, unangebracht sind.In der anschließenden Diskussion wurde zunächst die Frage aufgeworfen, wieso es überhaupt einen nach Konfessionen getrennten Religionsunterricht gibt und ob der Verständigung und dem Dialog unter den Menschen verschiedener Religionen nicht mehr gedient wäre, wenn es einen gemeinsamen Ethikunterricht gäbe. Die Frage wurde kontrovers diskutiert, ein ernst zu nehmender Einwand gegen diese These ist der Hinweis, dass es in der gegenwärtigen politischen Lage ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber Muslimen und der Integrationsbereitschaft der deutschen Gesellschaft ist, die muslimischen Religionsgemeinschaften im Hinblick auf schulischen Unterricht gleich zu stellen. Insbesondere wird der islamische Religionsunterricht unter staatlicher Aufsicht als wichtiges Instrument gesehen, einen demokratischen Islam zu vermitteln.In einer zweiten Diskussionsrunde wurde die historische Perspektive des Beitrags von Frau Dröber aufgegriffen. Es wurde deutlich, dass Stereotype wie "der Islam" oder " die Muslime" und vor allem der Hinweis auf soziale und kulturelle Praktiken bestimmter religiöser Gruppen problematisch sind. Abgesehen davon, dass es im Islam und unter den Muslimen, ebenso wie in anderen religiösen Richtungen, eine große Vielfalt und Diversität gibt, ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass bestimmte soziale Praktiken eher eine Frage soziokultureller Orientierungen als von Religionen ist. So finden sich bestimmte Ausprägungen patriarchaler Strukturen, die zu Recht kritisiert werden, in den verschiedensten Religionen wieder. Deutlich wurde auch, dass aus historischer Perspektive die Frage, was eigentlich „Deutschland“ ist und wer oder welche Regionen zu einer Nation, einem Staat oder einer Kultur dazu gehören oder nicht, unter historischer und sozialwissenschaftlicher Perspektive nicht eindeutig zu beantworten ist. Staaten, Nationen und Religionen sind historisch gewachsene Konstrukte, die Identitäten erzeugen. Diese Konstrukte gilt es zu hinterfragen und zu relativieren. Somit ist die Frage, welche Religion zu welchem staatlichen Konstrukt „gehört“, gar nicht zu stellen. Zu Deutschland gehören die Menschen, die in Deutschland leben, gleich welcher Religion oder Ethnie sie sich zugehörig fühlen.

Stefan Jeuk, 16. Juni 2016


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