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Rechtspopulismus

Von: Stefan Jeuk

22-12-2016

Am 26. Januar 2017 hielt Prof. Dr. Ulrike Hormel (Soziologie) einen hoch aktuellen Vortrag zum Thema "Rechtspopulismus, Rassismus und migrationspolitische Grenzziehungen im Horizont der sogenannten ‚Flüchtlingskrise‘: Die Wiederkehr ‚tradierter‘ Reaktionsmuster im Umgang mit Migration und Flucht?"

Das Literatur-Café war trotz zu Ende gehendem Vorlesungsbetrieb und einer entsprechenden Arbeitsbelastung durch Prüfungen auf Studierenden- und Kollegenseite mit ca. 40 Personen sehr gut besucht, erfreulicherweise auch von zahlreichen Gästen von außerhalb der PH.
Ulrike Hormel widmete sich dem Thema Rechtspopulismus, indem sie sich näher mit der Frage beschäftigte, ob der gegenwärtig zu beobachtende sogenannte „Neo-Rassismus“ denn wirklich so neu sei oder ob es sich nur um bestenfalls neue Gewänder des alten „Rassismus ohne Rassen“ handelt. Anhand von zahlreichen Beispielen konnte sie sehr eindrucksvoll zeigen, dass die gegenwärtig so neu erscheinenden Debatten schon in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts im öffentlichen Raum geführt wurden. Exemplarisch kann die rassistische Ausrichtung des öffentlichen Diskurses in den 90er Jahren anhand der „das Boot ist voll“ Metapher in Form eines Titelbildervergleichs von SPIEGEL-Titelblättern belegt werden. Der konstruktivistische Erklärungsansatz, dass damals wie heute die „Bedrohungs-Objekte“ erst konstruiert und inszeniert werden müssen und dass es sich um „Imaginationen von Bedrohungen“ handelt, untermauert die These: Vorrangig sind Kontinuitätslinien und nicht etwaige Brüche zu betrachten. Damals wie heute instrumentalisiert die „Neue Rechte“ (neo)rassistische Ideologien als Recht auf Verteidigung des „Eigenen“ gegenüber dem „Fremden“. Zwar gebe es auch Unterschiede zwischen den neunziger Jahren und heute, aber die „Logik der Grenzziehung“ konstruiert auch heute erst wieder die Flüchtlinge als eine vermeintlich homogene Gruppe, die dann kollektiv als Gefahrenquelle wahrgenommen werden kann. Ausgehend von der Aussage des AfD-Politikers Alexander Gauland, der die „Flüchtlingskrise als Geschenk“ bezeichnete, konnte sie einen einleuchtenden Bogen schlagen zwischen der – rassistischen – Instrumentalisierung der Asylpolitik in den neunziger Jahren und heute.
In der sehr anregend geführten anschließenden Diskussion wurde zunächst überwiegend Zustimmung zu den Thesen von Frau Hormel geäußert. Zur Debatte stand unter anderem, ob der „Neorassismus“ tatsächlich ohne Konstruktion von  „Rasse“ und „Volk“ auskomme. Die Frage allerdings, was gegen den Rassismus, die völkischen Argumentationen und die Ausgrenzung „der Anderen“ zu tun sei und wie die Bürgergesellschaft reagieren solle, ist nicht einfach zu beantworten. Recht vehement wurde in einigen Beiträgen eine grundlegende Abkehr vom Nationalismus in jeder Form vorgeschlagen. Hier gab es noch die Überlegung, inwieweit wir ggf. einen neuen gesellschaftlichen Diskurs darüber führen sollten, in welcher Gesellschaft wir leben wollen, um der Konstruktion einer imaginierten Bedrohung aktiv entgegenzuwirken.
Einige der jüngeren TeilnehmerInnen äußerten die Hoffnung, dass der Neorassismus, in der derzeit auftretenden extremen Form, so wie andere Strömungen auch, wieder nachlasse.
Der anregende Abend wurde in einer Reihe von Gruppendiskussionen beendet.
(Helmut Däuble, Stefan Jeuk)


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