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Projektsemester-Präsentation auf der "MEDIZIN" Fachmesse in Stuttgart

In Kooperation mit der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg verwirklichten vier Studentinnen der Kultur- und Medienbildung das Projekt MinusPlus. Ziel war es, neue Zugänge zur Thematik Medizin im Nationalsozialismus zu entwickeln. Vom 29. - 31. Januar werden die Ergebnisse auf der "MEDIZIN" Fachmesse in Stuttgart präsentiert.

Minus und Plus - zwei Zeichen, die in den Meldebögen der ärztlichen Gutachter im Dritten Reich über Leben und Tod von Menschen entschieden. Die Frage, welche Faktoren die Menschen damals veranlassten, im Sinne einer Rassenideologie zu handeln beziehungsweise sich schlichtweg nicht zu widersetzen, bleibt. Inwiefern in der Medizin heute Parallelen zur Vergangenheit bestehen, sei dahingestellt. Doch was Ärztinnen und Ärzten damals wie heute abverlangt wird, sind Entscheidungen, die das Leben ihrer Patientinnen und Patienten maßgeblich beeinflussen. Dieser Zustand wirft die Frage auf: Welchen medizinethischen oder moralischen Kontroversen stehen Ärztinnen und Ärzte heute gegenüber?

Auf Basis dieser Fragen konzipierten und realisierten die vier KuMeBi-Studentinnen Jennifer Barton, Carmen Fahlbusch, Cynthia Lechner und Laura Murgia das Projekt "MinusPlus". Durch die vier Vertiefungsbereiche Theater & Literatur, Kunst, Musik sowie Film & digitale Medien konnte eine neue, künstlerisch-kreative Auseinandersetzung mit dem Thema initiiert werden.

Ausgangspunkt des Projektes war eine quantitative Onlineumfrage mit 779 Teilnehmern, die im September 2015 die medizinethische Einstellung von Ärztinnen und Ärzten im Kontext des Nationalsozialismus erhob. Zwischen all den aufschlussreichen Erkenntnissen fielen einige Resultate besonders ins Auge: Obwohl das Thema Medizin im Nationalsozialismus in der Literatur weitgehend gut aufgearbeitet ist, gibt fast ein Fünftel der befragten Ärztinnen und Ärzte an, sich noch nie mit dieser Thematik befasst zu haben. Nahezu ein Drittel der Befragten stuft den eigenen Wissensstand hierzu als schlecht ein. Rund die Hälfte wäre gerne besser darüber informiert. Fünfzig Prozent der Befragten glauben ebenfalls, sich in ihrer Einstellung zu aktuellen medizinethischen Problemen von ihrem Wissen über die NS-Vergangenheit beeinflussen zu lassen (siehe Grafik).

An den aus der Befragung gewonnenen Erkenntnissen knüpft die weitere Projektarbeit von "MinusPlus" an. Ziel ist es, durch die Betrachtung historischer Ereignisse Aufmerksamkeit für schwierige Entscheidungssituationen in der eigenen Gegenwart zu schaffen.

An mehreren Themenabenden konnten sich Medizinerinnen und Mediziner mit kontroversen Charakteren aus der Geschichte auseinandersetzen. Aus dieser Reflexion des Berufsethos und der ärztlichen Rolle im Verlauf der Geschichte entstand eine audiovisuelle Collage, die auf der MEDIZIN Fachmesse Stuttgart vom 29. bis 31. Januar 2016 präsentiert wird. Auf der Messe unmittelbar erfahrbar wird auch das Ergebnis des zweiten Teilprojektes: anhand der Umfrageergebnisse und den Erfahrungen aus dem Ärztealltag entstanden Theaterszenen, die aktuelle Problemfelder im geschichtlichen Kontext beleuchten. Sie werden auf der Messe Flashmob-artig von Schauspielstudierenden der Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg aufgeführt. Das dritte Teilprojekt bedient sich der Bildenden Kunst: Im Zuge des Plakatgestaltungsseminars von Marc Benseler designten Studierende des Fachbereiches Kunst Plakate, die sich mit der ärztlichen Rolle in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinandersetzen.

 

Landesmesse Stuttgart GmbH
Messepiazza 1
70629 Stuttgart

 

Fr., 29.01.16          10.30 - 18.00 Uhr
Sa., 30.01.16         09.00 - 18.00 Uhr
So., 31.01.16         09:00 - 16:00 Uhr

Ausstellungsraum: Foyer des ICS (Internationalen Congresscenter)

 

Jennifer Barton, Carmen Fahlbusch, Cynthia Lechner, Laura Murgia

Marc Benseler

 

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