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Im Rahmen des Seminars „Projektmanagement“ plante eine Gruppe des Masterstudiengangs „Frühkindliche Bildung und Erziehung eine 5-tägige Bildungsreise nach Prag. Insgesamt nahmen neun Studentinnen des Aufnahmejahrgangs 2016/17 an der Exkursion teil. Ziel der Reise war es, mehr über die frühkindliche Bildung und Erziehung in unserem tschechischen Nachbarland zu erfahren.

Montags ging es mit einer gemeinsamen Anreise los. Die Vorfreude auf die kommende Woche ließen die 8-stündige Zugfahrt wie im Flug vorbeigehen. Nach dem Check-In wurde der erste Abend für ein gemeinsames, landestypisches Abendessen und eine Erkundungstour genutzt.

Dienstags startete das von der Organisationsgruppe geplante Programm mit dem Besuch des Goethe-Instituts. Dieses versucht die Verbreitung der deutschen Sprache im Ausland zu fördern und pflegt die internationale kulturelle Zusammenarbeit.

Im Goethe-Institut wurde unsere Gruppe von Herrn Thomas Freundorfer in Empfang genommen. Er ist der Beauftragte im Bereich „Bildungskooperation Deutsch“. Zuerst stellte Herr Freundorfer uns die Arbeit des Goethe-Instituts sehr interessant vor, anschließend konnten in einem gemeinsamen Gespräch Erfahrungen ausgetauscht werden.

Nachmittags ging es bei einer Stadtführung erneut auf Erkundungstour.

Am dritten Tag der Reise, dem Mittwoch, standen ein gemeinsames Gespräch mit einer Dozentin sowie der Besuch einer Betriebs-Kita der Karlsuniversität auf dem Programm. Die Dozentin PhDr. Barbora Loudová Stralczynská verschaffte uns einen Überblick über die frühkindliche Bildung und Erziehung in Tschechien und stellte sehr ausführlich dar, wie tschechische Elementarpädagogen ausgebildet werden. Im Vorfeld konnte sich die angereiste Gruppe bereits mit einem von ihr verfassten Text über die frühkindliche Bildung in Tschechien befassen.
Die folgenden Aussagen und Informationen konnten wir von PhDr. Barbora Loudová Stralczynská für uns mitnehmen.

Im Anschluss durfte sich unsere Gruppe eine universitätseigene Betriebs-Kita genauer anschauen. Überraschend war hier vor allem, dass für die einzelnen Gruppen, à 25 Kinder, jeweils nur eine Fachkraft zuständig ist. Diese musste zu Beginn ihrer Ausbildung einen Sport- Musik- und Kunst-Test absolvieren. Sie war außerdem dazu verpflichtet, während der Ausbildung Klavier und Blockflöte zu erlernen.
Die besuchte Einrichtung hatte Öffnungszeiten von ca. 7 bis 16 Uhr. Sie bestand aus 6 Regelklassen, 2 Vorschulklassen und einer Waldkindergruppe. Jede Klasse besteht aus 24 Kindern, bei integrativen Gruppen entsprechend weniger. Die Klassen wurden uns als altersheterogen beschrieben, eine starke Durchmischung schien aber nicht der Fall zu sein. Für jede Klasse gibt es eine zuständige Lehrkraft. Zur Mittagszeit sind zwei Lehrkräfte in der Gruppe, da hier der Schichtwechsel stattfindet. Der Tagesablauf ist relativ strikt reguliert. Es wird viel mit Projekten gearbeitet. Im Vergleich zu früher wird der Bildungsauftrag freier und spielerischer umgesetzt. Hierzu zählt auch der eingeführte Angebotscharakter, das heißt wenn ein Kind lieber spielen möchte, als beispielsweise an einem Experiment teilzunehmen, ist ihm dies erlaubt.
Sicher auch aufgrund des sehr geringen Betreuungsschlüssels ist das Gebäude so aufgebaut, dass jede Klasse einen eigenen Gruppenraum, ein eigenes Badezimmer mit Toiletten, Waschbecken und Dusche und einen eigenen Eingangsbereich hat. Außerdem gibt es ein Turn- und Sportzimmer, so wie einen sehr großen, abwechslungsreich und klar strukturierten Außenbereich. Die Waldgruppe hat keinen Raum, sondern einen Wagen, der im Außenbereich steht und keine Garderobe, sondern verschließbare Fächer im Garten. Die Waldgruppe war zwar nicht anwesend, man konnte aber sehen, dass der Außenbereich und die Natur vielfältig und intensiv genutzt werden. So gab es beispielsweise Tiere, Nutzpflanzen, Kunstwerke in den Bäumen oder Ähnliches. Der Umgang der Lehrkräfte mit den Kindern erschien liebevoll, individuell und intensiv. Die Bildungsangebote schienen spannend zu sein. Besonders überraschend war auch die große Folgsamkeit, Ruhe und Konzentration der Kinder, die besonders anfangs etwas erschreckend und befremdlich wirkte.

Am Donnerstag, dem vierten Tag unserer Exkursion besuchten wir den deutschen Kindergarten in Prag. Dieser liegt im Stadtteil Jinonice. Der Kindergarten ist organisational sowie örtlich an die Deutsche Schule Prag angeschlossen. In einem Gespräch mit der Kita-Leiterin sowie durch die Begehung der Räumlichkeiten erfuhren wir wesentliche Aspekte der Arbeit in der Einrichtung. Der Kindergarten bietet eine Betreuung von 07:45 bis 16:00 an. Die Gebühr für die Ganztagesbetreuung beträgt ca. 6000 € pro Kind und Kindergartenjahr. Das Gebäude ist an die Deutsche Schule angeschlossen und verfügt über drei Gruppenräume, ein Atelier, einen Garten sowie einen Bewegungsraum. Zudem wird die Sporthalle der Schule mitgenutzt. Der Kindergarten hat Plätze für 75 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren, die in drei altershomogenen Gruppen von je zwei Fachkräften betreut werden. Die Kinder haben hauptsächlich deutsche oder tschechische Eltern, zudem besuchen auch Kinder mit vietnamesischem und russischem Hintergrund den Kindergarten. Konzeptionell orientiert sich der Kindergarten am deutschen System sowie dem tschechischen Rahmenplan und lässt den Kindern relativ viel Zeit für Freispiel und frei wählbare Aktivitäten. Ein Jahresthema begleitet den Alltag mit verschiedenen passenden Angeboten. In diesem Jahr wird das Thema „Verkehrserziehung“ aufgegriffen. Am Nachmittag gibt es verschiedene AG-Angebote, die einerseits vom Kindergarten selbst angeboten und andererseits durch externe Anbieter durchgeführt werden.

Nachmittags besuchte unsere gesamte Gruppe das Landesfinale „Jugend debattiert international“, hierzu hatte uns Herr Freundorfer vom Goethe-Institut eingeladen. Dieses fand am Donnerstagnachmittag im Musikmuseum Prag statt. „Jugend debattiert international“ ist ein Wettbewerb für SchülerInnen, die Deutsch auf Niveau B2 in der Schule lernen. Im Wettbewerb treten je Runde vier SchülerInnen an, die auf unterschiedlichen gelosten Positionen auf Deutsch pro- oder contra-argumentieren müssen. Der Sieger/die Siegerin des Landesfinales zieht in das internationale Finale ein. Es debattierten im tschechischen Landesfinale drei Schülerinnen und ein Schüler zur Frage, ob in Tschechien für die Parlamentswahl eine Wahlpflicht eingeführt werden sollte. Nach der Wettbewerbsrunde wurden die Teilnehmenden sowie Organisatoren zu ihren Erfahrungen rund um „Jugend debattiert“ befragt. Die Jury gab den Teilnehmenden umfangreiche Rückmeldungen und verkündete ihr Urteil. Im Anschluss gab es einen Imbiss für die Teilnehmenden und Zuschauer. Der Besuch der Veranstaltung gab einen Einblick, wie Deutsch in tschechischen Schulen gelernt werden kann und wie deutsch-tschechische Beziehungen für und mit SchülerInnen gepflegt werden können.
Am Abend war ein gemeinsames Abendessen in dem Restaurant „Kolkovna Olympia“ geplant. Ein Tisch war bereits vor der Reise reserviert worden und bot Platz für ein gemütliches Beisammensein. Bei typisch tschechischer Küche mit reichlich Knödeln, kam es zu einem Austausch über die gemeinsam erlebten Tage.
Der Besuch der drei Programmpunkte verschaffte uns insgesamt einen guten Überblick über die frühkindliche Arbeit in Tschechien. Besonders spannend war es die Unterschiede zwischen deutscher und tschechischer Pädagogik zu erkennen sowie zu erfahren, wie mit der deutschen Sprache in Tschechien gearbeitet und umgegangen wird. Das Ziel, unser Wissen über frühkindliche Bildung und Erziehung in Tschechien zu erweitern, konnte definitiv erreicht werden. Darüber hinaus haben wir uns durch die gemeinsame Reise auch gegenseitig besser kennen gelernt.
So hieß es dann am Freitag in guter Stimmung schon wieder „Ahoj Prag“ (Tschüss Prag).

Verfasst von: Bianca Lieb, Amelie Benz, Susanne Hähner, Katrin Grether und Sophie Zierhut

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