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12-08-2020

Aktuelles

Senat der PH Ludwigsburg zieht Bilanz über das „Corona-Sommersemester“ und beschließt Eckpunkte für das Wintersemester

24-07-2020

Ein Sommersemester im Ausnahmezustand. Nachdem es im März zum Lockdown kam und damit zur Schließung der Universitäten im Land, war die plötzliche Umstellung auf Online-Lehre sowohl für Lehrende als auch für Studierende eine extreme Herausforderung, die nur durch großes Engagement aller Beteiligter gemeistert werden konnte, wie der Rektor der PH, Prof. Dr. Martin Fix, betont. Die Onlinebefragung der Studierenden am Ende des Semesters erbrachte aber auch überraschende Ergebnisse.

Die letzte Senatssitzung des Sommersemesters hatte den Austausch über das Online-Semester als Schwerpunkt. Zunächst berichteten das Rektorat und die Dekane über die zahlreichen Maßnahmen, die seit März das Geschehen an der PH bestimmten. So wurde anfangs täglich im Krisenstab getagt, der die Hochschulmitglieder in über inzwischen 20 Rundbriefen über die aktuellen Vorgaben nach den Corona-Verordnungen informierte. Sofortmaßnahmen mussten ergriffen werden: Exkursionen und Konferenzen wurden im März gestoppt, der rein digitale Lehrbetrieb ab April war aus dem Stand vorzubereiten. Dazu wurde eine Learning-Task-Force in Gang gesetzt, Digital-Fortbildungen wurden  organisiert, die Aufstockung der Serverkapazitäten wurde eingeleitet. Bis diese wirksam wurde, sorgte der gleichzeitige Zugriff von 6000 Studierenden und über 400 Mitarbeiter*innen anfangs für manche Überlastung der Videokonferenzsysteme und der Lernplattform „moodle“, mit der die PH schon seit vielen Jahren gut arbeitet. Durch intensive Arbeit des Medien- und Informationszentrums und der Stabsstelle für Digitalisierung wurden diese Schwierigkeiten nach und nach gemeistert. Der Lehrbetrieb lief dann ausschließlich digital, erst im Juli konnten nach der Corona-Verordnung auch einzelne kleinere Präsenztreffen und Prüfungen durchgeführt werden. Die weiterhin geltenden Abstandsregeln führen aber dazu, dass in den Räumen der PH etwa nur ein Viertel der üblichen Plätze belegbar ist.

In dieser schwierigen Lage war zu erwarten, dass die Belastungen vieler Studierenden und Lehrenden sehr hoch waren. Alle Fristen wurden um ein Semester verlängert und nun sogar eine zusätzliche Wiederholungsmöglichkeit für eine zweimal nicht bestandene Prüfung beschlossen. Die Umstellung forderte aber dennoch viel Engagement und zusätzliche Zeit, sowohl bei den Lehrenden als auch bei den Studierenden, denen mehr Eigenarbeit abverlangt wurde als sonst. Umso erfreulicher war es, dass sich dennoch auch viele für soziale Aktivitäten meldeten, die parallel zum Lehrbetrieb organisiert wurden (www.ph-ludwigsburg.de/21201+M524548dc2fc.html).

Die Erfahrungen mit dem Sommersemester sollten evidenzbasiert ausgewertet werden, weshalb das Rektorat eine Studierendenbefragung in Auftrag gab, die vom Evaluationsbeauftragten der PH, Dr. Stefan Fuß, Anfang Juli 2020 organisiert wurde. Die Beteiligung an der Befragung war sehr gut: Es nahmen 3.410 von 5.921 Studierenden teil und damit rund doppelt so viele wie in regulären Semestern. Die Studie erbrachte überraschende Ergebnisse, die derzeit noch im Detail ausgewertet werden. Schon jetzt kann aber festgehalten werden, dass das Ergebnis besser aussieht, als manche erwartet haben: Da die PH Ludwigsburg seit dem Jahr 2016 eine jährliche Online-Befragung zur Zufriedenheit der Studierenden mit ihren Studiengängen durchführt, lagen Vergleichsdaten vor. Diese Daten zeigen im Online-Sommersemester 2020 nur einen leichten Rückgang der Zufriedenheit mit der Betreuung und dem Arbeitsaufwand, die persönliche Zufriedenheit der Studierenden mit ihrem Studiengang hat sich dagegen im Vergleich zum Vorjahr im Mittel gar nicht verändert.
Das größte Problem der Online-Lehre im Sommersemester 2020 ist nach Ansicht der Studierenden der PH Ludwigsburg der deutlich erhöhte Arbeitsaufwand. Und obwohl der Anteil der Studierenden mit technischen Problemen überraschend hoch war (41 Prozent gaben an, dass ihre private Internet-Verbindung langsam oder sehr instabil ist), ist dies nicht der Grund dafür, betont Dr. Stefan Fuß. Die Ursache liegt nach den Ergebnissen statistischer Zusammenhangsanalysen vor allem in hohen Anforderungen durch die Lehrpersonen und sehr umfangreichen Arbeitsmaterialien. Prof. Dr. Peter Kirchner, Prorektor für Studium und Lehre, hält für den erhöhten Arbeitsaufwand in den Online-Kursen zwei Erklärungen für denkbar: Einerseits könnten die Lehrpersonen die Anforderungen erhöht haben, um die fehlende Anwesenheit der Studierenden zu kompensieren. Andererseits bewirkt Online-Lehre immer einen höheren Anteil des Selbststudiums von Studierenden. „Das Beste am Online-Semester ist die eingesparte Anreisezeit“, sagen die Studierenden der PH Ludwigsburg kurz vor dem Ende des Semesters. Auch wenn ein Teil der Studierenden Online-Lehre sehr attraktiv findet (13 Prozent gaben an, durch Online-Lehre mehr zu lernen, und 24 Prozent wünschen sich überwiegende oder reine Online-Lehre), wünschen sich mit 54 Prozent die absolute Mehrheit aber überwiegende oder reine Präsenz-Lehre. 22 Prozent möchten Präsenz- und Online-Lehre zu gleichen Teilen.

Den Wunsch nach der Rückkehr zu mehr Präsenzlehre kann die PH im Wintersemester nur teilweise erfüllen. Aufgrund der zu erwartenden Beibehaltung der Abstandsregeln, die der Erlass des Landes vorgibt, bleibt der Platz an der PH sehr begrenzt. Gerade die Hörsäle mit fester Bestuhlung können zum Beispiel nur einen Bruchteil der Belegung aufnehmen. Da aber ein ständiger Wechsel zwischen Online und Präsenz auch nicht möglich ist, beschloss der Senat der PH Ludwigsburg für das Wintersemester, dass der grundsätzliche Modus im Lehr- und Prüfungsbetrieb des Wintersemesters (November bis Februar) die digitale Lehre bleiben muss, auch um gewappnet zu sein für eine mögliche Verschärfung der Corona-Regeln. Ergänzend wird aber wieder Präsenz in kleineren Teilnehmerzahlen möglich sein, vorrangig in Bereichen, in denen sie unersetzbar ist (z.B. Laborarbeit, Sportpraxis) und mit einem Fokus vor allem auf den Studienanfänger*innen. Für diese Gruppe ist die psychische Belastung des Corona-Semesters besonders hoch: Die Erstsemestrigen kennen weder ihre Hochschule noch die Kommiliton*innen durch persönlich Begegnung. Daher organisiert die PH ein zweiwöchiges Programm im Oktober nur für die Studienanfänger*innen, die dort ihre Fächer und die Lehrenden persönlich kennen lernen können.

Zum Ende der Senatssitzung verabschiedete der Rektor der PH, Prof. Dr. Martin Fix, die Hochschulmitglieder in die wohlverdiente Sommerpause. Er sprach den herzlichen Dank der Hochschulleitung für den außergewöhnlichen Einsatz der Lehrenden und Studierenden, besonders auch des ASTA, aus und dankte für die damit verbundene Solidarität, konstruktiv mit den Belastungen einer Krisensituation umzugehen. So wurde die Lehre an der PH Ludwigsburg in der Corona-Krise bisher doch weitgehend gut gemeistert. „Die Rückmeldungen der Studierenden werden sehr ernst genommen und nun für das Wintersemester intensiv ausgewertet. Wir haben sehr viel durch die Krise gelernt und werden manches, insbesondere den großen Schub in der Digitalisierung, produktiv für die Zukunft nutzen können“, so der Rektor.


Text zur freien redaktionellen Verwendung.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte in der Urlaubszeit direkt an das Rektorat:
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