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21-05-2012
18. April 2010: Konferenz und Praxiskontakte auf Kuba
Internationale Tagung über Bildung und Kultur in Lateinamerika
Leiter des Studiengangs Kultur- und Medienbildung hält Vortrag auf einem internationalen Symposium in Matanzas/Varadero und knüpft Kontakte zu deutschem Kulturinstitut in Havanna
Im März 2010 richtete die im kubanischen Matanzas angesiedelte Pädagogische Hochschule „Juan Marinello“ an fünf Tagen das „Achte internationale Symposium über Bildung und Kultur in Lateinamerika“ aus. Eingeladen waren Wissenschaftler aus Mexiko, Venezuela, Kolumbien, Peru, Chile, Argentinien und aus Kuba. Neben einem Spanier, der für einen halben Tag hereinschaute, war Stephan Buchloh, Leiter der Abteilung Kultur- und Medienbildung, der einzige Europäer auf der spanischsprachigen Tagung. Unter dem Titel „La formación de profesionales en materia de educación cultural y mediática – un programa de estudios de la Universidad Pedagógica de Luisburgo (Alemania)” stellte er das Konzept und die Praxis des Studiengangs Kultur- und Medienbildung vor. Außerdem moderierte er den Programmteil „Der Einfluß von Informations- und Kommunikationstechnologien auf Bildung und Kultur“.
Schwerpunkte der Tagung
Weitere Schwerpunkte der Tagung waren „Aus- und Weiterbildung des Lehrpersonals“, „Bildungsprozesse in der Schule“, „Geschichte und aktuelle Tendenzen von Kultur, Erziehung und pädagogischen Konzepten in Lateinamerika“, „Schule, Gemeinschaft – Gesellschaft, Bildung und Kultur“, „Bildung, Kultur und Identität“, „Kulturelle und pädagogische Bedeutung des Werks des kubanischen Dichters José Martí“, „Kunsterziehung – Ansätze und theoretisch-methodologische Positionen“ und „Die Anwendung von Forschungsergebnissen in der Schule“. Außerdem standen noch vier längere Workshops auf dem Programm: „Unabhängigkeit und Integration in Lateinamerika“, „Die Förderung von Kreativität in der Schule“, „Die kubanische Konzeption zur Evaluierung der Qualität von Bildungsangeboten“ und „Wissenschaftliche Arbeit in den kubanischen Schulen“. Darüber hinaus besuchten die Konferenzteilnehmer die Grundschule „Martin Klein Schiller“ in Varadero und sprachen dort mit Schülern und Lehrerinnen.
Vielfalt Lateinamerikas in der kulturellen und medialen Bildung
Die Tagung wurde von den beiden kubanischen Wissenschaftlern Dr. C. Ignacio Ramírez Ramírez und Dr. C. Elmys Escribano Hervis organisiert und geleitet. Sie fand nicht in den Räumen der Pädagogischen Hochschule von Matanzas statt, sondern in einem Hotel in dem benachbarten Ort Varadero, einem der touristischen Zentren Kubas. Rund 200 Personen nahmen an dem Symposium teil. Gerade in Lateinamerika gibt es ganz unterschiedliche Bedingungen für kulturelle und mediale Bildung, die auf dem Symposium zur Sprache kamen: Man findet hochentwickelte Metropolen wie Mexiko-Stadt und Buenos Aires, deren Internetversorgung und Kulturangebote in nichts hinter europäischen Städten zurückstehen, neben kolumbianischen Bergdörfern, wo das Training an Computern im doppelten Sinne virtuell bleibt: Kinder und Jugendliche trainieren ihre Computerfertigkeiten an Rechnerattrappen, weil für reale Computer das Geld fehlt. Pädagogen versuchen hier, durch Erfindungsreichtum und Enthusiasmus mangelnde materielle Möglichkeiten wettzumachen. Die Globalisierung hat auch die Theoriedebatte erfaßt: Theorien und Konzepte, über die in Deutschland und den USA diskutiert wird, zum Beispiel das Konzept der „Digital Natives“ von Marc Prensky, weitergeführt von John Palfrey und Urs Gasser, waren auch Gegenstand des Symposiums über Bildung und Kultur in Lateinamerika.
Kontakte zu Universitäten auf Kuba und in Mexiko
Die Tagung bot vielfältige Möglichkeiten zum Knüpfen von Kontakten. Die Atmosphäre war sehr viel lockerer und offener als auf vielen deutschen Tagungen, auf denen oft Statusfragen und Karriereüberlegungen eine große Rolle spielen. Die fremdsprachliche Abteilung der Universität von Santiago de Cuba, der zweitgrößten Stadt der Insel, signalisierte Interesse an einer Zusammenarbeit. Die Pädagogische Hochschule von Matanzas bot an, eine Exkursion für Ludwigsburger Studenten zu organisieren. Die Universität von Mexiko schlug einen Dozentenaustausch vor.
Rundreise durch Kuba
Nach dem Symposium reiste Stephan Buchloh privat acht Tage durch Kuba, um Land und Leute kennenzulernen. Sein Weg führte ihn von Matanzas nach Havanna und von dort aus über Cienfuegos, Trinidad, Sancti Spiritus, Camagüey, Playas Santa Lucía und Bayamo nach Santiago de Cuba. Die letzte Woche verbrachte er in der Hauptstadt Havanna. Kuba beeindruckt durch die Freundlichkeit und Bildung seiner Bewohner und durch die Schönheit der Städte, der Natur und der Menschen. Die Leute sind arm und suchen ständig nach Devisen, weil man für die normale Währung nur wenig kaufen kann. Der Tourismus bietet die besten Einnahmemöglichkeiten. Man findet Kofferträger mit akademischem Abschluß, die durch viele Länder gereist sind und auf hohem Niveau über Politik und Kultur reden können – durch die Trinkgelder verdienen sie mehr als ein Arzt oder ein Professor. Die Polizei ist überall präsent: Kuba gilt als eines der sichersten Länder Lateinamerikas; andererseits müssen Kubaner in Begleitung von Ausländern ständig mit Kontrollen rechnen.
Gespräche an der Universität von Havanna
In Havanna führte Stephan Buchloh Anfang April mehrere Gespräche, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg auszuloten. Die DAAD-Lektorin an der Universität von Havanna, Dr. Monika Hernández, sah indessen nur wenige Chancen für einen Austausch zwischen der Deutschabteilung und dem Studiengang Kultur- und Medienbildung. Sie will jedoch nach Kooperationsmöglichkeiten mit anderen Fakultäten der Universität suchen.
Projektmöglichkeiten in deutschem Kulturinstitut in Havanna?
Sehr großes Interesse an einer Zusammenarbeit bekundete Dr. Iván Muñoz Duthil, Präsident des deutschen Kulturinstituts „Cátedra Humboldt“. Die „Cátedra“ arbeitet ähnlich wie ein Goethe-Institut, gehört aber nicht zu dieser deutschen Kulturinstitution, sondern ist ein Lehrstuhl der Universität von Havanna. Angeboten werden Deutschkurse, aber auch kulturelle Veranstaltungen. Untergebracht ist die „Cátedra Humboldt“ in einer schönen alten Villa. Dr. Muñoz könnte sich vorstellen, daß zwei deutsche Studentinnen oder Studenten für ein halbes Jahr nach Havanna kommen, um dort kulturelle Projekte zu verwirklichen und Deutschkurse zu geben. Besonders liegt ihm an einem Dokumentarfilm über Kuba, für den er bereits eine Fülle von Ideen entwickelt hat. Wenn seine Universität zustimmt, dann böte sich für zwei Teilnehmer des Studiengangs Kultur- und Medienbildung eine großartige Chance: Sie könnten ihr Auslands- und/oder Projektsemester in Havanna absolvieren.
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