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22-05-2012

8. Mai 2010: Interkulturelle Exkursion an den Bodensee

Medien, Kultur und Migration im Dreiländereck

Rund 40 Studentinnen und Studenten der Kultur- und Medienbildung des vierten Semesters fanden sich im Mai 2010 zu einer interkulturellen Medien- und Kulturwoche im Tagungshaus der Katholischen Akademie in Weingarten ein. Organisiert und geleitet wurde das Seminar „Kultur – Medien – Migration“ von Klaus Barwig, Akademiereferent mit Schwerpunkt Migration, und Prof. Dr. Stephan Buchloh aus dem Studiengang Kultur- und Medienbildung. Drei Studierende berichten.

Los ging es am Montag mit Ivanka Seitz vom „Christlichen Jugenddorfwerk Deutschland“ (CJD) Ravensburg und Yalcin Bayraktar, dem Vorstand des Türkischen Akademikervereins in Ravensburg. Das CJD bietet in Ravensburg kostengünstige Sprach- und Integrationskurse sowie Projekte für Menschen mit Migrationshintergrund an. Mit ihrem glaubwürdigen und herzlichen Vortrag zog Frau Seitz die Zuhörer in ihren Bann, und auch Herr Bayraktar wusste unterhaltend zu informieren. Am Abend wurde der humoristische Dokumentarfilm „Die Blutritter“ von Douglas Wolfsperger gezeigt.

Interkulturelle Stadtführung und Moscheebesuch

Am nächsten Morgen begaben wir uns mit dem äußerst lebendigen Professor Hans Walz aus der Hochschule Ravensburg-Weingarten auf eine zugleich aufschlussreiche und unterhaltende interkulturelle Stadtführung durch Ravensburg. Nun wissen wir viel über die Stadt Ravensburg: von den deportierten Sinti und Roma bis zu den „Schwabenkindern“, armen Jungen und Mädchen aus Österreich und der Schweiz, die auf dem Ravensburger Marktplatz an Bauern versteigert wurden, um einen Sommer lang auf oberschwäbischen Höfen zu arbeiten. Am Nachmittag waren wir in der Mevlana-Moschee in Ravensburg zu Gast. Dort erfuhren wir von den fünf Säulen des Islam und durften zudem noch einem Muezzin bei seinem Gebetsruf zuhören, was für uns alle ein tolles Erlebnis war.

Kulturarbeit in Ravensburg-Weingarten

Wie am laufenden Band ging es dann am späten Nachmittag mit Dr. Franz Schwarzbauer weiter, dem Leiter des Städtischen Kulturamtes Ravensburg, der ausführlich über seine Arbeit berichtete. Nach einem hervorragenden Abendessen besuchten wir das Kulturzentrum „Linse“, mit seinen knapp 100 Jahren eines der ältesten noch erhaltenen Kinos Baden Württembergs. Die Geschäftsführer Eugen Detzel und Bernd Eiberger informierten uns über Erfolge und Misserfolge ihres Film- und Kulturprogramms und gaben Einblicke in den Filmverleih.

Stadtentwicklungsprojekt in der Schweiz

Am Mittwoch startete in aller Frühe unser Drei-Länder-Marathon. Zuerst ging es mit Bus und Fähre über den Bodensee in die Schweiz zur Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Rorschach. Dort informierte uns Professor Dani Fels, Dozent der Fachhochschule St. Gallen, ausführlich über das „projet urbain Rorschach“, welches versucht, einen Stadtteil mit einem hohen Migrantenanteil attraktiver und freundlicher zu machen. Es geht dabei um die Aufwertung eines peripheren und benachteiligten Stadtteils, in der Schweiz „Quartier“ genannt. Insgesamt gibt es drei Schweizer Pilot-Städte, in denen diese „Quartiersprojekte“ verwirklicht werden. Anregend erklärte uns Professor Dani Fels die Ziele der nachhaltigen Stadtentwicklung: Neben städtebaulichen Maßnahmen werden auch soziale, wirtschaftliche, kulturelle und ökologische Aspekte berücksichtigt.

Integrationsprojekte für junge Migranten in Österreich

Begeistert vom Engagement der Schweizer, machten wir uns auf nach Österreich. Dort aßen wir in der Mensa der Fachhochschule Vorarlberg in Dornbirn sehr gut zu Mittag. Danach empfing uns die Dozentin Doris Böhler, um uns über Bildung und Integration von Migranten in Österreich aufzuklären. Auch ein Austausch mit den dortigen Studentinnen der Sozialen Arbeit fand statt. Sie waren sichtlich begeistert von der Vielfalt unseres Studiengangs, und so erörterten wir in Arbeitsgruppen Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen der Kultur- und Medienbildung und dem Studiengang Soziale Arbeit.

Danach teilten wir uns in zwei Gruppen auf und besuchten österreichische Jugendhäuser. Von vielen im Voraus als „schon gesehen“ abgestempelt, entpuppte sich die Besichtigung für manche als Highlight der Exkursion. Jugendhäuser, wie es sie in Dornbirn gab, hatten viele nämlich noch nicht gesehen: Wunderbar großzügige Räume, eine Bootswerkstatt und eine kleine Handtaschenfabrik, Tischkickerräume, aus denen Weltmeister hervorgehen. Einige Studenten wollten am liebsten gleich dableiben und brauchten eine Extraeinladung, um wieder in den Bus zu steigen. Zurück im Tagungshaus waren alle geschafft von diesem ereignisreichen Tag; lange zusammengesessen wurde an diesem Abend nicht mehr.

Radio, Zeitung und Orgelmusik

Der Donnerstag stand unter dem Motto „Medien in der Region Ravensburg-Weingarten“. Vormittags lud Volker Anders, Leiter des Studios Ravensburg von „Radio 7“, in seine Redaktion ein. Am Nachmittag stand uns Annette Vincenz, Redakteurin der „Schwäbischen Zeitung“, Rede und Antwort. Wir erfuhren, wie die Medien mit dem Thema „Migration“ umgehen und ob es spezielle Artikel oder Formate für Migranten gibt.

Ein weiterer Höhepunkt der Exkursion erwartete uns am Abend in der Basilika in Weingarten. Nachdem wir den Orgelklängen der aus 6.666 Pfeifen bestehenden barocken Orgel lauschen durften, bot uns der Organist Stephan Debeur noch eine exklusive Führung durch sein Orgelreich und beantwortete mit viel Humor alle unsere Fragen.

Junge Zuwanderer auf der Bühne und in den Medien


Am letzten Tag unserer Exkursion stellten Dr. Alfred Hurst und Sandra Deichmann vom „Beruflichen Fortbildungszentrum der bayerischen Wirtschaft“ Maßnahmen zur beruflichen Integration von jungen Migranten vor. Wir durften sogar noch bei einer Theaterprobe zuschauen. Die jungen Arbeitssuchenden gewinnen durch das Theaterspiel neues Selbstwertgefühl und lernen, wieder motiviert in die Zukunft zu blicken. Den letzten Programmpunkt bestritt am Nachmittag Privatdozent Dr. Michael C. Hermann von der Pädagogischen Hochschule Weingarten. Unter dem Titel „Der Täter ist immer der Russe“ sprach er über die Darstellung von Delinquenz unter jungen Migranten in den Medien.

Nach der obligatorischen Evaluation und freundlichen Schlussworten ging es an diesem Freitagnachmittag zurück nach Hause: Viele haben die interkulturelle Medien- und Kulturwoche als anstrengend, aber auch als informativ und freudig empfunden. Wir danken Stephan Buchloh und Klaus Barwig, die für uns diese ausgeklügelte Exkursion auf die Beine gestellt haben. Hut ab.

Oliver Koll, Philine Sykora, Adrian Wegerer

 

 

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