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LEHRANGEBOT IM SOMMERSEMESTER 2010

Den Unterricht planen

Do 9.15-10.45   Geb. 14.E024

Im Alltag planen wir ständig unseren Unterricht: Wir machen uns Gedanken darüber, welche Ausschnitte von Welt wir den Schülern und Schülerinnen zeigen wollen (Inhalt), welche Kompetenzen wir an diesem Inhalt vermitteln wollen (Unterrichtsgegenstand/Bildungsgehalt), wie wir dies methodisch-didaktisch tun und vor allem: warum diese Kompetenzen, Inhalte für diese Schülerinnen und Schüler wichtig sind (Begründung). 

Wir erarbeiten gemeinsam einen Unterrichtsentwurf zum Thema „Der Hund“ und lernen verstehen, dass die Bausteine und Fragen zu einer Unterrichtsplanung in allen Schulformen die gleichen sind. Unterschiedlich sind nur die gestalterischen Formen (Aufbau, Akzentsetzungen etc.).

Ein Scheinerwerb ist nicht möglich.

 

Theorien, Konzepte und Geschichte der Geistigbehindertenpädagogik       

Mi 16.15-17.45   Geb. 14.0118

Diese Vorlesung führt ein in die Geistigbehindertenpädagogik: Es werden die geschichtlichen Entwicklungen des Verständnisses von (geistiger) Behinderung, der Beschulung, der leitenden Ideen und theoretischen Konzepte (Empowerment, Inklusion, Normalisierung, Bildung, Förderung) ebenso vorgestellt wie ein Überblick über sonderpädagogische Handlungsfelder.

Es wird angeraten, diese Vorlesung zu besuchen, da ihre Inhalte Bestandteil der mündlichen Prüfung im Fachbereich Geistigbehindertenpädagogik sind.

Ein Scheinerwerb ist nicht möglich.

 

Möglichkeiten und Grenzen der Inklusion (P 1)

Do 18-19.30; Geb. 14.0118 (zusammen mit Armin Rist)

Integration und Inklusion werden als pädagogische Ideen vorgestellt und aus der Perspektive von behinderten und nichtbehinderten Menschen diskutiert.

Im Mittelpunkt stehen Fragen des integrativen Wohnens, nach Heterogenität, gesellschaftlicher Anerkennung von Bildungsabschlüssen, Lebensstilen von Menschen unter spezifischen Lebensbedingungen und vor allem nach den Phantasien, die mit einem Versprechen auf inklusives Leben verbunden sind.  

Das Seminar wird von Herrn Rist geleitet; Frau Stinkes assistiert.

Scheinerwerb möglich.

„Wir müssen Integration in Inklusion überführen. Das ist ein Recht für jeden Menschen und für uns Behinderte eine große Chance. Dazu muss man sehen, dass wir Menschen mit besonderen Fähigkeiten sind! Wir brauchen keine Schulen, die

uns aussondern. Wir können alle zusammen lernen. Wir können alle lernen, zusammen zu leben. Was wir brauchen, ist Inklusion!“ (Armin Rist)

„Die Forderung nach integrativen und / oder inklusiven Lebensverhältnissen für alle Menschen sind ethisch und rechtlich unbestreitbar. Bei genauem Hinsehen stellen sich jedoch für mich Fragen: Wie geht eine inklusive Pädagogik mit realen soziokulturellen und sozioökonomischen Brüchen um? Welches Bild von Gesellschaft hat eine inklusive Pädagogik? Welche Motive leitet eine inklusive Pädagogik, so dass sie eine Pädagogik nach einer Utopie von Gesellschaft und Leben den Antworten auf reale Verhältnisse, in denen Menschen leben, vorzieht?“ (Ursula Stinkes)

 

Anthropologie I: Angewiesenheit und Anerkennung als Grundlage der Bildung behinderter und nichtbehinderter Menschen (P 1)

Do 14.15-15.45   Geb. 14.023 

In der Behindertenpädagogik hat sich eine äußerst emphatische Beschreibung des Menschen von sich selbst durchgesetzt: selbstbestimmt, autonom, stark, kompetent. Es fällt den Protagonisten einer solchen Sichtweise nicht auf, dass diese Beschreibung vom behinderten Menschen  ein Rückfall in eine ‚sonderanthropologi-

sche’ Sichtweise ist. Das ist ein Vorwurf, der besonders schwer wiegt in einer Zeit, die integrative / inklusive Lebensverhältnisse als wichtig erachtet. 

Denn jenseits sonderpädagogischer Diskussionen hat sich dagegen in Pädagogik, Philosophie und Soziologie ein Verständnis vom Menschen durchgesetzt, das diesen als bedingt, angewiesen, endlich und auch vernünftig beschreibt. Die Pointe ist, dass nur auf diese Weise eine Anerkennung des anderen Menschen in seiner Andersheit wirklich möglich wird.

Das Seminar ist ein Lektüreseminar. Die Literatur wird zur Verfügung gestellt.

Scheinerwerb möglich.

Inhalt A: Wie beschreibt ‚der Mensch’ sich selbst? Behinderung als relationales Verständnis – was heißt das? Der Mensch als relationales Wesen 

Inhalt B: Welche Bedeutung hat der andere Mensch für das eigene Leben? Angewiesen sein auf Andere als behinderter und nichtbehinderter Mensch aufgrund der Leiblichkeit / Körperlichkeit des Menschen

Inhalt C: Der Andere ist in seinem Anderssein ein radikal Fremder, der das Schema von Allgemeinem und Besonderem sprengt. Anerkennung des anderen Menschen in seiner Andersheit

Inhalt D: Angewiesenheit und Anerkennung als Grundlage der Bildung. Der (behinderte und nichtbehinderte) Mensch wird nur aufgewertet, wenn eine allgemein menschliche Angewiesenheit in Bildungsprozessen anerkannt wird

 

Förderkonzepte für Menschen mit schwerer Behinderung – Überblick (P 2)

Mi 14.15-16.45   Geb. 14.E024

Kinder und Jugendliche mit schwerer geistiger Behinderung bilden, erziehen und fördern – dies hat weder eine lange Geschichte noch ist es selbstverständlich. Trotz vieler ermutigender unterrichtlicher Beispiele werden auch heute noch Kinder und Jugendliche mit schwerer Behinderung ‚irgendwie’ im Unterricht mitgeführt, ohne dass sie wirklich die Möglichkeit erhalten, Inhalte und Kompetenzen zu lernen.

Dieses Seminar möchte aufmerksam machen auf Schülerinnen und Schüler, die in diagnostischen, pädagogischen und institutionellen Diskussionen zunehmend mehr ins Hintertreffen geraten aufgrund unserer Hilflosigkeit gegenüber ihren Ausdrucksformen. Wir wollen einen Eindruck gewinnen über den beeindruckenden und Respekt abringenden Lebensstil dieser Menschen und uns vor allem fragen, ob und wie wir schwer behinderte Menschen in ihrem Lernen, Erfahren und Entwickeln bilden, erziehen und fördern können.

Ein Scheinerwerb ist möglich.

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