LiSa Online Magazin unserer Auszubildenden
"Liebe Passagiere der Maschine 08, ...
...Ihr Flug verspätet sich aufgrund technischer Probleme um drei Stunden!"
Der wohl meist gefürchtete Satz eines jeden Menschen am Flughafen. Denn was stellt man in dieser Zeit bloß an? Nicht erst seit dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajoekull im Frühjahr / Sommer letzten Jahres kommt es immer wieder zu Flugverspätungen oder auch Ausfällen. Es ist auch nicht neu, dass das viele Passagiere ärgert und einige von ihnen nicht wissen, wie sie die dadurch entstandene Wartezeit überbrücken sollen. Dafür gibt es diverse Geschäfte, Ausstellungen oder Spielplätze oder dergleichen auf dem Flughafengelände, da viele der Reisenden keine Zeit haben, eben jenes zu verlassen. Aber etwas Neues gibt es doch: Ungefähr seit Mitte Juli 2010 gibt es nun an einem der größten Flughäfen Europas, dem Amsterdam Airport Schiphol, eine Airport Library. Die bisher weltweit Erste ihrer Art!
In der Airport Library gibt es nicht nur Medien in niederländischer Sprache, in 28 weiteren Sprachen kann man hier lesen, Musik hören, Filme ansehen und viele Onlineangebote gratis nutzen und auch herunterladen. Neben den Leseecken, den PC-Plätzen gibt es für die Besucher/innen auch mehrere Downloadstationen, und sogar iPads stehenbereit. Ausleihen darf man die Medien jedoch nicht, bei der Airport Library handelt es sich um eine reine Präsenzbibliothek. Leider können nur Besitzer eines gültigen Flugtickets die Bibliothek besuchen, denn die Airport Library befindet sich hinter der Passkontrolle.
Die Flughafen-Bibliothek liegt am "Holland Boulevard", einem Gang der zwei Hallen des Airprt Schiphol verbindet. Man findet hier nicht nur die Bibliothek, sondern auch wechselnde Ausstellungen des Rijkmuseums Amsterdams (niederländisches Nationalmuseum), einen Laden mit niederländischen Design-Produkten und viele kleinere Geschäfte mit typisch niederländischen Spezialitäten im Sortiment. Damit will man den Millionen von Fluggästen, die durch diesen Flughafen kommen und gehen, die Chance geben, die Niederlande kennen zu lernen, auch wenn für eine eigentliche Erkundung keine Zeit bleibt. Jetzt wird diese Bibliothek das kulturelle Aushängeschild für diejenigen sein, die zum ersten Mal holländischen Boden betreten. Nun können Flugreisende die Literatur genießen, sich mit der Kultur des Landes vertraut machen und Wartezeiten sinnvoll und individuell überbrücken, ohne sich zu langweilen oder durch die Geschäfte zu spazieren.
Die Gründung der Airport Library wurde duch die niederländische Organisation für öffentliches Bibliothekswesen, ProBiblio, unterstützt und gefördert. Finanziert wurde das Projekt Flughafen-Bibliothek mit Geldern aus dem Kultur-, Bildungs- und Wirtschaftsministerum.
Nadine Kress, 26.08.2011
Telefonhäuschen = Bücherhäuschen?
Recycling mal anders: Wir alle kennen bestimmt noch die ein oder andere öffentliche Telefonzelle. Ein kleines, früher gelbes, Häuschen und darin ist ein Telefon angebracht. Das aktuelle Telefonbuch hing meist auch darin, und das Telefonieren funktionierte mit Münzen oder Telefonkarten. Diese Telefonzellen waren recht häufig zu finden, an Bahnhöfen, Bushaltestellen, in der Stadtmitte... und jeder erkannte sie schon von weitem. Doch seit einiger Zeit werden sie seltener, ausgestorben sind sie nicht, nein, sie sind auch nicht mehr gelb, sondern grau-magenta und nicht mehr an jeder Ecke zu finden. Das mag sicher auch mit dem Aufkommen und der Verbreitung des Handys zu tun haben, aber es ergibt sich aus diesem Telefonzellenschwund auch ein neues Problem: Was tun mit den nun nutzlosen Häuschen? Denn nachdem sich die Telefonzellen nicht mehr behaupten konnten, verschwanden sie noch lange nicht von der Bildfläche, nicht alle Häuschen wurden demoliert oder - ein weit verbreitetes Phänomen - abgebrannt oder eben abgebaut. Oft wurde nur das Telefon ausgebaut und das Häuschen blieb stehen wo es war. Was macht man dann damit?
In einigen Orten Deutschlands entwickelte man schon vor einiger Zeit Ideen, diese Telefonzellen wieder salonfähig zu machen und sinnvoll weiter zu verwenden. Die Zellen werden gereinigt, neu gestaltet und mit Regalen bestückt, genauer gesagt mit Buchregalen. Somit war die Bücherzelle geboren. Viele dieser Bücherzellen funktionieren ähnlich: Man nimmt ein Buch mit und hinterlässt dafür ein anderes. Keiner kontrolliert, wer das Buch wie lange ausleiht oder ähnliches. Die Zellen werden von Schulklassen, Privatpersonen oder Einrichtungen ins Leben gerufen und betreut, manchmal sind sie rund um die Uhr geöffnet, andere werden zu bestimmten Zeiten abgeschlossen. Der Anfangsbestand besteht fast immer aus gespendeten Büchern und ändert sich durch den Tausch ständig. Diese kleinen öffentlichen Büchereien, die so genannt werden, obwohl es eher Buchtauschzellen sind, erfreuen sich reger Beliebtheit und haben auch eine gewisse Anzahl von Stammlesern. Eine dieser Bücherzellen steht zum Beispiel in Erbsen, einem kleinen Dorf im Kreis Göttingen. Gerade einmal einen Quadratmeter groß ist die Bücherei, die in einer alten englischen Telefonzelle eingerichtet wurde. Aber auf diesem Quadratmeter befinden sich 150 Bücher, die auf einen Leser hoffen, der alte Satz "klein aber oho" trifft eben oft zu.
Mit den Bücherzellen tut man gleich zweifach Gutes: Erstens wird den ehemaligen Telefonzellen wieder Leben eingehaucht, verschönern nun wieder das Stadtbild und haben erneut eine Aufgabe. Zweitens ist es auch eine Art von Leseförderung: Hier kann jede/r sich das Buch nehmen, was man möchte, kann es auch behalten, ein neues einstellen ... Ganz ohne Kontrolle oder vorheriger Anmeldung, Mahngebühren entstehen auch keine. Dadurch entstehen erst keine möglichen Hemmschwellen hinsichtlich der Nutzung der Bücherzelle, und man kann sich ganz dem Lesevergnügen hingebem.
Nadine Kress, 26.08.2011
Schwören Sie?
Mussten Sie jemals einen Eid ablegen, bevor Sie die Bibliothek Ihrer Wahl bzw. Uni benutzen durften? Nein? Nun, dann haben Sie noch nie die Bodleian Library in Großbritannien besucht. Diese ist die Hauptbibliothek der Universität Oxford. Insgesamt hat diese Uni 30 (!) Bibliotheken, aber nur an einer gibt es diese besondere Art der Benutzerzulassung.
"Hiermit schwöre ich, dass ich keinen Brand in der Bibliothek legen werde".
So oder so ähnlich könnte er lauten. Der Eid, den Millionen von Studenten ablegen mussten und auch heute noch ablegen müssen. Nicht schriftlich, dieser Eid wird gesprochen. Doch warum müssen die Studenten einen solchen Eid überhaupt ablegen, und was ist das Besondere an dieser Bodleian Library, die noch nicht mal in Deutschland, sondern in Großbritannien steht? Ein kurzer Blick in die Geschichte wird es uns vielleicht verraten:
Ein Bibliothekar namens Thomas Bodley widmete sich im Jahre 1597 dem Wiederaufbau und der Erweiterung der Universitätsbibliothek in Oxford, die dann übrigens auch nach ihm benannt wurde. 1602, vor rund 400 Jahren, wurde die Bibliothek eröffnet. Schon damals hatte die Bibliothek einen Bestand von etwa 2000 Büchern. Bodley investierte seine Zeit und vor allem auch sein Geld in die Bibliothek. Aus den verschiedensten Ländern kaufte er seltene und wertvolle Werke. Damit die Zukunft der Bodleiana (eine Abkürzung des Bibliotheksnamens) auch nach seinem Ableben gesichert wäre, bestimmte er in seinem Testament, dass von seinem Vermögen die Bibliothekare und Aufseher weiterhin bezahlt werden sollten. 1610, zwei Jahre vor seinem Tod, erreichte er eine bis heute gültige Übereinkunft mit den Buchhändlern, die besagt, dass die Bibliothek ein Freiexemplar eines jeden in Großbritannien veröffentlichten Buches erhält. Dadurch wurde die Bodleiana eine der mittlerweile fünf Pflichtexemplarbibliotheken im Vereinigten Königreich. Rund 350.000 gedruckte Bücher befanden sich bereits 1867 in ihrem Besitz.
Durch diese Vereinbarung wuchs der Bestand so schnell, dass die erste Erweiterung der Bibliothek schon knapp 10 Jahre nach ihrer Eröffnung fällig wurde, zwischen 1610 und 1612, kaum fünfundzwanzig Jahre später, 1634 - 1637, folgte bereits die zweite Erweiterung des Bibliotheksgebäudes.Der älteste gedruckte Bibliothekskatalog Englands aus dem Jahre 1605 ist übrigens der damalige Katalog der Bodleiana. Eine weitere kleine Besonderheit dieser Bibliothek in Oxford.
Bereits zur damaligen Zeit gab es Schriftsteller und Wissenschaftler, die ihre Werke und Manunskripte einer Bibliothek ihres Vertrauens schenkten und vermachten. Einer von ihnen, John Selden, hinterließ seine beachtliche Sammlung Bücher und Manuskripte der Bodleiana. Selden war ein englischer Gelehrter, er verfasste rechtswissenschaftliche und philosophische Werke, erforschte das Judentum in England und beschäftigte sich mit antiken Artefakten. Gestorben ist er 1654 als 70jähriger. Sein Nachlass ist und war ein kleiner Schatz für die Bodleian. Und Schätze werden natürlich besonders verwahrt und vor dem Zerfall durch verschiedene Einflüsse geschützt. Und Feuer ist noch immer der Todfeind des gedruckten Werkes. Aus jener Zeit stammt die noch immer geltende Regelung, dass Studenten vor ihrer ersten Bibliotheksbenutzung beeiden müssen, keinen Brand in der Bibliothek zu legen. Seit nun 375 Jahren also schwören die Kunden und seit 375 Jahren nehmen die Bibliothekare diesen Eid ab. Und ein Ende dieser Tradition ist nicht mal in den Gedanken zu sehen, sie gehört zur Bodleian Library wie die Luft zum Atmen oder ähnliches. Der englische Originaltext dieses Eides lautet wie folgt:
"I hereby undertake not to remove from the Library, or to mark, deface, or injure in any way, any volume, document or other object belonging to it or in its custody: not to bring into the Library or kindle therein any fire or flame, ad not to smoke in the Library: and I promise to obey all rules of the Library."
Diesen Schwur muss der zukünftige Bibliotheksbenutzer laut vortragen, bevor er die Präsenzbibliothek benutzen darf. Es darf nichts entliehen werden, selbst für Könige gelten hier keine Sonderregeln. Denn 1645 durfte selbst König Charles kein Buch entleihen, obwohl er es wollte und ihm in seiner Rolle als König selten etwas verwehrt wurde.
Neun Millionen Medieneinheiten stehen den Nutzern heute zur Verfügung, auf 176 Regalkilometern verteilt. In der Bodleiana, die übrigens die zweitgrößte Bibliothek Großbritanniens ist, finden bis zu 2500 Personen gleichzeitig einen Leseplatz.
Allerdings ist die Bodleian Library nicht nur wegen ihres Bestande, ihrer aufschlussreichen und langen Geschichte und der außergewöhnlichen und wohl recht einzigartigen Benutzungszulassung interessant, gewissermaßen ist diese Bibliothek auch ein internationaler Filmstar. In mehreren Filmen taucht sie auf, die Bodleiana ist ein beliebter Drehort von Filmemachern. Ein kleiner Tipp: Achten Sie einmal in den ersten beiden Harry-Potter-Filmen auf den Krankenflügel und die Bibliothek der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei!
Auch der Name J.R.R. Tolkien ist der Bibliothek ein Begriff, schließlich befinden sich Manuskripte und andere Materialien von mehreren seiner Werke in der Bibliothek. Hinter jeder Bibliothek steckt eine Geschichte und dies war ein kleiner Einblick in die überaus interessante Geschichte der Bodleian Library in Oxford, im Osten Englands.
Nadine Kress, 26.5.2011
Der Rockstar und das Buch
Ich wollt ich wär ein Huhn... Oder doch lieber ein Bibliothekar?
Eher zweiteres könnte einmal Keith Richards durch den Kopf gegangen sein. Ja, der Gitarrist der englischen Rockband der Rolling Stones war und ist nicht nur ein Vollblutrocker sondern auch ein Hobbybibliothekar. Dies verriet er im Zuge der Veröffentlichung seiner Autobiografie "Life", die im Oktober letzten Jahres erschienen ist. Richards kam trotz seiner Musikkarriere nie ganz los von der Faszination Buch, auch wenn diese manchmal ein wenig gefährlich sein kann...
Keith Richards besitzt eine Sammlung von mehreren tausend Büchern, sozusagen seine Privatbibliothek. Letztes Jahr gab er auch preis, dass er seine Bücher streng nach der Dewey-Dezimalklassifikation (DDC) ordnet. Wahrscheinlich hat er deshalb über eine "fachliche Ausbildung" nachgedacht, um seinen Buchbestand besser verwalten zu können. Naja, diese Idee hat er wieder aufgegeben, es sei ihm "zu viel Aufhebens". Doch ist das der wahre Grund oder hielt ihn nicht etwas anderes ab? Etwas, das ihm zeigte, dass der Beruf des Bibliothekars auch gewisse Risiken birgt? 1998 musste der Start der Europa - Tournee der Rolling Stones verschoben werden. Grund war Keith Richards und seine Suche nach einem Buch. Er suchte wohl gerade in seiner Bibliothek nach einem Anatomiebuch von Leonardo da Vinci, als er es hoch oben im Regal entdeckte. Kurz entschlossen kletterte er auf eine Leiter um an das Objekt seiner Begierde zu kommen. Nun ja, was soll ich schreiben? Es kam wie es kommen musste: Der Musiker stürzte aus unbekannten Gründen von der Leiter und brach sich drei Rippen. Das tat sicher weh, hat ihn aber nicht daran gehindert, sich seinem Hobby weiterhin zu widmen. Wer aber an Keith Richards und Bibliothek denkt, dem fällt noch eine andere Begebenheit ein, die sich im Oktober 2010 ereignete. Da hat jemand nämlich die Benutzungsordnung nicht gelesen...
Die New York Public Library lud Keith Richards zu einer Lesung ein, um seine Biografie vorzustellen. Gerne nahm Richards die Einladung an. Damit er sich in Ruhe auf die Veranstaltung vorbereiten konnte, stellte eine der Direktorinnen ihr Büro zu Verfügung. Der Gitarrist konnte seiner Nikotinsucht nicht widerstehen und rauchte verbotenerweise in dem Büro. Als der Glimmstängel sich dem Ende neigte, sucht er einen Ort, diesen auszudrücken und loszuwerden. Erwartungsgemäß fand sich kein Aschenbecher oder ähnliches im Zimmer. Dazu muss man wissen, dass besagte Bibliothekarin eine wertvolle und empfindliche Orchidee im Büro stehen hatte. In Ermangelung einer Alternative drückte Keith Richards seine Zigarette im Unterteller der Blume aus. Nach dieser Aktion musste erst mal gelüftet werden, und die Mischung aus kalter Luft und Rauch hat dem sensiblen Gewächs den Garaus gemacht. Nur vier Tage nach dem Besuch war die Pflanze erledigt. Nicht nur Rocker und Hobbybibliothekar, nein ein Blumenmörder ist Keith Richards auch noch! Die Direktorin verzieh ihm allerdings seinen Verstoß gegen das Rauchverbot, und der Untersetzer machte einen Karrieresprung: Mit einem Autogramm von Richars ist er nun ein ganz besonderer Unterteller geworden.
Und Keith Richards verhalf der Bibliothek zu einem neuen Rekord: Die 600 Eintrittskarten für seinen Besuch dort verkauften sich innerhalb von 42 (!) Sekunden. Sie sehen: Richards und die Bücher - eine ganz besondere Beziehung!
Nadine Kress , 19.4.2011


