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Literarisches Kabarett an der PH Ludwigsburg

»Nein, es stimmt nicht, dass die PHLeddermäuse ein Radarsystem benutzen, das sie auch bei tiefster Dunkelheit traumhaft sicher fliegen lässt. Sie ecken verhältnismäßig oft an. Aus diesem Grunde fliegen sie übrigens auch immer nur bei tiefster Dunkelheit: Damit nicht allzu viele Zeugen mit ansehen, wie sie dauernd gegen die Wände rauschen.«

nach Robert Gernhardt

 

Die "PHLeddermäuse" treiben seit dem Wintersemester 2003/04 ihr Unwesen. Studierende und Dozenten der PH Ludwigsburg stellen im Seminarrahmen Texte zusammen, ergänzen Musikalisches, proben und schockieren am Ende der Vorlesungszeit ihr Publikum im Lit-Café... 

mg 10/08

"C'est la vie, Paris, Paris!" Wintersemester 2011/2012

Die 9. Premiere der PHLeddermäuse fand am Dienstag, den 31. Januar 2012 um 20 Uhr im Literatur-Café mit einer literarisch-musikalischen Revue rund um Paris statt.

"Den Fremden umfängt zunächst die Weltstadt. Der ungeheure Zusammenfluß von Vergnügungsreisenden, Sportsleuten der Olympischen Spiele, Diplomaten, Kaufleuten aus fünf Erdteilen, modischen Frauen, Schmarotzern, Abenteurern, Passanten, französischen Provinzlern brodelt über die Boulevards, jagt den Strom der großen und kleinen Automobile über die Champs Elysées, stept in den Nachtlokalen und überfüllt die Hotels." (Kurt Tucholsky, 1924)

Seit Sommer 2011 wurden Texte und Chansons deutschsprachiger und französischer Autoren verschiedener Epochen zu einem abwechslungsreichen, spielerisch-leichten und satirisch-tiefgründigen Programm mit lauten und stillen Momenten mit Gesang und Tanz, Sprache und Musik, einsamen und gemeinsamen Augenblicken arrangiert. Unter der musikalischen Leitung von Johannes Weigle und der Regie von Michael Gans freuen sich die PH-Kabarettisten auf zahlreiche Besucher.

"Es ist Morgen in der Küche und die Dinge stehen an ihrem gewohnten Ort, durch das Fenster sieht man die Ruinen und in der Spüle steht irgendwelcher Abwasch herum.

Der Tag wächst heran und wird groß, legt sich auf die Stadt. Wir haben die Nacht ohne Erlösung durchlebt. Ich höre die Autobusse und das gedämpfte Ge-räusch der sozialen Beziehungen. Ich erlange Gegenwärtigkeit.

Die Menschen laufen zwischen den Mauern der Stadt hin und her: Fluten auf den Boulevard, tragbare Telefone; Sorge, ob die Verbindung steht, feindseliger Einsatz des Blicks: Alles funktioniert, alles kreist, und meine Nerven liegen blank.

Ich durchquere die Stadt, von der ich nichts mehr erwarte, inmitten stets neuer Menschenwesen. Ich kenne sie auswendig, diese Hochbahnstrecke; Tage ver-gehen, ohne dass ich reden kann.

Wir haben Beschwerlichkeiten und Begierden durchlebt ohne dem Aroma der Kinderträume wieder zu begegnen. Es ist nicht besonders viel übrig am Grund unseres Lächelns, wir sind Gefangene der eigenen Durchschaubarkeit

Es ist auf den Straßenkreuzungen empfindlich kalt. Wirklich sehr kurios, den anderen beim Leben zuzusehen." (Michel Houellebeq)

 

Bild 1 rechts oben: Im Vordergrund Julia Schwaigerer, Rebecca Schlayer - Bild 2: Die Müllleute Katharina Schlumberger, Inna Diebner, Lucia Cuccurullo, Sina Böhringer, Anja Papst, Elisa Mühleck, Ann-Carin Rathgeb, Yvonne Schröter - Bild 3: Die Stadtführung - im Vordergrund: Annegret Kächele, Michi Hampp - Bild 4: Im Restaurant vorne: Eva Pfenning

Bild 5 links: l'arc de triomphe - Annegret Kächele, Michi Hampp, Katharina Schlumberger - Bild 6 mitte: Carla (Michi) und Nicolas beim Tanz - Bild 7 rechts: "I love Paris in the Springtime" Inna Dibner, Michi Hampp - alle Fotos: Matthias Kächele

"Berlin! Berlin!" eine Tucholsky-Revue im Wintersemester 2010/2011

8. Programm der PHLeddermäuse am 18. und 20. Januar 2011 im Literatur-Café der PH Ludwigsburg.

Der Journalist, Satiriker, Essayist, Literatur- und Theaterkritiker, Erzähler, Lyriker, Chanson- und unermüdliche Briefeschreiber Kurt Tucholsky steht im Mittelpunkt des Programms. Texte und Chansons von Tucholsky und über Tucholsky wurden seit dem Sommersemester 2010 gesichtet und für ein musikalisch-literarisches Revue-Programm arrangiert.

"Ich liebe Berlin nicht. Seine Wendriners hat Gott in den Mund genommen und sofort wieder ausgespien; seine Festlichkeiten sind sauber ausgerichtet; seine Dächer sagen nicht zu mir: »Mensch! Da bist da ja!« Ich liebe diese Stadt nicht, der ich mein Bestes verdanke; wir grüßen uns kaum. Aber wenn man diese Kulturtrottel in allen Orten des Reiches sieht, ist zu sagen: Es ist ein kindliches Spiel, die Angst vor der Aufteilung der Bankkonten, Angst vor Unbequemlichkeit, Kasteneitelkeit und unfruchtbare Bildung, die mit dem Blick auf Laotse über den mißhandelten Zuchthäusler nicht einmal stolpert, auf eine Schießbudenfigur Berlin zu pappen und nun nach der Scheibe zu schießen. Scheibe. Verfaule in deiner faulen Bildung, Gebildeter. Versauf in feinen Formulierungen, Brillenkerl. Lächle überlegen – ach, bist du kultiviert!" (Ignaz Wrobel in Die Weltbühne am 29.03.1927)

 

 

Ich bin die Masse.
Ich bin niemand und alle.
Ich fühle mich und ahne dumpf, was ich will.
Wenn ich mich einmal zusammenballe,
wird das einzelne Ding in mir still.

[…]

Mein ist die Stadt, wenn ich rufend und brausend
durch die Straßen ziehe, Mann gegen Mann,
bis an die Häuser gepreßt, dicht ...
»Deutschland über alles –!«

Ich bin die Masse.
Ich bin niemand und alle.
In mir bist du geborgen. Ich bin ein Wilder,
ein wankelmütiges Kind.
Was ich heute gewollt, habe ich morgen vergessen.

(Theobald Tiger in Tempo, 26.09.1928)

 

von links: Bettina Kürbis, Rebecca Schlayer, Fabian Friedl, Michael Gans, Vanessa Dreischer-Scheib, Johannes Weigle - sitzend von links: Yvonne Schröter, Hannah Scheibe, Carolin Ellenberg, Sina Grund, Stefanie Braun, Ira Dirdjosoesanto-Spoddig - vorne: Annegret Lamparter

"Der große Apfel - New York" Wintersemester 2009/2010

 Trailer der Premiere von Katrin May
Vielen Dank dafür!!!

PHLeddermäuse auf Höhenflug nach New York
von Matthias Lämmer

Texte und Lieder von bekannten Autoren und aus studentischer Feder zum „big apple“ New York, frech und doch gefühlvoll interpretiert, das war das diesjährige Programm der „PHLeddermäuse“.

Der Start war noch etwas arg schwermütig durch die Exillyrik Hilde Domins und Rose Ausländers, doch spätestens zur Pause hatte die sechzehnköpfige Studententruppe unter der Leitung von Michael Gans [und Johannes Weigle] mit einer lokalpatriotischen  Mundartfassung des Sting-Songs „Englishman in New York“ das Publikum für sich gewonnen: Annegret Lamparter brillierte im Touri-Outfit als „Schwobegirl in New York”. Das Programm gewann an Fahrt, wurde nicht zuletzt durch bekannte Rhythmen wie Frank Sinatras „I’m singing in the rain“ lockerer und spritziger. So simpel wie genial war das Bühnenbild: Knallrote Colakisten, in Windeseile umgestapelt, bildeten mal die Wolkenkratzer New Yorks nach, mal eine Kneipenszene, dann wieder in Anspielung auf die bekannte Fotografie „Lunch Atop a Skyscraper“ einen Stahlträger. Mindestens genauso verwandlungsfähig wie die Kulisse zeigten sich auch die Akteure: ob Dachdecker mit Karohemd, Partygäste in feinstem Zwirn oder Ghettokids im Baseballlook – stets wirkten die Spieler durch die detailverliebte gestenreiche Inszenierung von Regisseur Michael Gans authentisch. Den Abschluss bildete schließlich Sinatras „I did it my way“, übersetzt von Googles Online-Übersetzungsmaschine und mit einem Augenzwinkern vorgetragen von Fabian Friedl. 

Nach zwei Stunden New York kann man den „PHLeddermäusen“ zu diesem Höhenflug nur gratulieren. Bleibt zu hoffen, dass sie sich nicht zu lange zum Winterschlaf zurückziehen und bald wieder solch ein literarisches und musikalisches Feuerwerk liefern.

Vom 28.01.2010 im PH-Online-Magazin " imphuls"

Quelle: PHLeddermäuse

"Hoppla, wir beben..." Wintersemester 2008/2009

 Trailer von Katrin May

»Das einstige Hurra, mit dem die Deutschen in das Inferno der Massenschlacht gezogen sind, ist längst verhallt. Ernüchterung macht sich breit, die Zeichen der Zeit stehen auf Veränderung. Nun soll alles anders werden. Der Kaiser wird gegangen, nun kommt die Republik. Nur darüber, wie sie aussehen soll, wird heftig gestritten – und das nicht nur verbal. Ein neues Lebensgefühl kündigt sich an: das Überlebensgefühl, noch einmal davon gekommen zu sein. Man will sich endlich mal wieder amüsieren, trotz Hunger, Not und Elend. Auch im Kabarett. Und tatsächlich schießen die Kleinkunstbühnen wie Pilze aus der Erde. Allein in Berlin gibt es drei Jahre ach Kriegsende 38 Kabaretts, in ganz Deutschland sind es knapp 200. Die Mehrzahl von ihnen bieten allerdings nicht viel mehr als Unterhaltungsrummel, der gefällige Schaulust befriedigt und die Flucht aus dem grauen Alltag ermöglicht.. Erlaubt ist, was gefällt.
Aber es gibt auch das Kabarett mit dem harten K. Im neugegründeten »Schall und Rauch« zum Beispiel. Hier will man den Neuanfang, politisch-literarisch will man sein, unsentimental und aggressiv, sarkastisch, oppositionell und zeitkritisch. Andere folgen diesem Beispiel. Nie zuvor, und auch später nicht mehr, war die Kabarettszene so lebendig wie in jenen turbulenten Zwanzigern. [...]
Engagiertes, polit-satirisches Kabarett, so zeigt sich bald, hat in der Weimarer Republik kaum eine Chance. Das »Schall und Rauch«, das »Größenwahn«, die »Wilde Bühne« müssen nur wenige Jahre nach ihrer Gründung wieder aufgeben. 1924 [...] wird das »Kabarett der Komiker« mit seinen knapp tausend Plätzen zur Renommierbühne für die Prominenten, es wird zum Warenhaus der zehnten Muse, in dem es für jedermann von allem etwas gibt – Parodistisches, Satirisches, Operettig-Schlagerhaftes, Klamauk-Klamottiges, Komödiantisches, Zeitkritisches. [...]
Ende der zwanziger Jahre rumort es – auch im Kleinkunstkeller. Die Zeiten wirtschaftlicher Not und politischer Unruhe lassen auch das Kabarett zu einem neuen Ton finden.«

Volker Kühn (1993)

Das Inszenierungsprojekt der PHLeddermäuse startete im Sommersemester 2008 mit der Sichtung eines 350seitigen Textkonvoluts »Hoppa, wir beben«, zusammengestellt von Volker Kühn. Die Zeit der 1920er Jahre ist weit weg. Wir mussten zunächst ›eintauchen‹ in die politische, gesellschaftliche, private Situation der Menschen im Deutschland der Weimarer Republik. Was hat diese Zeit, was haben diese Texte mit uns zu tun? Was interessiert uns besonders? Wo gibt es Parallelen zur Gegenwart? Was erscheint uns heute noch aktuell? Schnell war klar, es sollte keine museale Rekonstruktion eines Bühnenprogramms werden. Die ausgewählten Texte wurden teilweise neu arrangiert, umgetextet, durchsetzt mit aktuellen Texten und dramaturgisch in Szenen zusammengefasst. Eine Mischung aus Nummernprogramm und dialogischem Spiel, mit vielen Chansons und wenig Kulisse.<//span>

Performance zu "Guernica"

Picasso - Sommersemester 2007

Der Nachruf – In memoriam Picasso

Von der Öffentlichkeit bemerkt starb am letzten Zahltag – aber machen wir es kurz. Picasso, von dem Pablo Matisse keinmal gesagt haben soll, er sei das Pique Asso der modernen Malerei, kam eigentlich als Pablo Karobubo zur Welt, nannte sich aber nach der Familie der Mutter Max Beckmann. Schon früh begann er zu zeichnen, zusammen mit seinem Bruder Jan van Picasso entdeckte er die Ölmalerei, eine Vorläuferin des Kubismus. Bereits mit 12 Jahren schnitt er sich das erste Ohr ab, wenig später schon galt er in seiner Heimatstadt Barcelona als Wunderkind; diesen Titel konnte er bis zum Jahre 1956 erfolgreich verteidigen, er verlor ihn erst nach einem Stechen an Pablo Mozart. 1902 kam Picasso nach Paris und bezog dort sein erstes Atelier, das später berühmtgewordene Künstlerdomizil Sacre-Cœur. Damals war die Seine-Stadt noch das Mekka der Künstler, Muhamed Manet und Ali Renoir waren die gefeierten Größen dieser Zeit, doch bald sollte ihnen der durch einen tragischen Unfall bereits seit der Kindheit verwachsene Korse den Rang ablaufen: Seine Fresken an der bis dahin für unbemalbar gehaltenen Nordwand von Notre Dame nötigten selbst Pablo Grohmann, dem Kunstpapst seiner Epoche – aber wem erzähle ich das alles.

An dieser Stelle sollte vielleicht eine Legende berichtigt werden, die bis heute hartnäckig totgeschwiegen wurde: Picasso war zwar kein Zöllner, er hat dafür aber auch keine Urwaldlandschaften gemalt, ja, er war sogar nie in Mexiko. Das geht aus seinem Fahrtenbuch, das er laut Auflage der Pariser Polizei führen mußte, eindeutig hervor. Jawohl. Picasso war nun 25, aber seine Schaffenskraft war ungebrochen. Fast ertaubt dirigierte er vor ausverkauftem Hause seinen berühmten Guernica-Zyklus, der mit dem für ihn so typischen Farbakkord Grau-Grau-Grau-Schwaaaarz beginnt und – aber kommen wir zum Schluß. Picasso – sein Name umschließt eine ganze Epoche europäischer Kulturgeschichte. Als Kind tanzte er vor Napoleon, das heißt, Napoleon hat vor ihm getanzt, gut 150 Jahre vor ihm, aber auch später sollten große Frauengestalten seinen Weg begleiten: Käthe Kollwitz, Alma Mahler-Werfel, Marie Curie – er hat sie alle geliebt oder gemieden. Und als alter Mann noch entschloß er sich ein letztes Mal zur Ehe. An der Seite von Grandma Picasso lebte und malte er auf seinem Alterssitz Malente-Grems- moulins ein Bild nach dem anderen, und zwar genau in dieser Reihenfolge. In dem Punkte war er eigen.

Nun hat er seinen Schirm für immer zugeklappt. Ein Frühvollendeter, der trotzdem 18 Millionen Bilder, 170 Tausend Radierungen und 12 Handzeichen hinterläßt. Ein Spanier, der trotz aller Erfolge der gutmütige Lauser von nebenan blieb. Ein Maler, der das stolze Wort aussprechen konnte: »Ich suche nicht, ich pinsle.«

Robert Gernhardt

Zeit-los-ungen - Sommersemester 2006

"Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis. Sämtliche Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen es einfach so hin und wundern sich kein bißchen darüber. Dieses Geheimnis ist die Zeit."

Michael Ende (aus Momo)

Das 4. Programm »Zeit-los-ungen« der Kabarett-Gruppe ›Die PHLeddermäuse‹ wurde im Laufe des Semesters von zwei kooperierenden Seminaren zusammengestellt und inszeniert. Entscheidend für die Auswahl der Texte waren thematische Gruppierungen rund um das Thema Zeit. So entstanden unterschiedliche Bilder, die sich aphoristischen Zeitlosungen, Zeitlichem, Zeitlosem, Uhrigem, Eintagsfliegen und dem Wartezimmer widmen. Erstmals wurde für eine Aufführung auch ein Film gedreht.
Das musikalische Arrangement ergab sich durch die Motivation der Mitwirkenden, vorhandene oder vergrabene Fähigkeiten auf Instrumenten oder mit Gesang einzubringen oder sich auf Neues einzulassen.

Evolution

Zuerst scheint es, als sei Ficken
die große Sache, dann
das gesellschaftliche Anliegen
dann geistige Leistung, und danach
verlegen sich manche auf Religion
andere auf Kunst.
Dann wird Geld gerafft
und wenn genug beisammen ist
kommt das Stadium, wo wir
so tun, als würde uns Geld
überhaupt nichts bedeuten.
Dann hat man es mit Gesundheit
Hobbys und Reisen, und schließlich
sitzt man nur noch herum und denkt
verschwommen an vage Dinge,
man tut ein bisschen was im Garten,
haßt Fliegen, Lärm, schlechtes
Wetter, Schnecken, unhöfliches
Benehmen, das Unerwartete, neue
Nachbarn, alte Freunde, Betrunkene,
Rauchen, Ficken, Singen, Tanzen,
Emporkömmlinge, den Postboten
und das Unkraut. Es macht einen
richtig kribbelig: Dieses
Warten auf den
Tod

Charles Bukowski

Pott-Purrée - Sommersemester 2005

PH-Studenten mit Kabarett auf der Bühne - PHLeddermäuse nehmen Ruhrpott aufs Korn

(red) - Um den Ruhrpott drehte sich alles beim Literarischen Kabarett der "Phleddermäuse" an der Pädagogischen Hochschule (PH). 30 Studierende der PH haben sich während des Semesters ein kurzweiliges Programm ausgedacht und damit jetzt die Zuschauer köstlich unterhalten.
Ein echtes "Pottpurree" haben sich die Studierenden unter der Leitung von Michael Gans erarbeitet. Die Spannbreite reichte vom Schalke-Fanblock mit der Betrachtung der eigentümlichen Spezies "homo fanaticus fußballensis" bis zum Blick in einen Frisiersalon - tiefgeistige Gespräche mit Blondinen inbegriffen. Die Kölner Ecke bot Anlass für eine Anti-Büttenrede, in der der ganze Faschingszauber mit Alaaf und Helau regelrecht und wortwörtlich zur Sau gemacht wurde.
Deftig pottig ging es bei den Kneipenszenen zu, bei denen im Ruhrpott-Dialekt über den legendären Schalker Kreisel oder auch das Zechensterben schwadroniert wurde. Einen starken Eindruck hinterließ die Szene, in der Studierende sich wie im Takt von Maschinen bewegten und versuchten, aus der öden Gleichmäßigkeit auszubrechen. Witzig die Idee, dem Zechensterben im Ruhrgebiet mit der Gründung einer Wellness-Zeche zu begegnen, in der Manager und Geschäftsleute Ruhe und Erholung bei der Arbeit mit Hammer und Meißel finden. Skurril war schließlich die Szene, in der Udo Lindenberg eine solche Wellnesstour in einem mit provinzieller Prominenz überladenen Aufzug den Berg hinunter unternimmt und dabei zum Ehrenmitglied der "Freizeit- und Erholungs GmbH/Zeche Ernst" ernannt wird.
Echte Hingucker und vor allem Hinhörer waren die Gesangseinlagen, bei denen vor allem Silvia Eggler und Julia Staffeld zu nennen sind. Die beiden boten, begleitet von Johannes Weigle am Klavier, sowohl text- als auch gesangsmäßig musikalisch tiefsinnige und heitere Leckerbissen, die vom Publikum mit starkem Applaus gewürdigt wurden.

Ludwigsburger Kreiszeitung vom 12.07.2005

Wiener Schmäh - Sommersemester 2004

Das 2. Programm »Wiener Schmäh« der Kabarett-Gruppe ›Die PHLeddermäuse‹ wurde im Laufe des Semesters von zwei kooperierenden Seminaren zusammengestellt und inszeniert. Entscheidend für die Auswahl der Texte waren schließlich thematische Gruppierungen zu verschiedenen Orten in der Stadt. Dabei folgt der ›Rundgang‹ einer ungefähren Chronologie von Texten um 1900 (Altenberg, Kuh, Zweig) bis zu aktuellen Gedichten Friedericke Mayröckers aus dem vergangenen Jahr. So entstanden sechs sehr unterschiedliche Bilder, die sich als ›fragmentarisch-urbanes Mosaik‹ Menschen, ihren Beziehungen, Vorurteilen und Klischees, Geschichte und Geschichten, Verstaubtem und Aktuellem nähern.

Das musikalische Arrangement ergab sich durch die Motivation der Mitwirkenden, vorhandene oder vergrabene Fähigkeiten auf Instrumenten oder mit Gesang einzubringen oder sich auf Neues einzulassen.

»Jeder Kunstrichtung ihr Kabarett!«

So lautete das Motto des neuentstandenen Etablissements »Fledermaus«, einer Gründung der »Wiener Werkstätte«, das am 19. Oktober 1907 im Souterrain des Hauses Kärtner Straße 35, Ecke Johannesgasse 1, den Spielbetrieb aufnahm. Wie zuvor den Kabaretts in Paris und München der Symbolismus und Naturalismus eigen gewesen war, blieb die Wiener »Fledermaus« eng mit der Entwicklung einer neuen Kunstrichtung, des Sezessionismus, verbunden.

Egon Friedell, 1907

Ideal und Wirklichkeit - Wintersemester 2003/2004

Ein kabarettistischer Streifzug durch die Metropolen Berlin, Paris und New York zeigt Menschen im Spannungsfeld zwischen ihrem gelingenden und misslingenden Leben. Studenten der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg stellen Texte und Lieder bekannter und unbekannter Kabarett- und Liedautoren vor, die von Wunsch und Wirklichkeit, Erfolg und Scheitern,  Hoffnung und Verzweiflung erzählen in den verschiedenen Milieus der Großstädte. Auch einer der begabtesten Wort- und Pointenschöpfer unserer Tage darf nicht fehlen: George W. Bush. Die Musik versucht, diese Milieus aufzuspüren, frech und sensibel, das letzte Wort im Programm hat Georg Kreisler mit einem seiner alten, bösen Lieder.......

Die Aufführungen fanden am 20. + 21. Januar 2004, jeweils um 19 Uhr 30 im Literaturcafé der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg statt.

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