Forschungsprojekt
Schreibkometenzen mehrsprachiger Kinder beim Verfassen informierender Texte
Mehrsprachige Kinder werden aufgrund der Heterogenität der Gruppe häufig aus dem Untersuchungssetting ausgeklammert. Die mehrsprachige Klasse stellt inzwischen jedoch den Normalfall in der Schullandschaft dar und die Beherrschung der Bildungssprache ist für eine gelingende Textproduktion ausschlaggebend.
Im Zuge der PISA- und IGLU-Studie wurden die Lesekompetenzen vor allem im Hinblick auf Gebrauchstexte untersucht. Demgegenüber wurden produktive Fähigkeiten, bezogen auf informierende Texte, noch wenig erforscht. Zudem beziehen sich Schreibaufgaben im Deutschunterricht der Grundschule meist auf narrative Texte.
Die Herausforderung für L2-Lernende sieht Grießhaber (2008) in der Formulierungsphase, dem eigentlichen Schreibprozess, weil hier dem Wortschatz und der Grammatik eine zentrale Rolle zukommt. In der Schreibdidaktik wird aktuell der Zugang favorisiert, den Formulierungsprozess in so genannten Schreibgesprächen zu unterstützen. In dem Forschungsvorhaben sollen die Formulierungskompetenzen von L1- und L2-Lernern beim Verfassen informierender Texte untersucht werden. Aus den Ergebnissen sollen unter anderem Folgerungen für sprachdiagnostische Verfahren im Kompetenzbereich Schreiben bei mehrsprachigen Kindern an der Grundschule abgeleitet werden.
Schreiben unter der Bedingung der Mehrsprachigkeit (abgeschlossen)
Sprachschwierigkeiten werden in den ersten beiden Schuljahren häufig nicht differenziert genug wahrgenommen. Der Unterricht ist konzeptionell mündlich geprägt und der Fokus bei Schüleräußerungen liegt mehr auf der inhaltlichen und weniger auf der Ebene von korrekten sprachlichen Äußerungen. Die Sprachschwierigkeiten werden erst Ende Klasse 2 / Anfang Klasse 3 verstärkt wahrgenommen, weil der Unterricht zunehmend konzeptionell schriftlich geprägt ist. In Bezugnahme auf Knapp (1999) ist davon auszugehen, dass die Schwierigkeiten der Schüler beim Verfassen von Texten auf „verdeckte Sprachschwierigkeiten“ zurückzuführen sind.
Die Arbeit hat zum Ziel Kompetenzen und Entwicklungen der SchülerInnen im Bereich der schriftlichen Kommunikation zu untersuchen. Die Datenbasis besteht aus schriftlichen Texten von drei Schülern und der Analyse von Schreibgesprächen, die vor, während und nach der Texterstellung mit den Schülern geführt werden.
Die Fragestellung des Projekts ist, welche Zusammenhänge zwischen den sprachlichen Kompetenzen in den Bereichen Syntax, Wortschatz und Morphologie einerseits und den textuellen Kompetenzen andererseits bestehen. Bei der Auswertung wird in besonderem Maße das Feedback des Unterrichtenden und dessen Wirkung auf den Schreibprozesses in den Blick genommen (vgl. Rost-Roth 2006).
Erste Ergebnisse lassen vermuten, dass das Sprachbewusstsein der Schüler beim Verfassen der Texte in höherem Ausmaß aktiviert werden muss, als bei mündlichen Äußerungen. Dies konnte in den Schreibgesprächen und Überarbeitungsphasen beobachtet werden. Für die Förderung bedeutet dies möglicherweise, dass über Schrift die Aneignung sprachlicher Fähigkeiten unterstützt werden kann. Weiter kristallisiert sich heraus, dass Schreibgespräche als ein Ort der Sprachreflexion genutzt werden können und so der Sprachunterricht mit dem Schreibunterricht verzahnt wird (vgl. Fix 1999). Außerdem zeichnet sich ab, dass gute sprachliche Fähigkeiten nicht unbedingt zu literarisch besseren Texten führen, wobei noch konkret geklärt werden muss, was unter „literarisch besseren Texten“ zu verstehen ist und welche Sprachkategorien in den Schülertexten und Schreibgesprächen ausfindig gemacht werden können, die zu „literarisch schlechteren Texten“ führen.


