Manfred Overmann

Dämonologie : eine teuflische Geschichte des Christentums in Versen. Der Mensch im Uhrwerk der Zeit : Kritik und
Bekenntnis. Manfred Overmann. [Illustr.: Monika Heupel]. - Siegen : Höpner und Göttert, 1996. - 128 S. - ISBN
3-924948-41-0 kart. : DM 19.80


 

                     XII
Das dolce vita der sündigen Päpste
im Mittelalter und in der Renaissance

Tempel, Türme und Paläste
Reichtum, Prunk und laute Feste

Päpste, Bischof, Kardinäle
Eigentümer dieser Säle

Zahlen sie doch keinen Heller
Wein stammt aus dem Kirchenkeller

In der heil'gen Residenz
Lebt der Vater-Unser-Lenz

Und des Christen Opfergabe
Seinen Gaumen himmlisch labe

Kirchensteuer und Tribute
Fordern ab von jedem Gute

Armen Leuten sie befehlen
Sollen leben von den Seelen

Denn das Fleisch aus Teufels Reich
Besser es dem Papst gereich

Böse Geister er vertreibt
Mühevoll doch wohlbeleibt

Und in der prekären Lage
Zelebriert man ein Gelage

Lebt er doch von Sünd und Schuld
Kaiserreich im Kirchenkult

Geistliche Kleider sind Standesornat
Verbergen den Bastard und Glaubensverrat

Papstwahl verkommt wohl zur Farce und Posse
Wenn Stimmenkauf, Ämterkauf leitender Bosse

Durch Gelder, Bestechung und Amtssimonie
Verhandeln die Leitung der Gotthierarchie

Giftmorde, Folter und Bestialitäten
Gehören zum Klerus, sind Spezialitäten

Nach außen zwar scheinen sie alle adrett
Doch hinter den Mauern ein Mordkabinett

Leichensynoden und Patholgie
(Papst Stephan VI: 896-897)
Inzestuöser Verkehr - Sodomie

Blutschande, Zauber und schwarze Magie
Playboys der Liebe und Pornokratie

Die Engelsburg, Tempel der Liebe und Freuden
Wo Päpste mit Wollust die Heiligen zeugen

Beherbergt nur Huren, Hetären, Mätressen
Madonnen der Liebe, die geil und verfressen

Als edele Nutten und Papstamazonen
Das göttliche Zepter nicht lange verschonen

Schwelende Sinnlichkeit, lustvoller Glanz
Schamhaft wie Nonnen, besessen vom Schwanz

Des Pontifex maximus, der im Bordell
Der Heiligen Kirche sofort ist zur Stell'

Er subventioniert alle ärmlichen Damen
Macht sie aus Mitleid zu Papstkurtisanen

Damit sie durch Wollust nach einigen Wochen
Im päpstlichen Bett werden heiliggesprochen

Mezzani, Ruffiana, mondäne Charmeure
Zuhälter, Kuppler der himmlischen Chöre

Kreieren die Körper, den Geist als Modell
Der Bräute der Lüste, die bald im Bordell

Der himmlischen Herren und zu deren Füßen
Die quälende Lust müssen sklavisch verbüßen

Die Abart erkrankter Erotikvisionen
Die Päpste als Laster oft fürstlich belohnen

Doch gibt es auch scheußliche Strafrituale
Zu denen gehört der trentuno reale

Gewaltsam besteigt eine Unzahl von Mannen
Die Hure, zu zücht'gen, sie blutig zu rammen

Mit geißelnden Hieben die Mädchen traktieren
Päpste, wenn Glieder nicht steif funktionieren

Sublimation führt zur Eskalation
Negierende Kräfte in geiferndem Hohn

Bestrafen die Weiber durch blut'ge Tortur
Zu Ehren der Götter in christlichem Schwur

Die Frage erhebt sich, ob züchtige Nonnen
Asketisch vernichten die leiblichen Wonnen

Oder ob Klöster verbergen, kaschieren
Unkeusche Sitten, verderbte Manieren

Sollten die Nonnen nicht manchmal probieren
Mit heiligen Kreuzen hinwegmasturbieren

Erotische Bilder, Visionen der Lust
Aus Mangel an Priestern ergibt sich der Frust

Satanischer Geilheit, die strebt nach Entladung
doch haben nicht alle dieselbe Begabung

Um künstliche Glieder und phallische Kerzen
Zu nutzen zur Schaffung orgastischer Schmerzen

So daß manche Nonne bei häuslichen Tieren
Sucht Hilfe, um leichter zu koitieren

Enthaltsamkeit führt zu neurotischer Lust
Die Geilheit entzündet die weibliche Brust

Die voller Erregung sich prallvoll entblößt
Damit Kardinal in der Beichte erlöst

Die leidvolle Nonne von höllischen Qualen
Selbstlos und ohne darüber zu prahlen

Wenn männliche Glieder jedoch nicht zur Hand
Mit Hunden und Affen befriedigt den Brand

Der zwischen den Beinen in pflaumiger Scham
Am Hügel der Venus verzehrt sich vor Gram

Doch traf fromme Nonnen nur selten der Spott
Denn alle Geschöpfe, sie huren für Gott
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Päpste der sinnlichen Lust-Renaissance
Prassen und lieben in Effervescence

Rodrigo de Borja als Papst Alexander (1492-1503)
Beschläft viele Frauen, zugleich, miteinander

Vater und Sohn mit der Tochter verkehren
Lucrecia Borja ist von den Häteren

Des päpstlichen Vaters das eigene Kind,
Dynastische Ware viel Reichtum erbringt

Als Hexe und Hure des Klerus mitnichten
Möchte die Tochter des Papstes verzichten

Auf Luxus und Wollust sowie Völlerei
Auf Ansehen und Macht der gelobten Partei

Mehrmals vermählt sie gebiert viele Kinder
Geliebte von Julius (1505-1513) gelüstet nicht minder

Chronisten beschreiben orgastische Feste
Auf denen der Papst Alexander der Beste

Flackernde Lichter, das Feinste vom Feinen
Arkaden aus dorischen Säulen vereinen

Lustvolles Stöhnen und gieriges Schmatzen
Geifernder Weiber mit geistlichen Fratzen

In dunkelen Nischen und festlichen Sälen
Bischöfe Liebschaften, Wein auserwählen

Barette erhalten, wer schnell und ganz nackt
Am öftesten glänzt im extatischen Akt

Dirnen auf Knien und auf allen vieren
Nackt sie die himmlischen Fürsten servieren

Fässer von Wein, dazu Schwäne und Bären
Wildschweine, Pfauen, Pasteten verzehren

Die Herren der göttlichen Philharmonie
Zu Ehren der christlichen Theologie

Registri und Bücher für Gottesaltare
Enthalten auch Zahlen für Lusthonorare

Das Geld für die geistlichen Perversitäten
Erhielten die Herren in Form von Diäten

Ablaß der Sünden durch Pilgern nach Rom
Verschafft hohe Summen dem göttlichen Sohn
 

Bulle des Jubels schafft Sündenerlaß
(22. Febr. 1300, Bonifatius VIII)
Gelder der Kirche, Verbrechern den Paß

Für Unschuld und Reinheit, konform mit der Bibel
Als Eintrittsgarant mit dem päpstlichen Siegel

Zum himmlischen Garten der Lüste in Eden
Als Ausweis für sinnliches, ewiges Leben

Kindsmörder, Blutschänder sind wieder rein
Geschäfte florieren im Kirchenverein

Die Reise nach Rom ist nun nicht mehr vonnöten
Kommerz macht es möglich, daß christliches Töten

Vor Ort wird vergolten von Katholik Tetzel
Der Buße und Reue als Seelengemetzel

Verbannt aus der Sprache der Theologie
Aus Zwecken der kirchlichen Ökonomie

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Sünde, Tod und Heuchelei
Kreuzzüge und Meuterei

Zwist und Zwietracht ist entfacht
Teufels Heer ergreift die Macht

Apostel, die die Heiden taufen
Oder sie im Fluß ersaufen
 

Hexerei und Klosterfrauen
Zaubertrunk die Mönche brauen

Geißel, Folter und Askese
Schmerz, damit die Seel' genese

Priester und die Geistlichkeit
Alles falsche Heiligkeit

Atheisten hinter Mauern
Auf den Herrgott sie dort lauern

Steinigt ihn den Gottessohn
Erdenreich ist Euer Lohn

Judas rettender Verräter
Du allein kein Übeltäter

Ende mit der Zauberei
An das Kreuz mit Jubelschrei
 

Manfred Overmann

Dämonologie : eine teuflische Geschichte des Christentums in Versen. Der Mensch im Uhrwerk der Zeit : Kritik und
Bekenntnis. Manfred Overmann. [Illustr.: Monika Heupel]. - Siegen : Höpner und Göttert, 1996. - 128 S. - ISBN
3-924948-41-0 kart. : DM 19.80