Dämonologie : eine teuflische Geschichte des Christentums
in Versen. Der Mensch im Uhrwerk der Zeit : Kritik und
Bekenntnis. Manfred Overmann. [Illustr.: Monika
Heupel]. - Siegen : Höpner und Göttert, 1996. - 128 S. -
ISBN
3-924948-41-0 kart. : DM 19.80
Tier und Mensch (Anthropologische Reflexion)
Das Tier kriecht am Boden, es ist dort fixiert
Durch Sinne geleitet, es blind funktioniert
Instinkte es führen auf ehernen Bahnen
Perfekt in der Art, doch beschränkt in dem Rahmen
Die Biene ist fleißig, besucht viele
Blüten
Beim Nektarerwerb müssen Menschen sich hüten
Die Königin ist ihre schöpfende Kraft
Das Volk emsig-fleißig den Honig beschafft
Und wenn es harmonisch uns zeigt, was es kann
Sind wir respektvoll, doch steht es im Bann
Sie zeigen uns Staaten, soziales Verhalten
Doch wir erkennen, Instinkte verwalten
Der herrliche Damm, den der Biber begonnen
Wird wohl perfekt, doch von ihm nicht ersonnen
Fragte man sie, etwas and'res zu schaffen
Würden sie gaffen wie Affen und Pfaffen
Denn jedes Tier wirkt aus einem Register
So wie Magister und kluge Philister
Ist zwar gele(e,h)rt, weil es spezialisiert
Aber nicht frei, da es blind operiert
Als Sklave erscheint es uns in seinem Fach
Weil es dahinfließt wie Wasser im Bach
Notwendig alles, was es unternimmt
Knecht der Gesetze, beschränkt und bestimmt
Sinne es leiten, Bedürfnisse, Lust
Doch was es tut, ist ihm niemals bewußt
Jegliches Handeln ist bloß Reaktion
Blinder Impulse und Triebreaktion
So bleibt das Tier seiner Art stets getreu
Aber im Schaffen ist niemals es neu
Nun, man muß sagen, es ist zwar beschränkt
Die Mutter Natur unterdessen es lenkt
Und wie das Tier sei auch konstituiert
Es mit sich selbst und der Welt harmoniert
Zwar, so betont man, ist es notwendig
Doch wirkt die Schöpfung in ihm lebendig
Teil der Natur und mit ihr verbunden
Kann es durch Einheit die Gottheit bekunden
Trinkt ihren Saft und lebt wie die Blume
Nach ew'gen Gesetzen dem Schöpfer zum Ruhme
Wie anders der Mensch sich verhält und besteht
Wollen wir sehen und ob 's besser ihm geht
Am Anfang da war auch der Mensch nur ein Tier
Erst langsam entwickelt er seine Manier
War unter allen Geschöpfen und Wesen
Mit Mängeln bestellt, nichts Besond'res gewesen
Sollte der Mensch in der Schöpfung von allen
Geschaffenen Wesen dem Gott nicht gefallen?
Hat nicht die Kraft eines brüllenden Löwen
Noch das Vermögen zu fliegen wie Möwen
Ist nicht geschwind wie die schlanke Giraffe
Oder gewandt wie der kletternde Affe
Kann weder sehen, noch hören, noch riechen
Wie manche Tiere, die lautlos nur kriechen
Der Mensch ist vollkommen in keinem Bereich
Den Tieren an Schärfe der Sinne nicht gleich
Doch diese Mängel, sie lassen uns stutzen
Sotten sie letztlich dem Menschen nicht nutzen?
Meisterhaft ist zwar das Tier wohl beschaffen
Aber in einem Bereich kann's nur schaffen
Das Leben der Tiere ist determiniert
Der Mensch, er steht frei, denn er ist nicht fixiert
Aufrecht steht schlank seine schöne Gestalt
Verleiht ihm die Umschau und höhere Gewalt
Er kriecht nicht am Boden, denn fest ist sein Stand
Das Werkzeug der Kräfte gestaltet die Hand
Fern blickt sein Auge im Umkreis herum
Die Vielfalt der Welt läßt die Zunge nicht
stumm
Alles, was schauend der Mensch rezipiert
Wirkt auf sein Wesen, das alles notiert
Naturhafte Töne hat bald er verbunden
Zu Worten, um geistig die Welt zu erkunden
Die Laute der Tiere ihn höchst inspirieren
Mit Sprache erfassend die Welt zu markieren
So löst sich der Mensch aus der blinden Natur
Trennt Subjekt und Objekt, entwirft seine Spur
Er kann zwischen sich und der Welt unterscheiden
Und muß nicht naturhaft Gesetze erleiden
Betrachtet besonnen geschichtliche Bahnen
Bestimmt seinen Standpunkt, um Zukunft zu planen
Natur ist der Lehrer der wirkenden Kraft
Sie leitet den Menschen, wenn schöpfend er schafft
Wer ihre Gesetze erkennt und versteht
Kann nutzen die Kraft, die niemals vergeht
Der Mensch reißt sich los von den niederen
Sinnen
Benutzt die Vernunft, um sich selbst zu bestimmen
Er will nicht wie Tiere im Kreis sich bewegen
Verzichtet auf sichere Wege im Leben
Der Geist kämpft verwegen in ständigem
Drang
Um zu befrei'n sich von sinnlichem Zwang
Die Sinne verzweifeln und schreien Verrat!
Wir dulden nicht kampflos des Geistes Primat
Vernunft darf nicht walten allein als Tyrann
Beschränken die Rechte der Sinne durch Zwang
Ist doch der Mensch eine Doppelnatur
Die nicht erdulden kann die Diktatur
Wenn die Vernunft die Sinne bezwingt
Herrscht keine Einheit, denn tot der Instinkt
Wenn jedoch niedere Triebe uns leiten
Gehört auch der Mensch nicht mehr zu den Gescheiten
Es darf nicht währen ein dauernder Krieg
Wo Unterdrückung des anderen Sieg
Niedergeworfen verweilt stets der Feind
Versöhnung beendet den Kreig und vereint
Alleinherrschaft muß nun der Mensch
überwinden
Vernunft und die Sinne, sie sind zu verbinden
Harmonisch und frei wirken Menschen im Ganzen
Wenn Neigung und Pflicht sich paaren beim Tanzen
Doch welch' ist das Ziel dieser Menschennatur
Die willkürlich eingreift ins Rad der Natur?
Vernunft unerscheidet sie von allen Wesen
Die auf der Erde bislang sind gewesen
Was hat der Mensch aber dadurch gewonnen
Daß durch Vernunft der Natur ist entronnen?
Wählt nun aus eigener Kraft die Bestimmung
Die übereinstimmt mit seiner Gesinnung
Krone der Schöpfung, entscheidet besonnen
Die Freiheit, sie hat mit dem Menschen begonnen
Fortschritt, Entwicklung, Kultur, Tradition
Erscheinen dem Menschen als göttlicher Lohn
Er lernt aus Vergangenem die Zukunft zu planen
In ständigem Streben verbessert die Bahnen
Doch was sind die Kriege der Menschenbarbaren
Die toben und töten in wütenden Scharen?
Es mordet kein Tier sein eig'nes Geschlecht
Und zieht gegen Bruder und Freund ins Gefecht
Die Kräfte des Menschen in ewigem Streben
Entgegengesetzt sich entwickeln im Leben
Antagonismus, Aufbau, Zerstörung
Eintracht und Frieden, Kriege, Verschwörung
Der Forschritt basiert auf dem ewigen Wandel
Aus Fehlern zu lernen ist menschlicher Handel
Jedes Ereignis erfüllt seinen Sinn
Und arbeitet streng auf Vervollkommnung hin
Ist aber letztlich der Mensch nie am Ende
Wenn jedes Ziel sich erweist stets als Wende?
Jeder Moment trät in sich die Vollendung
Und unser Ziel bleibt unendliche Sendung
Alles gehört zu der Weltharmonie
Die Menschen sind immer am Ziel oder nie.
Dämonologie : eine teuflische Geschichte des Christentums in
Versen. Der Mensch im Uhrwerk der Zeit : Kritik und
Bekenntnis. Manfred Overmann. [Illustr.: Monika Heupel]. - Siegen
: Höpner und Göttert, 1996. - 128 S. - ISBN
3-924948-41-0 kart. : DM 19.80