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Timo Serrafin: Der Mann schafft sich ab! Buhmann Verlag, Bad Nordhorn Ehemals als Galionsfigur und Fackelträger von Evolution wie Historie missgedeutet, unterliegt der Mann nunmehr im schwelenden Geschlechterkampf und erweist sich darin als freundlich nachgiebig und nicht kompatibel zu den Erfordernissen der dämmernden, anscheinend amazonenhaften Zeitenwende. Die gewissermaßen natürlich erodierte Überlegenheit des Mannes, sein verminderter Status im sozialen temporären Netz erscheint quasi alternativlos und ist die Folge einer sich vor Zeiten abzeichnenden Erschöpfung oder Ent-Schöpfung des männlichen Elements binnen einer Gesellschaft im Wandel. Zu diesem verhalten optimistischen Fazit gelangt Timo Serrafin, Generalsekretär und Autor des Buches "Der Mann schafft sich ab!". Über die Grenzen bekannt wurde Serrafin vor allem durch seine übers Ziel geschossenen Versuche, den Anteil hoch bezahlter Aufsichtsräte städtischer Kindertagesstätten auf je 13 zu begrenzen. In seinem neuen Sachbuch nun schildert Serrafin auf mehr als 300 beunruhigenden Seiten das Szenario eines mühsamen, lärmenden Radetzky-Marsches, den der Mann, sei er - im Bilde gesprochen - Kaiser oder Gemeiner, getrieben von verwaschenen Visionen und mit - wir bleiben im Bilde - vom Schlamm bespritzten Stiefeln abschritt. Wohin? Serrafin knüpft mit seinem Werk da an, wo die im Rückblick kümmerliche Theorie der Transpersonalen Maskulinität endet: Der Homo (haha) sapiens masculinum schreitet nicht mehr, er verlangsamt, geleitet und läßt vorbei. Nach der aufwühlenden Lektüre von Serrafins Buch kann man dem Manne eines nachsagen: Mut hatter. Alex Lanhar: Die Muse hinter Kubricks Ohr Verlag Cinematik, Köln Unverzichtbares Kino- und Kulturgut hat Stanley Kubricks Werk zu sein, und verstörend kommt es ohnehin daher. Behauptet jedenfalls Alex Lanhar, Kinohistoriker aus einem Kaff bei Bonn. Doch woher bezog das Regiegenie seine Einfälle, aus welchem metaphysischen Grund fischte Kubrick seine Inspiration? Da Kubrick weder badete noch sang, suchte und fand Lanhar schließlich einen ganz anderen Erklärungsansatz: Hinter Kubricks Ohr befand sich und verbarg sich - eine Muse. Nach Auswertung aller verfügbaren Portraitfotos des Meisters - die, das rechtfertigt den hohen Preis, sämtlich im, übrigens liebevoll gestalteten, Buch abgedruckt sind - kam Lanhar zu dem Schluss, dass eine Muse hinter seinem Ohr ihm zuflüsterte und ihn zu den außerordentlichen Leistungen für die Leinwand befähigte. Hinweise darauf finden sich praktisch in Kubricks komplettem Oeuvre. Die Park- und Casinoszenen bei diffusem Licht und Kerzenschein in "Barry Lyndon", in denen Redmond Barry der Lady Lyndon erstmals begegnet, sind augenscheinlich von einer zierlichen Muse inspiriert, ebenso die legendär subtil inszenierten Sequenzen aus "A Clockwork Orange". Den maßgeblichen Wert gewinnt Lanhars Untersuchung durch die Feststellung, dass mikroskopisch kaum wahrnehmbare Musen künstlerische Werke begründen und nicht, wie gerne angenommen wird, der kreative Geist und das rationale Vermögen des bewusst Schaffenden. Es leuchtet daher ein, dass, wie Lanhar anmerkt, der Supercomputer HAL in "2001 - Odyssee im Weltraum" eine Metapher oder filmische Allegorie der Muse darstellt: Der Mensch ist Werkzeug und ausgeliefert. Eugen Schwab: Schwarzer Rabe - weißer Rabe Grünkern Verlag, Thun/Schweiz Der bewusste und betuchte Leser mag Vorbehalte gegen Eugen Schwabs neuesten Roman anmelden - scheint dieses Buch doch allzu deutlich eine plagiative Anbiederung an den Teenie-Mystery-Trend zu sein, der zur Zeit Hochkonjunktur hat. Dem ist keineswegs so. Schwabs Roman hebt sich wohltuend von den üblichen Mystery-Reißern ab, bietet differenzierte Tiefenpsychologie und einen Plot, der es in sich hat. Und nicht zuletzt sorgt Schwabs einmaliger Erzählstil wieder für Gänsehaut. Zur Story: Dietmar K. ist Schüler am Oberstufen-Kolleg Bielefeld. Er ist ein ganz normaler Schüler, der eine 5 in Mathe schon mal gerade sein lässt. Somit ist der Konflikt mit seinen Eltern geradewegs vorprogrammiert. Schließlich lernt Dietmar bei einer Shopping-Tour in Bielefeld eine Fluglehrerin kennen, die ihm verheißt, ihn in einen weißen Raben verwandeln zu können. Dietmar ist begeistert von der Idee, informiert jedoch nicht seine Eltern, nur seine Schwester Melanie weiht er ein. Bevor Dietmar zu einem weißen Raben werden kann, muss er zuvor, wenigstens ein paar Wochen, ein schwarzer Rabe sein, um die Vorteile eines weißen Raben besser einschätzen zu können. Das stößt auf Dietmars Unverständnis und führt zum Zerwürfnis mit seiner Fluglehrerin. Wem jetzt noch keine Gänsehaut gewachsen ist, mag bis zur üppigen Schlussszene warten, in welcher Dietmar ... Doch sei an dieser Stelle nichts verraten! Eugen Schwabs annähernd bahnbrechender Roman wartet mit überraschenden Wendungen auf, wirft Fragen auf und bricht mit erotischen Tabus (Schüler/Fluglehrerin). Einzig die Locations in Ostwestfalen sind gewöhnungsbedürftig. Nathalia Würths (Hrsg.): Performative Macht Wagemut Verlag, Hannover "Macht und Machtausübung benötigt eine gewisse Anzahl von Mächtigen und Ermächtigten, die sich ihrerseits Macht aneignen und einen Teufel tun, diese zu verleihen." Selten wurde einem machtkritischen Buch ein solch wuchtiger Prolog vorangestellt wie dem vorliegenden Sammelband "Performative Macht", den Mitarbeiter des Instituts für Macht- und Herrschaftsforschung der Universität Wien zusammengestellt haben und auch veröffentlichen durften. Dass Macht, um machtvoll zu sein, schließlich ebenso die Herrschaft Nehmende und Genießende benötigt wie auch die Herrschaft Hergebende, scheint sich nun endlich in der einstigen k.-u.-k.-Herrlichkeit herumgesprochen zu haben, anders ist diese mutige Veröffentlichung nicht erklärbar. Ausgehend von Platons Politeia, über Thomas von Aquins Summa Theologica und Thomas Hobbes' Leviathan hin zu Montesquieu und schließlich überleitend zur expositionellen Marx-Engelschen Maxime, dass Macht die Ressource sei, aus welcher Potentaten wie Souveräne schöpfen, leiten die Autoren des Bandes eine mehr als hypothetische Machttheorie her, welche besagt, dass ohne einen strukturellen Quasiunterbau Machtsysteme und -konzepte unmöglich seien, da sonst jene Basis fehlen würde, die den feudalen Oberbau der gegenwärtigen Machtverhältnisse konterkariert. Den Beweis für diese schier utopische These bleibt der sonst eindrucksvolle Schmöker aus Wien leider schuldig. Oder wie es Heidegger an einem besseren Tag evt. gesagt haben könnte: "Ohne Macht ist man auf dem Holzweg, aber Herrschaft fährt auf breiten Straßen, meine liebe Hannah." Sofie Christenarm: Piccolo um halb elf Rothebühl Verlag, Hahnebüchen Seit annähernd einem Jahrzehnt erfreut die begnadete Geschichtenerzählerin Sofie Christenarm ihre treue und ständig ansteigende Leserschaft mit ihrem nicht enden wollenden Romanzyklus "Piccolo um halb ..." Mittlerweile ist die Christenarm bei Band "Piccolo um halb elf" angelangt, und das Warten hat sich gelohnt. Einst als Liebling der Sonntagnacht-Feullitons verschrieen, hat sich die Autorin mehr und mehr Meriten erworben und dadurch eine komfortable Villa am Comer See und einen flotten Sportwagen. Wer will ihr das verübeln. Zum Buch: Leila, die Protagonistin des Romanzyklus', leidet nicht mehr. Sofie Christenarm hatte es satt, immer nur eine leidende Heldin in den Mittelpunkt ihrer Bücher zu stellen. Nach einer mehr oder weniger ausgiebigen Psychotherapie in Buenos Aires kehrt Leila in ihr Heimatdorf am Fuße des Steinhuder Meeres zurück. Ihre Eltern mussten längst schon das gemeinsame Haus am Meer an Immobilienhaie verscherbeln und nach Neuseeland fliehen, so sagten sie. Am neu formierten Steinhuder Meer lernt Leila - der Leser ahnt es bereits - den einzig im Dorf verbliebenen Fischer kennen und verliebt sich ihn in. Dass der Fischfangkundige eine Nachfahre eines Kapitäns zur See a. D. ist, ahnt sie nicht. Der Fischer zeigt Leila sein Fischerboot und seine Netze, in denen sich Leila versehentlich, just wie eine Seejungfrau, verstrickt. Der Fischer muss die junge Frau retten und ist hernach ihr Held. All das geschieht innerhalb einer Stunde, und wir sind gespannt, was Frau Christenarm für ihren nachfolgenden Roman "Piccolo um halb ..." alles einfällt. Gernot Böhm: Kein Mann für eine Nacht Rothebühl Verlag, Hahnebüchen Der Name Gernot Böhm gilt als Synonym anspruchsvoller deutschsparchiger Gegenwartsliteratur und wurde in den letzten 30 Jahren immer wieder mit dem Nobelpreis für Literatur in Verbindung gebracht. Bislang wurde nichts mit der Verleihung. Ob Böhm mittels seines neuen Romans endlich der begehrte Ehrenpreis zugedacht wird, ist indessen fraglich. Blieb in seinen früheren Werken Böhms Bemühen, dem Jahrhundert ein Profil zu geben, stets im fragilen Selbstbild sowie der tendenziell märtyrerhaften Attitüde einen narkotisierten Ästhetizisten stecken, wagt sich Gernot Böhm diesmal über die sonst bei ihm üblichen stilistischen wie existenzialistischen Parameter hinaus und muss dabei scheitern. Fragwürdig ist auch der Titel von Böhms Buch "Kein Mann für eine Nacht", und man ist zu seiner Entschuldigung geneigt zu vermuten, eine übereifrige Lektorin seines neuenVerlags, nachdem er infolge eines in den Medien breigetretenen Eklats aus Random House rausgeschmissen wurde, habe diesen vulgärpopulären Romantitel festgelegt, um unseren Böhm massentauglich zu machen. Die Akademie in Stockholm wird das zur Kenntnis nehmen. Massentauglich scheint das Werk zu sein, und Böhm begeht das Wagnis, missverstanden und in ein Schema gepresst werden. Schließlich mutet die als dunkel eingehüllt und mit Laterne dahergehend geschilderte Gestalt des Nachtwächters irgendwo im Friesischen regelrecht anachronistisch an. Der Nobelpreis scheint plötzlich weit entfernt. Edwin DeVerde: Shakespeares Reise nach Grönland Mimesis Verlag, Immenstadt In seinem als Reisebericht getarnten Initiationsroman "Shakespeares Reise nach Grönland" schildert Edwin DeVerde - einem breiteren Lesepublikum bekannt geworden mit Titeln wie "Die Kürbis-Lüge" (Bestseller), "Kleine Geschichte der Talfahrt" oder "'John!', 'Ja, Sizzy?"' - die bizarren Einweihungszeremonien, die ein einfacher Handschuhmachergeselle vom Avon, der entgegen den Vorstellungen seiner Stiefeltern eine Barbierstochter ehelicht und daran zugrundegeht, durchleben muss. Von Anfang an war diese Eheschließung nicht standesgemäß, und das Zugrundegehen von Shakespeare daran hat das traurig verdeutlicht. Endlich aus diesem Bund entlassen, zieht Jung-Shakespeare durch der Königin ihr Land, verdingt sich als Friedhofsgärtner, als Kaufmann, Schauspieler, schottischer König, abermals schottischer König und Witzbold, denn von irgendwas muss er leben. Immer mehr, und angetrieben durch seltsame Begegnungen mit Geistern und Hexen, kommt Shakespeare zu dem Schluss, dass es Brot allein nicht sein kann, wovon er leben soll. Es muss etwas geben in der Welt, das mehr wiegt als ein Laib und ein Humpen. Ein inneres Licht leuchtet dem Engelländer, ein Licht, das ihm vorgaukelt, Grönland sei äußerlich und er könne hinüberrudern. Welche Abenteuer der gereifte Shakespeare während seiner Kanutour nach Grönland erlebt, erzählt DeVerde in gewohnt grellen Farben und einer am postmodernen Fatalismus geübten, klaren Schreibweise. Ein waschechter DeVerde also! Dirk Beerensohn: Mozarts Reise nach Hamm Veritas Verlag, Weimar Die vielen vielen Konzertreisen des Wunderkindes und späteren Weltklassekomponisten Wolfgang Amadeus Mozart (1756 bis 1791) sind sehr gut dokumentiert. Zur Freude aller Mozartliebhaber belegen die jetzt in Buchform vorliegenden Forschungsergebnisse des Musikwissenschaftlers Dirk Beerensohn (Hochschule für Musik Obertrochtingen) die von der offiziellen Forschung gerne geleugneten Abstecher Mozarts in den Kreis Hamm (damals Preussen). In akribischer, akkurater Kleinstarbeit verfolgte Beerensohn die Tourroute des Musikgenies Wolferl mitsamt seiner Frau Constanze - besser: Stanzerl - in den Sommermonaten des Jahres 1788, als es in Hamm und Umgebung ausnahmsweise nicht regnete. Der eigentliche Anreiz, Hamm aufzusuchen, bestand nicht darin, dem übermächtigen Schatten des im Vorjahr verstorbenen Vaters Leopold zu entgehen, sondern vielmehr darin, mit dem Hammer Hoforchester zu musizieren, welches unter seinem damaligen Konzertmeister Johann Jacob Schäuzer in ganz Europa einen hervorragenden Ruf genoss. Laut Beerensohn traf Amadé Mozart in den Armen Stanzerls am 23. Mai 1788 in Hamm ein, um im Gasthaus "Chez Figaro" abzusteigen. Was das Paar nach seiner Ankunft im Gasthof anstellte, konnte Beerensohn nicht herausfinden; herausfinden konnte er indes, dass Schäuzer Mozart am 24. Mai im "Chez Figaro" aufsuchte, um Probentermine und Marketingkonzepte abzusprechen. Schließlich verlangte W.A.M. nach einem soliden Hammer Klavier, das ihm der brave Konzertmeister umgehend zukommen ließ und zur Verfügung stellte. Ganz nebenbei sah sich der Autor also in der Lage, den wahren Ursprung des Begriffs Hammerklavier herzuleiten. Hertha Steinhöver: Beyoncé knows - Gebrauchsanweisung für Bedienungsanleitungen Praxis Verlag, Bottrop Wer von uns hat sich nicht schon ständig geärgert über unverständliche Bedienungsanleitungen zu Elektrogeräten und anderen Industrieprodukten, die wir aus dem östlichen Europa oder gar aus Asien beziehen. Sagenumwoben sind die nunmehr nur noch antiquarisch erhältlichen Aufbauanweisungen für die Möbelserie "Jimmy" des Herstellers AKEI, die seinerseits zu verschwitzten Oberhemden der sonst passionierten Heimmöbelaufsteller führten: "Mit groß Bohrer an Löksken ziiehen und Shraube dübbeln fest das halten wnadbehang an Stelle hinter Kmin", um hier eine eher harmlose Passage zu zitieren. Egal! Mit Steinhövers Ratgeber "Beyoncé knows ... " werden den Heimwerkern und Laien Übersetzungshilfen an die Hand gegeben, die das Möbelaufstellen wie Handhaben von Elektrogeräten zur Farce machen. Mit Hilfe der virtuellen Beyoncé, die alles weiß, gelingt es der Autorin - selbst Heimwerkerin - aus chiffrierten Beipackzetteln plausible Umsetzungspläne zu erzeugen. Einerlei, ob die üblichen originären Textbausteine von Benutzungsvorschriften von Frau Steinhöver nun aus dem Koreanischen, Südmalavischen, Portugiesischen, Patagonischen, Puertoricanischen, Polnischen oder Chinesischen übersetzt wurden, als hilfreich erweisen sich die Handreichungen keinesfalls: "Sofern Sie endlich mal nicht die Beyoncé anglotzen, könnten Sie sich mal dazu bequemen, einen Fischer-Dübel Dübel sein zu lassen." In diesem Tenor geht es dann immer weiter. Keine Kaufempfehlung! Christof Uhrwerk: Zwischen Seine und Rhein - Spaziergänge am französisch-deutschen Ufer Verlag Trautmann, Bad Neuenahr Was hat man in den vergangenen Jahrzehnten nicht alles über das deutsch-französische Verhältnis lesen müssen! Da reiht sich Vorurteil an Vorurteil und zurück. Die Franzosen seien Genießer, Galane, Aufrührer, Gaullisten und Baguettisten, die Deutschen hingegen faul, selbstbemitleidend, sittenstreng und Papst. Nur zum Teil treffen solche Attribute zu. Der langjährige Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Paris, F.D. Christof Uhrwerk, schrieb während seiner besten Zeit in Frankreich - zwischen 1963 und 1974 - ein kulturelles politisches Tagebuch über die Franzosen und die Deutschen und deren Wechselwirkung. Erstmals wurden Uhrwerks Aufzeichnungen 1976 veröffentlicht, bis sie bei Francois Mitterands Amtsantritt 1981 schlagartig Makulatur wurden. Der Verlag Trautmann enschloss sich nach langem hin und her, die mittlerweile angestaubten Aufschriebe des Botschafters a.D. erneut dem Lesepublikum zugänglich zu machen. Doch will das kritische Lesepublikum wirklich wissen, wie wild es damals in der deutschen Botschaft zu Paris am linken Ufer der Seine zuging? Der Ex-Diplomat erweckt Seite für Seite den Eindruck, als käme er mit dem Lotterleben von damals blendend zurecht. Als ihn Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger im Spätsommer 1969 deswegen aus der Seine-Metropole zurück nach Bonn pfeifen wollte, verweigerte Uhrwerk seine Rückkehr an den Rhein aus bekannten Gründen ... Rudolf R. Kracht: Wer sind Sie eigentlich - und wenn ja warum? Verlag Meyne, Düsseldorf Der Flut populärer psychologischer Ratgeber hat der anerkannte Tiefenpsychologe und Küchenforscher Rudolf R. Kracht aus Wien eine Menge entgegenzusetzen. Geht es in den meisten anderen Werken primär um die Frage des verschiedenen Seins einer Person, erhebt Kracht das Primat der plausiblen Individualität in den Fokus seiner Betrachtungsweise. Der Wissenschaftler legt in seinem Buch haarklein auseinander, dass die Dualität einer angenommenen Identität zu Wahlmöglichkeiten verhilft, sich binnen seiner Personalität für eine seiner beiden Seiten zu entscheiden. Wer man sein möchte, liegt, laut Kracht, im Rahmen einer zufälligen Laune oder entsteht wahlweise am Ende eines zähen Findungsprozesses, durch den wir uns, der Autor nimmt sich selbst nicht aus, wohl oder übel wie aus einem Ei schälen müssen: Am Beispiel englischer Schauerromane des 19. Jahrhundert wird dem Leser dieses facettenreiche, meist leichtfertig unterschätzte Phänomen veranschaulicht. Aus welchem Grund wir dann jemand sein könnten und warum, gehört zu den faszinierendsten Fragestellungen, die Kracht in seinem regen Forscherleben jemals erhoben hat. Die Stärke der vorliegenden Abhandlung liegt in der ausgeklügelten Metaphorik wie Allegorik, hinter welcher die ursprünglich beabsichtigten Beschreibungs- und Lösungsansätze zuweilen zu verschwinden drohen. R. R. Kracht - ein neuer C. G. Jung? |