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Blackburn
& Snow
Dieses gemischte kalifornische
Duo stand für
Ideale ein, die typisch anmuten für eine Generation, die im
Begriff
stand, sich von den Irrtümern und Werten vormaliger Jahrzehnte zu
lösen. Unter der Leitung einer Plattenfirma hätten Blackburn
& Snow mit ihrem Gesang viel Geld verdienen und, wären
sie
nicht so bald auseinander gegangen, in der Chronik des US-Rock eine
bedeutende
Position einnehmen können. Für beide aber waren die
Aufrichtigkeit
und Intimität ihrer Kunst vorrangig. Deren drohende kommerzielle
Verniedlichung
von Seiten der Produktionsfirma führte zum Zerwürfnis mit
entsprechenden
Instanzen sowie zur Verweigerung der Teilhabe an ökonomischen
Prozessen,
die sich schließlich konträr zur Ideologie der Flower Power
People verhielten und unvereinbar schienen mit den Utopien jener
Epoche.
So glaubten Blackburn & Snow und trieben die Ablehnung
ihrer
Vermarktung freilich auf die Spitze. Infolge von rechtlichen
Unsicherheiten
erschien das gesamte, 1967 für ein Album entworfene Material erst
1999 auf CompactDisc! Für die Zeitzeugen der psychedelischen
Ära
im westlichen US-Staat mögen die Bühnenauftritte des
Mädchens
und des Mannes noch in Erinnerung verblieben sein; Platten von ihnen
(mit
einer Ausnahme) gab es damals nicht zu kaufen.
In Kalifornien begaben sich
die schönsten
Geschichten der Sixties-Subkultur. Sharan Snow richtete als
junge
Frau den Blick auf die Psychologie und brach 1962 zum State College
nach
San Jose auf, dem ältesten des Sonnenstaates. Neben dem Studium
verdingte
sie sich als Folksängerin und lernte Musikanten kennen wie Pigpen,
David Freiberg, Paul Kantner, Jorma Kaukonen. Sommer '64 zog Sherry
Snow nach San Francisco, wo sie abermals auf Freiberg und
Kantner traf,
mit denen (und mit anderen) sie in Wohngemeinschaft lebte. Es wurde
viel
musiziert - doch wovon lebten sie? "How did we make a living? Selling
drugs!"
(Snow). Jeff Blackburn gewann musikalische Praxis bei
Rock'n'Roll-Bands
in Bakersfield, Kalifornien (The Bakersfield Rebels). Anfang der
Sechziger führte ihn sein Weg nach San Jose, wo er Geld mit
Musikmachen
verdiente und dabei Sherry Snow begegnete. Ihre erotische
Ausstrahlung
verdrängte zunächst die musikalischen Aspekte.
Nichtsdestoweniger
spielte dergestalt bis zu Sherrys Scheiden eine erste Ausgabe
des
Duos. In San Francisco liefen sich die beiden im Sommer '65 erneut in
die
Arme. Sie entschieden, dass dies Schicksal sei, blieben nun zusammen
und
stellten sich dem Publikum in Folkclubs vor. Folglich vieler Kontakte
in
der Szene der Bay Area erregte das talentierte Paar die Aufmerksamkeit
der Trident-Produzenten Randy Steirling und Frank Werber.
Dezember '65 unterschrieben Blackburn & Snow ihren Vertrag.
Früh
im folgenden Jahr nahmen sie ihre als Premiere geplante Single auf:
"Stranger
In A Strange Land", basierend auf dem Roman von Robert A. Heinlein
über
einen außerirdischen Messias. Trident veröffentlichte die
Platte
allerdings erst ein Jahr später, und für die idealistischen
Künstler
begannen die Probleme. Jeff sah die ganze Produktionsweise von
Popmusik
schon als Bestandteil des Establishments, gegen dessen Auswüchse
sich
das Paar sträubte. "We were purists, we wanted our music to retain
its unique character (...)" (Blackburn). Als San Francisco-Live
Act im Arc, Avalon, Fillmore oder im F. W. Kuh Auditorium mit der
Nähe
zum Publikum fühlte sich die junge Zweiheit indes nicht
ausgebeutet.
Begleitet von einer Background-Band spielte sie von wed to sat Shows,
die
den Großteil ihrer Einnahmen erbrachten.
Von ihren früheren
Wohngemeinschaftsgenossen Jefferson
Airplane (Kantner, Kaukonen) erhielt Sherry Snow im
Sommer
1966 das Angebot, in der Band den Platz als Sängerin der wg. ihres
Babys Verzicht leistenden Signe Anderson einzunehmen. Sherry lehnte
natürlich ab, weil sie mit Jeff mitten in der Arbeit zu
Entwürfen
für ein Album steckte. Die Trident-Sessions trugen den
Arbeitstitel
"Something Good For Your Head", und die Songs - dem Folkrock zuzuordnen
- stammten fast ausschließlich aus der Feder von Blackburn.
E-Gitarre spielte Jerry McGee, was von allen als Bereicherung angesehen
wurde. Madrigale wie "Yes Today", "Takin' It Easy", "Do You Realize",
"Some
Days I Feel Your Lovin'", "Sure Or Sorry", worin die feinen Stimmen
vorzüglich
harmonieren, zeugen vom Songschreibertalent Blackburns, lassen
eine
sehr persönliche Ausdrucksform der Einheit von Wort und Musik
sowie
der Paarung von Melancholie mit Zuversicht erkennen. Ohne je
oberflächlich
zu sein, rühmen diese anmutigen Weisen voll von lyrischer Tiefe
die
Weisheit eines heiteren Lebens ("Takin' It Easy"). Wäre es nach
den
Wünschen des kalifornischen Duetts gegangen, würde die Musik
weniger geschliffen leicht blechern obertonreich klingen, sondern
intimer
und puristischer, worauf das Demo "Some Days I Feel Your Lovin'"
schließen
läßt. Aber eben das war der Konflikt, den Blackburn
&
Snow mit ihrer Schallplattenfirma glaubten ausfechten zu
müssen.
Die jedoch übernahm für das Künstlerpaar sämtliche
Lebenshaltungskosten (inkl. neuer akustischer 12-Saiten-Gitarre) und
gab
im Januar 1967 endlich "Stranger In A Strange Land" heraus, das die
Charts
allerdings verfehlte; die Langspielplatte war für April
vorgesehen.
Rechtliche Konflikte zwischen Trident und der eingespannten MGM aber
verhinderten
die Veröffentlichung. Unser Folkduo machte sich unterdessen
über
die Grenzen der Bay Area hinaus bekannt, verlor das Vertrauen
gegenüber
Trident, gewahrte den Verlust der eigenen Grundlagen und entfremdete
sich
voneinander. Blackburn tendierte mittlerweile wieder zu Blues
und
R'n'R, Snow blieb dem Folk treu. Eine zweite Single - "Time" -
wurde
im Oktober '67 in geringer Stückzahl lediglich als
Promotions-Pressung
verteilt. Hohe Hoffnungen von einst waren zertrümmert, und das
Pärchen
entstieg im Frühjahr 1968 den Ruinen ihres im Aufbau begriffenen
Liedateliers.
Miss Snow kompensierte
ihre Enttäuschung
1969 zunächst als Sängerin bei Dan Hicks & His Hot
Licks (LP
"Original Recording" mitsamt Tournee). Da sie fühlte, alles
Irdische
sei eitel und vergänglich, schloss sie sich der spirituellen
Gemeinschaft
'Subud' an und legte sich den Vornamen Halimah zu. Seither lebt sie ein
vergeistigtes Leben. Von Blackburn ist bekannt, dass er in und
um
Santa
Cruz in der einen und anderen Band spielte und 1977 ein Projekt mit Neil
Young unternahm; sonst war nichts mehr bei ihm (Drogen). Das
schmale
Werk der Amerikaner wurde, wie oben erwähnt, erst 1999 unter dem
vorgesehenen
Originaltitel "Something Good For Your Head" freigegeben. Es bildet ein
dauerhaftes Zeugnis einer visionären Epoche.
B. Böttcher, 01/2005
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