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The
Easybeats
Wie jedes Ding, so hat auch
die Welt zwei Seiten.
Auf der anderen Seite liegt Australien, der Fünfte Kontinent.
Umspült
vom Pazifischen wie Indischen Ozean folgte das entlegene Land seit
jeher
seinen eigenen evolutionären Gesetzen. Eine spezifische Popkultur
zum Beispiel konnte sich in Sydney, Adelaide, Melbourne, Canberra,
geschweige
denn in Perth lange Zeit nicht entwickeln. Der australische Way of life
bestand Anfang/Mitte der 1960er Jahre aus einer Mischung von
US-amerikanischen
Elementen und Gepflogenheiten des Commonwealth, wobei ein
hedonistisch-pazifisches
Lebensgefühl überwog, welches dem des kalifornischen Typus
nahekam.
Australien repräsentierte den weltweit höchsten
Lebensstandard,
und es war nur noch eine Frage der Zeit, wann endlich eine gute
Popgruppe
von dort von sich hören ließ. Pioniere und Inbegriff
ozeanischer
Beatmusik waren - und sind - The Easybeats. Dieser Band kommt
ein
erstaunlich hoher Bekanntheitsgrad zu, den sie mit ihrem Ohrwurm und
Sixties-Klassiker
"Friday On My Mind" erwarb. Obgleich das Team in der australischen
Heimat
etliche Nummer 1-Singles verzeichnete, wollte ihm ein global
gleichermaßen
Glück bringender Nachfolge-Hit nicht mehr gelingen. "Friday"
indessen
reichte aus, um die Easybeats unvergesslich zu machen und die
Tantiemen
fließen zu lassen.
Die Band schloss sich 1964 in
Sydney aus Söhnen
europäischer Einwanderer zusammen. Gitarrist Harry Vanda wurde
am 22. März 1947 in The Hague/Niederlande geboren, Gitarrist George
Young am 6. November 1947 in Glasgow/Schottland. Bassist Dick
Diamonde
kam am 28. Dezember 1947 in Hilversum/Niederlande auf die Welt,
Schlagzeuger
Gordon 'Snowy' Fleet am 16. August 1946 in Liverpool. Die Wiege des
Sängers Stevie
Wright stand am 20. Dezember 1948 noch in Leeds/Yorkshire. Deren
Eltern
wanderten mit ihren Sprösslingen um 1960 von der alten Welt nach
Sydney
aus. Es war (auch im Land der Känguruhs) die große Zeit der
Bandgründungen, und angesichts des Einflusses der Beatles auf
die Jugend der Welt fanden unsere Fünf zueinander, angetrieben von
dem Wunsch, das nächste große Ding zu werden. Des Quintetts
erster Name war The Starfighters, 1965 benannte es sich dank
'Snowy'
Fleets Geistesblitz The Easybeats. Rasch gewann die
Teenagerband
infolge von abendlichen Engagements im Club Beatle Village an
Popularität.
Leichtgewichtiges mochten die Aussies ihrem Publikum nicht zumuten,
vielmehr
boten sie härteren Stoff im Geiste einer rauen R&B-Band
à
la The Pretty Things, als die die Easybeats liebend
gern
in die Geschichte eingegangen wären und nicht als Popgruppe, zu
der
sie sich später dem kurzlebigen Erfolg zuliebe wandelten. The boys
in the band streuten in ihre Gigs vermehrt Titel von Vanda/Young,
von denen "For My Woman" im Frühjahr '65 für die erste
Single-A-Seite
ausgesucht wurde. Zu verdanken hatten die Musiker den Deal mit der
Plattenfirma
Parlophone dem Manager Mike Vaughan. Vaughan erblickte
in
den Youngsters das Vermarktungspotenzial, eine originäre
australische
Popattraktion herauszubringen. Versank "For My Woman" noch in den
Wüsten
des Kontinents, erklomm "She's So Fine" Platz 1 der nationalen Charts,
und die LP "Easy" (Juni '65) kaufte, wer konnte. Dann geschah etwas,
das
die Australier bisher nur aus den Nachrichten kannten: Eine
Massenhysterie
weiblicher Teenager brach aus - das Easyfever, von dem Tausende
Pubertierender
ergriffen und geschüttelt wurden und das schlimmer gewesen sein
soll
als die Beatlemania. Konzerte der Easybeats degenerierten zu
Schreiorgien
der weiblichen Jugend, die aus den fünf jungen Männern Idole
machte, ach was - Götter! Die Medien trieben diesen Wahnsinn
voran,
und wurden die Helden des Pop kraft guter Bodyguards von ihren
Verehrerinnen
auch nicht erdrückt, so mussten sie doch so manches zerrissene
Hemd
zurücklassen. Im Januar 1966 rissen sich die Konsumentinnen ebenso
die Single "Women (Make You Feel Alright)" wie auch die LP "It's 2
Easy"
aus den Händen. Der Sommer '66 lohnte einzig wegen "Volume 3".
Entzündeten Vanda,
Young & Co.
in ihrer Heimat ein Feuer, glich ihr Trip 1966 nach London einer Flucht
in die Bedeutungslosigkeit. The Easybeats spürten zur
britischen
Musik eine stärkere Affinität als zur amerikanischen, und so
erschien der Plan, auf der Insel ihren Ruhm zu vermehren, folgerichtig,
wenngleich dass Wagestück sich als Desaster erwies. Manager Vaughan
löste
die Zusammenkunft mit dem erfolgreichen Kinks/Who-Produzenten Shel
Talmy und der United Artists ein. Resultat dieses Teamworks
stellte
das kleine feine Werk "Friday On My Mind" dar aus der Feder von Vanda/Young.
Im Herbst '66 Platz 6 in Großbritannien, Platz 16 in den
Vereinigten
Staaten, Nummer 1 in Australien, sowie ein guter Zuspruch in der
Bundesrepublik
sicherten der Gruppe Beliebtheit. Sprachen doch die Easies mit
diesem
Lied alle jungen Menschen an, wie die sich für ein schönes
Wochenende
abschuften müssen. In bester Schreib- und Spiellaune verfertigte
unser
Exportartikel unter Aufsicht Talmys das Album "Good Friday",
USA-Titel
"Friday On My Mind". Ab Frühling 1967 Katalogbereicherung bei
United
Artists und jene Platte, die die Easybeats von ihrer
wesenseigenen,
ebenso unverkrampft heiteren wie auch musikalisch einheitlichen Seite
zeigt.
Sujets von Songs wie "Pretty Girl", "Saturday Night", "Made My Bed
Gonna
Lie In It", "Who'll Be The One?" bilden die natürlichen Nacht- und
Wochenendfreuden, für die es sich lohnt zu ackern. Diese und
andere
Kompositionen bestehen aus einer zuweilen merkwürdigen Vermengung
von packenden Passagen mit recht infantilen Phrasen, was beinahe eine
Art
Stilmittel bedeutete, welches (es passt so gut) easy listening in allen
Lebenslagen ermöglicht. Gerettet wird der ganze Easy-Beat durch George
Youngs und Harry Vandas reiche Verzierungskunst. Es gibt
kein
Gitarrengedröhne, indes filigrane Ornamentik zweier sensibler
Techniker,
die es verstanden, delikat angeschlagene Klangfarben zur Geltung zu
bringen
("Remember Sam"). Insgesamt musste der Ausflug nach Europa trotz
BBC-Konzerten
und Gastspielen im Hamburger Star Club als Enttäuschung angesehen
werden, vor allem deshalb, weil die australischen Beatmusiker keinen
treffenden
Nachfolger für "Friday" fanden, der genauso trefflich hätte
rezipiert
werden können. Die Gruppe geriet in eine Identitätskrise,
deren
schlimmste Ausmaße durch eine wiederholt triumphale
Australientournee
abgewendet wurden. Schlagzeuger Gordon Fleet zog sich nach Abschluss
dieses
erschöpfenden Unterfangens zurück; sowohl Freddie
Smith als auch Tony Cahill ersetzten ihn. Ihre nicht zuletzt wegen
burlesken
Witzes untrügliche Eigenständigkeit bewies die Gruppe binnen
den Jahren 1967/68 in Ergänzung schöner Songs mit
Klassikerqualitäten:
"Heaven And Hell", "Falling Off The Edge Of The World", "Hello How Are
You?", "Land Of Make Believe" sowie "Good Times", auf dem der gute alte
Steve
Marriott im Refrain mitgrölt. 1968 erschien Album Numero 5:
"Vigil";
1969 kamen die Singles "St. Louis", "Peculiar Hole In The Sky" auf den
Markt, fehlten jedoch in den oberen Rängen der Charts.
Ausgebrannt ob fehlender Hits,
des Verlustes an
Akzeptanz und nachlassender Publikumsbegeisterung blieb den Easybeats
nach
einer nicht mehr so überwältigenden Australien-Tournee nichts
anderes übrig, als sich im Spätjahr 1969 aufzulösen; die
Langspielplatte "Friends" überreichten sie als Abschiedsgeschenk. Harry
Vanda und George Young begannen ab diesem Zeitraum mit
einer
Vielzahl heterogener Projekte. Sie schrieben weiterhin etliche Songs,
die
von Interpreten verschiedener Richtungen übernommen wurden,
eröffneten
und beschlossen bis Anfang der 1980er Jahre eine Menge unterschiedliche
Bands: Paintbox, Band Of Hope, Haffy's Whisky Sour, Marcus-Hook
Roll
Band, zuletzt Flash & The Pan (1978/79) dokumentierten
Stationen
auf ihrem noch frühen Lebensweg. Den nachhaltigsten Erfolg hatten
beide als Produzenten der heimischen Heavy Metal Band AC/DC, in
welcher zwei jüngere Brüder George Youngs,
nämlich
Malcolm und Angus Young tobten. Heutigentags fördern die Vorreiter
des Beat aus Sydney Talente in London. Sänger Stevie
Wright machte
eine Soloplatte und sang einen Part bei der Aufführung des
Musicals
"Jesus Christ Superstar" in Australien. Um zum Schluss zu kommen:
1986/87
sprangen die Easybeats in Originalbesetzung wieder auf den
fahrenden
Zug und legten eine Tournee hin, welche die Band in vertrauter
Spielgemeinschaft
überraschend gut aussehen ließ, was auf die "very good
chemistry" (Harry
Vanda) zurückzuführen war, die es den Musikern von
Anbeginn
so leicht machte.
B. Böttcher, 01/2005
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