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The Hound
Dogs
Beatmusik aus Deutschland -
das wirkte Mitte der
Sechziger possierlich und teils allzu bemüht. Galt es doch im Land
von Goethe, Schiller und Hegel den Anschluss nicht zu verpassen an die
aus den USA und Großbritannien heftig anschwellenden,
subkulturellen
Strömungen, die nun auch in der BRD ästhetische wie
moralische
Dämme einbrachen. Im Nachkriegsdeutschland wurden
äußerliche
Merkmale der angloamerikanischen Hemisphäre für Kino- und
Fernsehproduktionen
bereitwillig übernommen. Elvis Presley und Bill Haley
brachten
der unter der Ägide Konrad Adenauers gereiften Jugend den
Rock'n'Roll,
welcher anstößig war und sexuelle wie rebellische Triebe
entfesselte.
Als King Elvis 1958-60 beim US-Militär in Germany diente
und
von der Showbühne verschwand, schien es, so das eruptive Moment
der
neuartigen Musik gegen Ende der 1950er Jahre erlahmte, als hätten
die Kräfte der Restauration gesiegt. Allein, das war nur die Ruhe
vor dem wirklichen Sturm, der Mitte der 1960er Jahre über das
Ancien
régime vom Rhein hereinbrach und zu grundlegenden
gesellschaftlichen
Veränderungen führte, von denen schließlich die
nachfolgenden
Generationen bis zum heutigen Tage profitieren. Die Rockgruppen - oder
'Beatkapellen' - der damaligen Zeit erfüllten den Job, Teenagern
endgültig
das altertümliche Wandervogel-Gepräge auszutreiben und dem
sich
am bundesdeutschen Wirtschaftswunder der späten Phase erfreuendem
Bürgertum den Wind tüchtig ins Antlitz zu pusten, biedere
Fassaden
und hastig gezimmerte Kulissen anzuzweifeln und umzustürzen.
"Wohlstand für Alle"
(Ludwig Erhard) ermöglichte
auch die Anschaffung von Musikinstrumenten und Verstärkeranlagen
für
Bands in Berlin. In der geteilten Stadt nahmen kulturelle
Phänomene,
gesellschaftliche Trends früher Gestalt an, als in vergleichbaren
Großstädten Westdeutschlands. Im Spree-Athen entwickelte
sich
in der ersten Hälfte der sechziger Jahre mit den Lords, den
Rainbows,
den Gloomys, Drafi Deutscher, Didi & His ABC-Boys,
den Rebel
Guys, Boots, Hound Dogs eine eigenständige
lokale
Beatszene, die in einem solchen (halb)professionellen Ausmaß
sonst
nur in der Hansestadt Hamburg aufkeimen konnte, und da auf Grund der
geographischen
Nähe zu den Britischen Inseln vor allem vermöge sowohl
englischer
als auch amerikanischer Künstler. Innerhalb der Mauern der
märkischen
Metropole war es Gitarrist Danny Wall, welcher seine Stadt mit
Beatmusik
durchsetzen wollte und 1963 mit Peter Kind (g), Dieter Jankowiak (b),
Walter
Hunn (dr), Ulli Grün (voc) die erste Formation der Hound Dogs (Song
von Leiber/Stoller) ins Leben rief. 1964 tauschten die
Sänger:
Ulli Grün ging zu den Holly's, Werner Krabbe kam zu den Hound
Dogs. Mit Krabbe begann die große Zeit der Gruppe, die sich
mit
ungeschliffenem Rhythm&Blues und Rock'n'Roll an die Spitze der
preußischen
Bands spielte. Im Sportcasino Tiefwerder Berlin-Spandau boten die
Musikanten
"Rhythmus und Blues mit schulterlangen Haaren"; im Seeschloß
Berlin-Hermsdorf
luden sie zur Silvesterparty, wofür der "Personal-Ausweis
erforderlich"
war, allerdings "keine erhöhten Preise!" (Plakattexte) zu
entrichten
waren. Sogar bis nach Norwegen dehnten sie ihren Tourneeradius
aus.
Frühjahr 1965 wechselte
Vokalist Krabbe zu
den berlinischen Konkurrenten The Boots, und The
Hound
Dogs engagierten Sängerwettbewerbssieger Eckhard 'Anthony'
Kühn
sowie als neuen Schlagwerker Rudolf Jappe. Ende des Jahres nahm die
umschwärmte
Livekapelle ihre erste 45er-Platte auf: "Gloria" von Van Morrison
&
Them hatte sie als Seite A-Titel ausgesucht, wobei ein Vergleich
mit
der Version der Boots (1966) beachtliche
Aufschlüsse
gibt. Berliner Musikliebende kauften gerne diese kleine Platte, der
1966
eine zweite folgte - "Shake" von Sam Cooke - wie auch ein
komplettes
Album, das jedoch ein Ladenhüter blieb, indessen heutzutage, in
Berliner
Luft konserviert, gut 500 DM/€ fürs Vinyl wert ist. Im
Verlauf dieses Jahres - nun mit Drummer Michael Hauke - absolvierten
die Hound
Dogs so manche Tournee durch Westdeutschland (Hamburger Star Club)
und wiederholt Norwegen. August '66 zeigte sie als Anheizer für The
Who im Berliner Sportpalast, wo sie den totalen Beat spielten und
dabei
zusahen, wie Pete Townshend Gitarren zertrümmerte.
Spätsommer
'67 war eine Zäsur für die Westberliner Musiker, da sie sich
gewiss infolge von finanziellen Schwierigkeiten trennen mussten. Mehr
gewagte
Demokratie in der nunmehr 20 Jahre jungen Bundesrepublik hatte
außerdem
zur Folge, dass Bundeskanzler Willy Brandt 1970 den Kanzlerbungalow
für
fröhliche Feste mit der Bevölkerung öffnete. Ohne die
Auswirkungen
der Beatkultur wäre das vielleicht nicht möglich gewesen...
Wie es heißt, sind die Hound
Dogs eine
publikumsnahe, ehrlich arbeitende "'volkstümliche' Band für
Arbeiter
und andere Normalos" (Hans-Jürgen Günther) gewesen, "die auf
Tanzbarkeit achtete" (H.-J. Günther) wie auch dem Biergenuss mit
Fans
nie abhold war. Die Lieblingsgruppe der Werktätigen war der
"personifizierte
Beat" (H.-J. Günther) einer Inselstadt, die
kapitalistisch-hedonistische
Verhaltensmuster dringend benötigte, um nicht vom sie umringenden
Sozialismus verschluckt zu werden. Tragisch: Eckhard 'Anthony'
Kühn
kam bereits 1971 ums Leben, Walter Hunn verschied 1975, Dieter
Jankowiak
ereilte 1987 der Tod. Peter Kind ist als Überlebender Unternehmer
in Berlin; allein Gitarrist Danny Wall blieb der Musik treu: In den
Siebzigern
mit seiner Combo Jukebox, in den Achtzigern mit Beatband (einschl.
Werner Krabbe), in den Neunzigern mit den Roadrunners. Hound Dogs-Spezialdiskothek:
"P1", Berlin-Spandau, Wilhelmstr. 21, Chef dort: Peter Kind.
B. Böttcher, 09/01
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