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Kurzvita

Veröffentlichungen

Promotionsvorhaben - Projektskizze

Grundbildung Medien in der ersten Phase der Grundschullehrerbildung

Eine qualitative, mehrperspektivische Studie als Beitrag für die Gestaltung eines medienpädagogischen Kerncurriculums (Arbeitstitel)

 

Ausgangspunkt der Arbeit ist die Forderung, "die inhaltlichen Dimensionen einer Grundbildung Medien in pädagogischen Studiengängen weiter zu konturieren" (Imort & Niesyto 2014, S. 25). Für diese Konturierung wird die Konzeptentwicklung für ein Kerncurriculum Grundbildung Medien vorgeschlagen, mit dem es gelingt, "die Eigenständigkeit der positiven und vielversprechenden fachspezifischen Argumentationslinien und Modelle zu bewahren und dennoch zu einem tragfähigen Gesamtkonzept einer verbindlichen Grundbildung Medien in den Lehramtstudiengängen zu kommen". (ebd., S. 36) Damit stellt sich zunächst die Frage, was in den vorhandenen Argumentationslinien und Modellen bzgl. der Annahme, was Grundschullehramtsstudierende über Medien bzw. Medienbildung in der Grundschule lernen sollten, zum Ausdruck gebracht wird. Zur Bearbeitung dieser Frage wurden in den vergangenen Semestern an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg problemzentrierte Interviews mit Dozierenden aus der Medienpädagogik geführt, aber auch mit Dozierenden, die medienbezogene Angebote in den Fächern ausbringen sowie Gruppendiskussionen und Interviews mit Studierenden, die diese Angebote wahrnehmen. Zusätzlich werden Experteninterviews mit Hochschullehrenden bzw. Erziehungswissenschaftlern anderer Hochschulen geführt, die in ihrer Forschung und Lehre einen medienpädagogischen Schwerpunkt setzen.

 

Digitale Bildung

Um die Bedeutung der erhobenen Daten für die Entwicklung eines Curriculums in der Grundschullehrerbildung zu klären und Empfehlungen für die weitere Fachdiskussion ausarbeiten zu können, sind curriculumstheoretische Überlegungen, aber auch aktuelle Entwicklungen in den Blick zu nehmen. So hat sich im Laufe des Dissertationsvorhabens sowohl in der öffentlichen Debatte als auch in der Fachdebatte zunehmend der Begriff der Digitalen Bildung etabliert. Auch an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg wurde in diesem Jahr ein Drittmittelprojekt mit dem Titel Digitales Lernen begonnen. Die vermehrte Verwendung dieses Begriffs hat möglicherweise ein sich wandelndes Verständnis von Begriffen wie Medienbildung, Medienerziehung oder Medienkompetenz zur Folge, womit zunehmend die Frage in den Blick gerät, ob sich die Wahrnehmung des Untersuchungsgegenstands in einem Umbruch befindet. Damit steht vor der Frage danach, was die an der Gestaltung von Lehre beteiligten Akteure meinen, was gelernt werden soll, die Frage danach, von welchen Vorstellungen bzw. Verständnissen von Medienbildung, Medienerziehung oder auch Medien im Kontext von Grundschule die Akteure ausgehen.

 

Handlungsleitende Orientierungen

Entsprechend stehen zunächst weniger Hinweise, die Proband_innen auf konkrete Inhalte für ein medienpädagogisches Curriculum für die Grundschullehrerbildung geben, im Zentrum der Arbeit, sondern vielmehr Orientierungen und Konzepte, die für die jeweiligen Akteure aktuell handlungsleitend sind. Dabei geht es nicht um subjektive Theorien, um rein kognitiv zu fassende Motive, die ein Handelnder explizit mit seinen Handlungen verbindet, sondern vielmehr um den Habitus als Ausdruck einer Kultur, die die Akteure im Kontext der Grundschullehrerbildung teilen. Diese Kultur lässt sich als Handlungsdispositiv fassen,  mit dem – in diesem Fall – Studierende und Dozierende „gewusst oder ungewusst, ihre Wirklichkeit konstruieren und ihre Praxis organisieren. Des Weiteren ist sie nicht im Kopf jedes Handelnden zu vermuten, sondern sie ist vielmehr eingeschrieben in den organisatorischen Kontext, in welchem typischerweise gehandelt wird. Durch Tradierung kommt es hier zu approbierten Lösungen, die in einer langwierigen kollektiven Praxis zu eben jenen erwähnten Mustern entwickelt und als Routinen angeeignet werden.“ (Dewe 2004, S. 240)

 

Curriculum Studies

Im Sinne der Curriculum Studies (vgl. Popkewitz 2001) wird angenommen, dass sich Vorschläge für Curricula und damit für das, was und wie gelernt werden soll, nicht ohne Weiteres auf ein zunehmendes, aufeinander aufbauendes Wissen zurückführen lassen, sondern sich Konzepte und Kategorien, mit denen wir Phänomene beschreiben und fassen, vielmehr entsprechend sich wandelnder Interessen und Annahmen verändern, und ausgehend von diesen Konzepten und Kategorien Lerninhalte postuliert bzw. Curricula ausgearbeitet werden. So schreibt Popkewitz: „Our principles for classifying and ‚reasoning‘ about school knowledge construct how the objects of study are constituted in time and space. This construction embodies accepted strategies for organizing questions, and the concepts (implicit or explicit) that shape and fashion how empirical data are managed and ordered as objects of inquiry. Research embodies dispositions towards what is to be looked at and how that looking is to conceive of the ‘things’ of the world.” (ebd. 2001, S. 155f.) Und: „Curricula are historical formed within systems of ideas that inscribe styles of reasoning, standards, and conceptional distinctions in school practices and its subjects. Further, the systems of reasoning embodied in schooling are the effects of power. That power is in the manner in which categories and distinctions of curriculum shape and fashion interpretation and action.“

 

Doing Media Education

In einem Curriculum bzw. in Ideen für ein Curriculum spiegeln sich also Annahmen und Konzepte über einzelne für Lernen, Entwicklung, Bildung o.ä. als relevant erachtete Inhalte. Diese Annahmen sind in historischen und kulturellen Kontexten zu betrachten bzw. zu reflektieren, um Begründungszusammenhänge dieser Annahmen herausarbeiten zu können und damit fassen zu können, ob mit den Annahmen das in den Blick genommen werden kann, was in den Blick genommen werden soll. Popkewitz erklärt hierzu mit Verweis auf Butler: „The possibility of action is found in questioning the givenness of the subject through exploring its hisotrical constructedness. The subject is made into a dimension of the questionable and of ‘insistent contest and resignification’ (Butler 1992), not as a foundation of research that is taken as the unquestionable. Construction histories about how our subjectivities are formed (making the agendas and categories of the subject problematic) can provide the potential space for alternative acts and alternative intentions that are articulated through the available common senses.”

Es ist nach Popkewitz also möglich etwas bewusst zu ändern und bewusste Entscheidungen über Inhalte für ein Curriculum zu fällen, wenn ich Konstruktionen, Konzepte und Kategorien reflektierte – im Kontext dieser Arbeit sind das u.a. Konzepte und Kategorien von Medien, Medienbildung, Medienkompetenz, Medienkritik, Kind und Medien sowie vom Umgang mit Medien im Kontext von Grundschule.

Sind Konstruktionen, Konzepte und Kategorien in kulturelle Praxis eingeschrieben, lassen sie sich nicht ohne weiteres explizieren (vgl. Popkewitz 2001). Entsprechend wird sich den in den Interviews von den jeweiligen Akteuren formulierten Ideen und Vorstellungen für Curricula bzw. der Gestaltung von Lehre gefasstem, Regeln und Standards zugrundeliegendem, konstruiertem Wissen mit der Analyse kultureller Praxis angenähert. Im Rahmen meiner Arbeit soll dies mit der Rekonstruktion kultureller Praxis gelingen, die eine Auswertung der geführten Interviews und Gruppendiskussionen mit Hilfe der dokumentarischen Methode erfordert.

Arbeit am Habitus

Mit Blick auf die von mir bereits mit Studierenden geführten problemzentrierten Interviews und Gruppendiskussionen zeigt sich, dass die Konstruktionen von Medien, Medienbildung sowie vom Umgang mit Medien von Kindern bzw. im Kontext von Grundschule von Argumentationsfiguren geprägt sind, die sich nicht allein mit einer bewahrpädagogischen Haltung gegenüber Medien erklären lassen, sondern hier auch Konstruktionen von Kindheit, Kind, Lernen und Schule Bedeutung haben. Damit wäre der von Kommer (vgl. 2010) herausgearbeitete mediale Habitus und seine Bedeutung für die Medienbildung sowohl im Lehramtsstudium als auch im Kontext von Grundschule möglicherweise zu erweitern oder zusätzlich zu verorten, um die von Kommer mit Verweis auf Holzbrecher (vgl. 2006) gelieferte Grundlage für eine Arbeit am Habitus zu erweitern.

 

 

 

Forschungsdesign

 

 

Literatur

Dewe, B. (2004). Handlung – Wissen: handlungssteuerndes Wissen oder einfach Können? In: Report (27) 1/2004. S. 236-241.

Holzbrecher, A. (2006). Schüleraktivitäten und Lehrerprofessionalität als Arbeit am Habitus. In: Rihm, T. (Hrsg.). Schulentwicklung. Vom Subjektstandpunkt ausgehen … Wiesbaden: Springer VS. S. 123-132.

Imort, P. & H. Niesyto (2014). Grundbildung Medien in pädagogischen Studiengängen. Ansätze und Entwicklungsperspektiven. In: Imort, P. & H. Niesyto (Hrsg.). Grundbildung Medien in pädagogischen Studiengängen. München: kopaed. S.9-49.

Kommer, S. (2010). Kompetenter Medienumgang? Opladen & Farmington Hills: Budrich Uni PressLtd.

Popkewitz, T. S. (2001). The Production of Reason and Power: Curriculum History and Intellectual Traditions. In: Popkewitz, T. S., B. M. Franklin, M. A. Pereyra (Hrsg.). Cultural History and Education. Critical Essays on Knowledge and Schooling. New York und London: RoutledgeFalmer. S. 151-183.

Stand: Janauar 2017

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