DE  |  EN

Die Wortbühne ist ein Ensemble der PH Ludwigsburg, das im Rahmen von Lehrveranstaltungen literarisch-musikalische Bühnenprogramme entwickelt und am Semesterende präsentiert. Die Ursprünge der Gruppe gehen bereits auf die 80er Jahre zurück, als das "Podiumtheater" mit zahlreichen Programmen das Literatur-Café bespielte. Nach längerem "Dornröschenschlaf" haben Johannes Weigle und Michael Gans die Wortbühne seit dem Sommersemester 2016 wieder wachgeküsst...

"Jeder Bau groß und grau..."

"Maultascha mit Spätzle!"

"In einer Stadt voller Affen..."

"Die eine schaffe was und die andere ned..."

"Geh'n ma Tauben vergiften im Park!"

"Die Weltstadt ebbt..." - Sommersemester 2018

Die Großstadt ist ein Phänomen der Moderne: Mit dem Fortschreiten der Industrialisierung und der Konzentration der Produktion in zentralen Städten wuchsen diese im Laufe des 19. Jahrhunderts immer weiter an. Dabei änderte sich das Gesicht der Städte ebenso wie das Leben der Menschen, die sich auf der Suche nach Arbeit in immer größeren Scharen dort niederließen. Der urbane Raum ließ den Einzelnen in der Masse untergehen und ermöglichte, ja erforderte neue Formen des Zusammenlebens, der Kultur und der Kommunikation. Unterschiedlichste Literaturströumgen wie der Naturalismus, der Expressionismus, die Neue Sachlichkeit beschäftigten sich mit dem Thema in Großstadtlyrik. »Die Weltstadt ebbt…« - eine Revue mit Texten vieler Autorinnen und Autoren, musikalischem Arrangement und Experimenten. Eine zweite Aufführung wird im Rahmen der Literaturtage Baden-Württemberg am Sonntag, den 14.10. im Kulturzentrum der Stadt Ludwigsburg stattfinden.

 

My favorite Park

gleich hinter Hektik
Betonquadraten eckigem
denken, geordnetem Selbstzweck
gleich um die Ecke – der Park

geradewegs zur Ruhe kommen
sitzen, hören, sehen
Ringelnatzrehe auf sonniger
Blumenwiese die alten
Alleebäume blättern
in meinen Gedanken

Vorbeistöckelnd hauteng
umschlungen – Paarungszeit
Andere schlurfen cool
hinter Sonnenbrillen
hechelt nordisch gehend
vorüber ein Zahn der Zeit

Nestbauer pfeifen auf den
Frühling, picken im Schatten
Bei denen piepst wohl!

Michael Gans (2005)

Mitwirkende:

Gruppe A: Alexandra Herger, Anja Lederer, Christina Ramirez, Hannah Reber, Jessica Shabi, Lukas Keller, Melanie Patzke, Nina Knoll, Silja Seeger, Viktoria Lukjanow

Gruppe B: Britta Horwath, Ella Schneider, Franziska Lang, Helena Rehm, Jessica Börsig, Johanna Füller, Julius Ferstl, Ju-lia Tedesco, Karen Steiner, Laura Schuh, Leonie Friedel, Marie Schüssele, Max Porrmann, Nadja Göhler

Gruppe C: Angelina Visconti, Britta Petersen, Caterina Irrera, Eli-sabeth Koch, Gloria Driemer, Jael Seitz, Leonie Meyer, Lilly Sophie Kurz, Lorena Picone, Mouna El Kassimi, Patrick Haas

Musikalische Leitung: Johannes Weigle

Regie. Michael Gans

Fotos: Maria Tuychieva

"Landschaft die mich / erfand..."

"Sie kamen mit giftblauem Feuer"

"Warten / auf den Bus"

"Wirf deine Angst / in die Luft"

"Im Atemhaus wohnen..." - Wintersemester 2017/2018

Rose Ausländer (1901-1988) ist eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie wuchs in einem weltoffenen, liberal-jüdischen Elternhaus auf. Nach dem Tod des Vaters 1921 musste sie ihr  Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Czernowitz abbrechen und in die USA auswandern. Dort publizierte sie ihre ersten Gedichte. Ihr erster Gedichtband »Der Regenbogen« erschien 1939 in Czernowitz.1941 bis 1944 hielten die Nazis die Stadt besetzt. Rose Ausländer gelang es, im Ghetto zu überleben. Sie musste Zwangsarbeit leisten und versteckte sich zeitweise in einem Keller. 1946 übersiedelte sie nach New York, wo sie Gedichte in deutscher und englischer Sprache veröffentlichte. Das erste Buch nach dem Krieg »Blinder Sommer« erschien 1965 in Wien. Rose Ausländer übersiedelte 1965 in die Bundesrepublik, reiste viel und lebte von 1970 bis 1988 im Nelly-Sachs-Haus, dem Altenheim der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf.
»Im Atemhaus wohnen…« war ein Inszenierungsprojekt der "Wortbühne" (M. Gans) der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg in Kooperation mit der Veranstaltung "Klangwerkstatt für die Wortbühne" (J. Weigle) anlässlich des 30. Todestages von Rose Ausländer am 3. Januar 1988. Übrigens befindet sich der literarische Nachlass von Rose Ausländer in Kopie zur wissenschaftlichen Bearbeitung in der "Forschungsstelle Nachlass Rose Ausländer" an der PH Ludwigsburg und wird derzeit digitalisiert.

Mitwirkende: Nina Wik, Anja Lederer, Katibe Özdakak, Hannah Reber, Miriam Wahler, Clara Grabowski, Anna Dammer, Silja Seeger, Neitah Erin Holl, Tanja Huber, Scheish Alhamid

Musikalische Leitung: Johannes Weigle

Regie: Michael Gans

"Warum sind denn die Rosen so blaß...?"

"Wir weben und weben...!"

Hannah Reber, Friederike Vollmer, Sera Westphal

"Denk ich an Deutschland..." Sommersemester 2017

Heinrich Heine (1797-1856) war einer der bedeutendsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten des 19. Jahrhunderts. Er machte die Alltagssprache lyrikfähig, erhob das Feuilleton und den Reisebericht zur Kunstform und verlieh der deutschen Literatur eine zuvor nicht gekannte elegante Leichtigkeit. Die Werke kaum eines anderen Dichters deutscher Sprache wurden bis heute so häufig übersetzt und vertont. Als kriti-scher, politisch engagierter Journalist, Essayist, Satiriker und Polemiker war Heine ebenso bewundert wie gefürchtet. Wegen seiner jüdischen Herkunft und seiner politischen Haltung wurde er von Antisemiten und Nationalisten über seinen Tod hinaus angefeindet. Die Außenseiterrolle prägte sein Leben, sein Werk und dessen Rezeptionsgeschichte.

»Denk ich an Deutschland…« war ein Inszenierungsprojekt der Wortbühne (M. Gans) der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg in Kooperation mit der Veranstaltung Klangwerkstatt für die Wortbühne (J. Weigle).

Mitwirkende: Friederike Vollmer, Martha Braun, Hannah Reber, Sera Westphal, Clara Grabowski, Hannah Lorenz, Christiane Streng, Eva Jaeger, Karin Häußler

Musikalische Leitung: Johannes Weigle

Regie: Michael Gans

Quelle: wikimedia.org (public domain)

"DADA-LUBU" - Wintersemester 2016/2017

DADA wurde vor 100 Jahren von Hugo Ball, Hans Arp und anderen in Zürich gegründet – eine Revolte gegen die Kunst, gegen die Gesellschaft und ihr Wertesystem. Der Begriff Dada(ismus) steht im Sinne der Künstler für totalen Zweifel an allem, absoluten Individualismus und die Zerstörung von gefestigten Idealen und Normen. Man ersetzte die durch Disziplin und die gesellschaftli-che Moral bestimmten künstlerischen Verfahren durch einfache, willkürliche, meist zufallsgesteuerte Aktionen in Bild und Wort.

Zum Jubiläum hat die Wortbühne der PH Ludwigsburg ein Programm mit eigenen Akzenten und Aktionen erarbeitet: »DADA-LUBU« – eine Performance-Revue mit vorhandenen und eigenen Texten, musikalischem Arrangement und Experimenten, so absurd und grotesk wie die Gegenwart, die erstaunliche Parallelen zur DADA-Gründungszeit aufweist.

Mitwirkende: Charlotte Schneider, Franziska Kienle, Hannah Lorenz, Hannah Bach, Karin Häußler, Maike Steeb, Miriam Wahler, Pascal Grupe

Musikalische Leitung: Johannes Weigle

Regie: Michael Gans

"Wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis"

"Wir schälen die Zeit aus den Nüssen"

"Ich habe Gisèle alles gesagt"

Die "Gruppe 47"

Bernd und Karin bei den Proben

Johannes und Karin auf der Suche nach Tönen...

Fotos: Marie-Christine Fregin

"Herzzeit" - Sommersemester 2016

Es muss Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. »Der surrealistische Lyriker Paul Celan« habe sich »herrlicherweise« in sie verliebt, schreibt Ingeborg Bachmann am 20. Mai 1948 ihren Eltern. Ihr Zimmer sei ein »Mohnfeld«, denn er würde sie »mit dieser Blumensorte überschütten«.

CORONA

Aus der Hand frißt der Herbst mir sein Blatt: wir sind Freunde.
Wir schälen die Zeit aus den Nüssen und lehren sie gehn:
die Zeit kehrt zurück in die Schale.

Im Spiegel ist Sonntag,
im Traum wird geschlafen,
der Mund redet wahr.

Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:
wir sehen uns an,
wir sagen uns Dunkles,
wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis,
wir schlafen wie Wein in den Muscheln,
wie das Meer im Blutstrahl des Mondes.

Wir stehen umschlungen im Fenster, sie sehen uns zu von der Straße: es ist Zeit, daß man weiß!
Es ist Zeit, daß der Stein sich zu blühen bequemt,
daß der Unrast ein Herz schlägt.
(Paul Celan)

Drei Tage später widmet Celan ihr zu ihrem 22. Geburtstag sein Gedicht "In Ägypten", das diesen Briefwechsel eröffnet und das die Geliebte als die Fremde feiert, die der Geliebte freilich nur mit dem Schmerz um die ermordeten Geliebten zu schmücken vermag: »Du sollst die Fremde neben dir am schönsten schmücken. / Du sollst sie schmücken mit dem Schmerz um Ruth, um Mirjam und Noemie.«. Ende Juni geht Celan nach Paris. Ihr Briefwechsel nach der Trennung ist zuerst schütter, verläuft zögernd, dann setzt er sich fort in immer neuen dramatischen Phasen. Jede dieser Phasen hat ihr eigenes Gesicht: ihren besonderen Ton, ihre Themen, ihre Hoffnungen, ihre Dynamik, ihre eigene Form des Schweigens.

Dunkles zu sagen

Wie Orpheus spiel ich
auf den Saiten des Lebens den Tod
und in die Schönheit der Erde
und deiner Augen, die den Himmel verwalten,
weiß ich nur Dunkles zu sagen.

Vergiß nicht, daß auch du, plötzlich,
an jenem Morgen, als dein Lager
noch naß war von Tau und die Nelke
an deinem Herzen schlief,
den dunklen Fluß sahst,
der an dir vorbeizog.

Die Saite des Schweigens
gespannt auf die Welle von Blut,
griff ich dein tönendes Herz.
Verwandelt ward deine Locke
ins Schattenhaar der Nacht,
der Finsternis schwarze Flocken
beschneiten dein Antlitz.

Und ich gehör dir nicht zu.
Beide klagen wir nun.

Aber wie Orpheus weiß ich
auf der Seite des Todes das Leben
und mir blaut
dein für immer geschlossenes Aug.
(Ingeborg Bachmann)

Ingeborg Bachmann hat in einer der Albtraum-Sequenzen ihres Romans "Malina", in der sie in der Figur des Fremden mit dem schwarzen Mantel Paul Celan heraufbeschwört, ihr eigenes Liebesschicksal in Verbindung gebracht mit Celans: »Mein Leben ist zu Ende, denn er ist auf dem Transport im Fluß ertrunken, er war mein Leben. Ich habe ihn mehr geliebt als mein Leben.« Neben der Briefkorrespondenz gibt es zahlreiche Gedichte, die sie sich widmen und aufeinander lyrisch Bezug nehmen.

Mitwirkende: Bernd Giersdorf, Lea Trautwein, Anette Wieser, Paula Disselkamp, Svenja Kreczmarsky, Ralf Hocke, Karin Häußler, Angela Jansen, Maike Steeb
Musikalische Leitung: Johannes Weigle
Regie: Michael Gans

LITERATUR-CAFÉ 
SUCHE
Wortbühne
Startseite   Download Zentrum  Sitemap  KontaktLogin

DruckansichtDruckansicht