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Erwägungsorientierte Lehre: Forschendes Studieren und forschende Lehre

Bettina Blanck

 


1. Erwägungsorientierung als Ausgang

Das philosophische Konzept einer Erwägungsorientierung ist nicht nur leitende Idee von Forschungen, sondern auch grundlegend für die Gestaltung von Lern- und Lehrprozessen. Die drei Kernmerkmale des Konzeptes einer Er-wägungsorientierung sind erstens die Erwägungs-Geltungsbedingung, nach der die zu jeweiligen Fragestellungen problemadäquat zu erwägenden Lösungsmöglichkeiten als eine Geltungsbedingung für die Güte von jeweiligen (vorläufigen) Lösungen betrachtet werden, zweitens ein Engagement und Interesse an der Verbesserung von jeweiligen Erwägungen und Lösungen sowie drittens der reflexiv-iterative Umgang mit diesen beiden Merkmalen. Die drei Merkmale einer Erwägungsorientierung haben Konsequenzen für die Gestaltung von Lern- und Lehrprozessen, angefangen von der Aufbereitung jeweiligen Wissens, über die Entwicklung von Materialien und Methoden bis hin zu einer anderen Misslingenskultur und spezifischen Weisen der Evaluation.

2. Zielsetzung erwägungsorientierter Lehre

Unabhängig davon, ob es sich nun um studierendenzentrierte Seminare mit vielen oder um Vorlesungen mit eingeschränkteren Mitbestimmungsmöglichkeiten handelt, geht es dabei in allen Lern- und Lehrsituationen darum, dass die Studierenden herausgefordert werden, sich jeweilige Konzepte in Auseinandersetzung mit zu erwägenden Alternativen zu erarbeiten und eigene Positionen und Lösungsvorlieben gegenüber diesen erwogenen Lösungsmöglichkeiten begründen zu können. Hierzu gehört auch, dass man zunehmend fähiger wird, reflexiv verschiedene Niveaus des Erwägens und Begründens zu unterscheiden und einzuschätzen. Da man nicht alles erwägen kann, ist diese reflexive Kompetenz gerade auch mit Blick auf einen Beruf als Lehrerin bzw. Lehrer wesentlich, um mit der Herausforderung von notwendigen Vorgaben einerseits und Freiräumen für Entscheidungen andererseits so umzugehen, dass trotz der Notwendigkeit, viele Konzepte übernehmen zu müssen, eine forschende Haltung gefördert wird. Sowohl bei Grundschulkindern als auch Studierenden soll dabei die Einsicht gefördert werden, dass die bloße Übernahme von Konzepten in bestimmten Bereichen Entlastungen und damit Freiräume für Kreativität und forschendes Lernen bzw. forschendes Studierenden in anderen Bereichen schaffen kann. Dass dies nicht ausschließt, ggf. auch die einfach übernommenen Konzepte kritisch auf Alternativen hin zu prüfen, gehört zum reflexiven Wissen um jeweilige Grenzen des Erwägens und jeweiliges Nicht-Wissen.

3. Leitende Ideen zur Gestaltung erwägungsorientierten forschenden Studierens und Lehrens

Wie lässt sich die skizzierte Zielsetzung realisieren? Im Verlaufe der bisherigen Lehrerfahrungen an Universitäten haben sich folgende leitende Ideen als hilfreich herauskristallisiert, um eine forschungsorientierte Haltung der Studierenden zu fördern:

 



Erwägungsorientierte Lehre im beschriebenen Sinne ermöglicht ein forschendes Studieren und eine forschungsorientierte Lehre, bei der sich aus der Praxis des Seminars immer wieder auch neue Forschungsfragen stellen. Lehre belebt hier Forschung, was wiederum der Lehre zu Gute kommt. Dies betrifft insbesondere Fragen der methodischen Aufbereitung von jeweiligem Wissen, bei der die Erwägungs-Geltungsbedingung beachtet wird.

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