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17. Open Air PH Poetry Slam vor dem Lit-Café im Sommer 2013

WAS HEISST SLAM POETRY?


Slemma und slämma ist ein ursprünglich norwegisches bzw. schwedisches Verb, das lautmalerisch das Zuknallen einer Tür bedeutet. Das Substantiv slam wird im Englischen später für den Stich im Kartenspiel verwendet. Im Tennis avancierte slam zu grand slam, um ein Großturnier zu bezeichnen. Ebenso gelten heute starke Cocktails als slammer, was soviel heißt wie to slam some beers (sich mit Bier zuknallen). In Amerika ist ein slammer ein Gefangener, hinter dem die Zellentür zugefallen ist. Seit 1984 notieren Wörterbücher slam als Wettbewerbsform. In dieser Form wurde es von den Veranstaltern der literarischen Wettkämpfe gebraucht, es meint sowohl die literarische Bewegung als auch die publikumsbezogene Form.

Slam (engl.) = »kräftiger Hieb«, »einen Treffer verpassen« oder »dem Gegner eine Niederlage beibringen«. > Slam Poetry ~ »Heftige Dichtung«

ALLGEMEINE REGELN DES POETRY SLAM


Alexander Willrich und Hanz beim Poetry Slam an der PH im Frühjahr 2014

ZU BEGINN – BESUCH EINES POETRY SLAM


Am Anfang des Slam-Poetry-Projekts steht der Besuch eines Dichterwettstreits: Mindestens einmal im Semester steigt der PH Poetry Slam im Lit-Café. Ansonsten gibt es zahlreiche Slams in der näheren Umgebung, z.B. der Poetry Slam in Stuttgart im Kellerklub oder in der Rosenau. Weitere Infos zu Slams in Deutschland unter www.myslam.de.

Der Besuch eines Slams soll inspirieren und motivieren, sich selbst schreibend zu erproben. Die qualitative Bandbreite der Beiträge zeigt, dass auch bei Slam Poetry kein Meister vom Himmel fällt. Gute Texte brauchen Zeit und Erfahrung, zündende Ideen und literarisches Handwerk zu ihrer Kultivierung.Eine gute Performance muss durch Stimme und Körperpräsenz auf der Bühne ihr Publikum erreichen. Los geht’s!

Dichterwettkämpfe selbst gehen auf die griechische Antike zurück. In musischen ›Agonen‹ konkurrierten Dichter seit 700 v. Chr. um die besten Hymnenvorträge. Die Künstler schlossen sich später zu Gilden zusammen und zogen von Wettkampf zu Wettkampf, ehe der römische Kaiser Domitian 86 n. Chr. einen Lorbeerkranz für den Poesie- und Rhetorikwettstreit stiftete. Der griechische Philosoph Aristoteles (384-322 v. Chr.) entwickelte in der Antike als erster eine systematische Darstellung der Redekunst (Rhetorik), als ›Kunst zu überzeugen‹. In fünf Schritten sollte eine Idee zum überzeugenden Vortrag gebracht werden (vgl. Ueding 2000). Diese fünf Schritte können auch für ein schulisches Slam-Projekt leitend sein, wie es hier vorgestellt werden soll.
 

ERFINDEN


Hier findest du einige Vorschläge die dir helfen sollen, auf eine zündende Idee für deinen Text zu kommen. Dafür brauchst du nur etwas zu Schreiben (Blätter; Notizheft oder ein kleines leeres Buch und einen Stift, mit dem du gerne schreibst).

GLIEDERN


Gedicht

  • Nicht jedes Gedicht muss sich reimen, muss in Verse und Strophen unterteilt sein oder einem bestimmten Sprechrhythmus unterliegen. Du kannst auch in freien Versen schreiben.
  • Du kannst dein Gedicht lautmalerisch ausgestalten: Z.B. wählst du für einen düsteren Inhalt Worte mit dunklen Vokalen aus.
  • Konstruiere neue Wörter: füge sie aus bekannten zusammen, kreiere neue Sprachbilder, die dein wesentliches Anliegen anschaulich machen bzw. auf den Punkt bringen.
  • Wichtige Aussagen deines Gedichtes kannst du zum Refrain ausbauen und mehrmals an geeigneten Stellen (regelmäßig) wiederholen.

Geschichte

Bei Prosatexten solltest du zunächst einen Plot entwickeln, also eine logische Abfolge der Handlung zu einem bestimmten Ende hin. Schon bei Aristoteles sollte ein Plot Anfang, Mitte und Ende haben. Hilfreich für eine Grobgliederung können einfache Fragen an die Erzählung sein:

  • Wer hat etwas getan, erlitten oder erlebt?
  • Was hat er getan?
  • Wann hat er es getan?
  • Wo hat er es getan?
  • Wie hat er es getan?
  • Warum hat er es getan?

 

Erzählungen für die Slam-Bühne sind für den mündlichen Vortrag gedacht. Das erfordert relative Kürze, einprägsame Strukturen, überraschende Wendungen und Effekte. Es kann für deine ›erzählende Rede‹ hilfreich sein, wenn du dich an bewährten Textmustern orientierst:

  • Märchen arbeiten mit Wiederholungen, häufig mit einer 3-schrittigen Struktur, mit Formeln und dem unmittelbaren Nebeneinander von phantastischen und ›realen‹ Inhalten.
  • In Fabeln agieren stereotype Figuren (schlauer Fuchs, dumme Gans, weiser Uhu), läuft die Handlung auf eine Pointe zu und schließt mit einer Lehre (Sentenz) ab.
  • In Balladen werden Erzählungen singend vorgetragen. Damit man sich die Geschichte leichter einprägen kann, helfen Reim, Rhythmus und Refrain dem Gedächtnis auf die Sprünge.
  • In Anekdoten und Witzen werden Geschichten sehr kurz und bündig erzählt, die am Ende eine überraschende Wendung aufweisen (Pointe).
     

FORMULIEREN


Bei der ›Einkleidung der Gedanken in Worte‹ wurde in der Antike der Text vom Autor für den Vortrag ausgearbeitet. Auch im Slam-Projekt werden die Entwürfe nun verfeinert. Da dein Text für eine Performance gedacht ist, kann es helfen das Ausformulieren mit dem Probieren auf der Bühne zu verbinden. Anhand folgender Fragen kannst du deinen formulierten Text überarbeiten bzw. Texte von anderen kritisieren:

  • Ist der Inhalt logisch und nachvollziehbar?
  • Setzt sich der Text aspektreich und differenziert mit dem Thema auseinander?
  • Werden im Text selbstständige und kritische Gedanken entwickelt?
  • Sind Gedanken zusammenhängend und nachvollziehbar formuliert?
  • Liegen dem Text erkennbare Textmuster zugrunde?
  • Enthält der Text einen Höhepunkt oder eine Pointe?
  • Sind die Sätze passend zum Inhalt, verständlich oder zu lang/ verschachtelt?
  • Ist die Sprache des Textes stimmungsvoll?
  • Wird der Wortschatz differenziert, abwechslungsreich und anschaulich genutzt?
  • Wurde bei Satzfolgen auf passende Verknüpfungen geachtet?
  • Enthält er passende/witzige Sprachbilder/ Vergleiche?
  • Arbeitet der Text mit lautmalerischen Mitteln?
  • Erzeugt der Text durch ungewöhnliche oder überraschende Formulierungen Aufmerksamkeit?
  • Berücksichtigt der Text seine spätere Verwendung als Bühnentext und berücksichtigt Interessen der Zuhörer?
     

EINPRÄGEN


Im vierten Stadium konzentrierte sich der antike Redner auf das ›Einprägen der Rede‹ ins Gedächtnis. Im Slam-Projekt solltest du nun deinen überarbeiteten Text nicht nur auswendig lernen, sondern mit deiner Performance verknüpfen. Je mehr die Probensituation mit dem späteren Slam übereinstimmt, desto wirkungsvoller ist das Einprägen. Deshalb ist es gut, wenn du auf der späteren Bühne mit Mikrophon und Beleuchtung deine Performance einüben kannst. Eine auf dich gerichtete Schreibtischlampe und eine Papprolle als Mikro-Ersatz tun es aber zur Not auch...

  • Fokus: Mit den Augen ein Ziel (im Publikum) fixieren
  • Einen Text unterschiedlich sprechen
  • Übungen mit Mikrophon
  • Die Performance wiederholbar machen: Versuche nun, deinen Text zu performen. Überlege dir zunächst, welche Stellen des Textes du wie sprechen möchtest und markiere das entsprechend auf deinem Textblatt (vielleicht machst du dir ein paar Kopien, damit du verschiedene Möglichkeiten aufnotieren kannst).

Eigenen Stil finden: Du kannst alles ausprobieren. Schließlich sollte deine Performance aber zu dir und deinem Anliegen mit dem Text auf der Bühne für das Publikum passen. Du musst deinen eigenen Stil finden, der zu dir als Person, als Slammer passt. Es geht nicht nur um Show, sondern um deine Message.
 

Daniel Göhring Gewinner der BW Meisterschaften 2013

PERFORMEN


Ziel des Slam-Projektes ist die Performance der Slammer im Rahmen eines Poetry Slams (an eurer Schule) oder für die Offene Bühne. Die Darbietungen der Slammer können sich in diesem Fall mit anderen Darstellungsformen abwechseln.

Wenn dein Text flüssig rüberkommen soll, ist es sehr wichtig, dass deine Lyrics auswendig im Kopf sitzen. Abgelesene Texte wirken oft unsicher und klingen stockend. Am besten prägst du dir die Zeilen so tief ein, dass du beim Sprechen nicht mehr Nachdenken musst. Dann kannst du dich besonders gut auf den Textfluss (Flow) und den Rhythmus onzentrieren.

Für die Spontanbewertung könnt ihr die Kriterien heranziehen, auf die ihr bereits bei den Proben (Videoanalyse) geachtet habt.
 

REFLEKTIEREN


Am Ende des Slam-Projekts solltet ihr euch über die gemachten Erfahrungen austauschen. Notiert euch Stichwörter zu folgenden Fragen und sprecht anschließend gemeinsam darüber:

  • Welche Anregungen waren beim Erfinden deines Textes hilfreich?
  • Woran hast du dich beim Gliedern deiner Texte orientiert?
  • Wie bist du beim Formulieren deiner Texte vorgegangen?
  • Warum konntest du dir deine Texte (nicht) einprägen?
  • Welche Übungen waren für dich bei der Entwicklung deiner Performance nützlich?
  • Wie fühltest du dich während des Slams: vor, während und nach deiner Performance?
  • Welche Beobachtungen konntest du als Zuschauer machen?

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