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Neuseeland-Exkursion des Faches Geographie 2010

Leitung: Prof. Dr. Armin Hüttermann, Kerstin Drieling

Im Februar trafen sich für dreieinhalb Wochen Studierende der PH Ludwigsburg auf der anderen Seite des Globus, in Neuseeland, um dort die Vielseitigkeit geographischer Erscheinungen zu studieren. Neuseeland ist ein Paradebeispiel, wenn man Fragen der Oberflächenformen, der Geologie, klimatischer Erscheinungen, der Siedlungs- und Wirtschaftsgeographie und nicht zuletzt des Tourismus untersuchen möchte.

Um das Geld für die hohen Kosten der Exkursion zu organisieren, war bereits ein Jahr vorher der Aushang erschienen: Exkursion nach Neuseeland geplant. Anfangs gab es nur wenige Interessenten, aber die Zahl nahm kontinuierlich zu. Bei 28 war das Ende erreicht, und die große Teilnehmerzahl führte erfreulicherweise zu einer Reduzierung der Kosten.

Am 6. Februar abends war es so weit: Von Frankfurt über Seoul ging es nach Auckland, wo man nach zwei Flugübernachtungen 26 Stunden später ankam. Eine Pause gönnte man sich aber nicht: um in den neuseeländischen Tagesrhythmus zu kommen (12 Stunden Zeitunterschied; Sommer statt Winter) wurde erst einmal eine Stadtexkursion durch die „city of sails“ unternommen. Erst spät am Abend fielen alle in einen tiefen Schlaf. Gleich morgens ging es weiter: Am Strand von Orewa wurden die Dynamik der Steilküste, in Puhoi eine Siedlung ausgewanderter Böhmen und in Kawiti Tropfsteinhöhlen mit speziellen Glühwürmchen untersucht. Ziel war der Norden der Insel, wo in der Bay of Islands die polynesische und europäische Besiedlungsgeschichte und der Vertrag von Waitangi (1840) auf dem Programm standen. Im subtropischen Norden sahen viele Teilnehmer erstmals Mangoven, den berühmten Kauri-Baum Tane Mahuta mit 50 Meter Höhe und einem Alter von 2000 Jahren, Avocado- und Kiwi-Plantagen und vieles mehr. Nördlichster Punkt der Exkursion war Cape Reinga, und über den Ninety-Mile Beach ging es, nach einer Rutschpartie („tobaggoning“) auf Dünen vor der Ausgleichsküste, wieder zurück nach Auckland.

Weiter südlich auf der Nordinsel standen die eingeborenen Maori, ihre Geschichte und Kultur sowie ihre Integration in die europäisch orientierten Strukturen im Mittelpunkt. Nicht nur in Rotorua, sondern auch im Wanganui-Tal, wo wir eine Übernachtung in einem traditionellen Versammlungshaus verbrachten, konnten wir eine uns fremde Kultur kennen lernen, die durch ihre Vielseitigkeit überraschte. Besonders interessant war dabei der Besuch eines Maori-Kindergartens („kohanga-reo“).

In Rotorua und Umgebung wurden dann auch ausführlich alle verschiedenen Formen des Vulkanismus und postvulkanischer Erscheinungen untersucht. Geysire, Solfatare, Mud-Pools und Riesen-Calderen bezeugten den jungen Vulkanismus der Inselgruppe, der nicht nur in Wairakei geothermal genutzt wird. Vor uns blätterte sich der gesamte Kanon des Lehrbuch-Vulkanismus auf.

Zwischen der erdbebengefährdeten Hauptstadt Wellington, wo erstmals ein halber Tag zur freien Verfügung gegönnt wurde (!) und Picton erfolgte bei strahlendem Sonnenschein die Überfahrt zur Südinsel. Ohnehin wurden wir vom Wetter verwöhnt: auf der West Coast, wo nachweislich die höchsten Niederschläge gemessen werden (bis zu 10 Liter) konnten wir bei nur geringer Bewölkung eine ausführliche Gletscherwanderung unternehmen. Vorher standen Weinanbau bei Nelson, Robbenkolonien, die bizarren Gesteinsformationen der Punakaiki Pancakes und die Bearbeitung der neuseeländischen Jade auf dem Programm – auch beim Goldschürfen versuchten wir unser Glück, hier aber eher mit mäßigem Erfolg. Nach Querung der neuseeländischen Alpen änderte sich die Landschaft schlagartig: auf den üppigen Regenwald der gemäßigten Breiten und den dichten Südbuchenwald auf der Westseite folgte eine ausgetrocknete Föhnlandschaft im Osten, unterbrochen von tiefblauen Zungenbeckenseen.

An einem solchen See liegt Queenstown, das Zentrum des Tourismus auf der Südinsel. Wir konnten nicht nur feststellen, dass das Tourismusangebot von Europäern, Australiern und Ostasiaten gleichermaßen wahrgenommen wird – einige Exkursionsteilnehmer nutzen auch ihre Chance zum Bungee-Jumping von der Kawerau-Brücke, von der aus diese „Sportart“ ihren Siegeszug um die Welt antrat. Erleichtert, dass alle die waghalsigen Sprünge überlebten, konnten wir unseren Weg fortsetzen zum Milford Sound, dem Bilderbuch-Fjord. Auch hier konnten wir die glazial geformte Landschaft bei herrlichem Sonnenschein genießen, obwohl die Statistik mehrheitlich Regen verspricht. Einziger Wehrmutstropfen waren die „sandflies“, die uns schon einige Tage überall hin verfolgt hatten.

Auf dem Weg nach Dunedin gab es ein riesiges Hydroenergie-Projekt, Maori rock drawings sowie das trockene Zentral-Otago zu besuchen. Am nächsten Tag standen Pinguine auf dem Programm: sowohl die Gelbaugenpinguine in Taioroa als auch die kleinen blauen Pinguine in Oamaru gaben uns die Ehre. Zwischendurch noch Albatrosse,. Kormorane und Robben ... und die runden Kugeln der Moeraki Boulders am Strand. In Oamaru hätte uns beinahe ein Tsunami erreicht, aber der Ankündigung folgte – zum Glück, wie manche meinten -  nur eine „kleine Welle im Hafen“.

Abschließender Höhepunkt war ein „farmstay“ in der Gegend von Ashburton: in Gruppen (meist zu dritt) verbrachte man den Nachmittag, Abend und die Nacht auf unterschiedlichen Farmen. Am nächsten Morgen wurde berichtet, und die Erzählungen ergänzten sich zu einem umfassenden Bild der modernen neuseeländischen Agrarwirtschaft. Christchurch, die „englische Gartenstadt“, bot dann den Rahmen für einen Abschied – und für den Kauf der Mitbringsel, jedenfalls bei denen, die unterwegs die zahlreichen Möglichkeiten hatten verstreichen lassen.


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