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Geflüchtete berichten

By: Stefan Jeuk

07-09-2016

Am 27. Oktober 2016 fand das vierte Forum Migration zum Thema „Geflüchtete berichten“ statt. Moderiert wurde die Veranstaltung von Stefan Jeuk. Der Abend begann mit einem Gedichtvortrag von Bashier Alshihabi.

 Herr Alshihabi lebt seit 2008 in Deutschland und ist u.a. Lehrbeauftragter der PH Ludwigsburg für Arabisch. Er trug das Gedicht „Trümmer“ zuerst auf Arabisch und dann in eigener deutscher Übersetzung vor („…alle Spinnen wollen befreit sein aus ihrem Gefängnis … hier bringt sich der Tod um seine Verzweiflung…“).
Auf dem Podium saßen neben Stefan Jeuk und Bashier Alshihabi (als Übersetzer) drei junge Männer aus Syrien, die in den letzten drei Jahren auf verschiedenen Wegen und unter unterschiedlichen Umständen nach Deutschland gekommen waren. An den verschiedenen Erlebnissen wurde beispielhaft deutlich, dass es sehr unterschiedliche Motive, Umstände und Folgen von Flucht und Vertreibung gibt, obwohl alle drei Männer das Schicksal eint, aus einem Land zu kommen, in dem derzeit ein blutiger Stellvertreterkrieg wütet.
Einer der Männer kam vor eineinhalb Jahren nach Deutschland und erlebte nach eigenem Bekunden eine „4-Sterne-Reise“, da er das Glück hatte, einen Flug nach Italien zu bekommen und von dort nach Deutschland weiterzureisen. Ein anderer leistete zunächst in Syrien, nachdem er seinen Beruf als Händler aufgegeben hatte, humanitäre Arbeit (u.a. Organisation von Essensverteilung). Dann reiset er in den Sudan, wo er einige Zeit blieb, von dort aus konnte er ein Visum nach Italien erhalten. Der dritte junge Mann hatte sich auf den beschwerlichen Weg in die Türkei gemacht und war als Bootsflüchtling nach Griechenland gekommen. Beeindruckend war, wie er über die Situation berichtete, als das Boot sank und er, der des Schwimmens nicht mächtig ist, und die anderen Insassen von der griechischen Küstenwache gerettet werden mussten. Alle drei berichteten, dass es in Syrien auch Menschen gab, die sie von der Flucht abhalten wollten.
In den meisten Fällen sind Menschen auf der Flucht aus Syrerin auf die Hilfe von so genannten Schleusern angewiesen. Es herrschte Einigkeit, dass es unter den Schleusern viele Verbrecher gibt, andere verfolgen auch das Motiv, den Flüchtlingen helfen zu wollen. Letztlich sahen aber alle keine andere Wahl, als sich in dieser Notlage den Schleusern anzuvertrauen. Diese sind oft die einzigen, die helfen können.
Für alle drei Männer begann mit der Ankunft in Deutschland ein langer Weg. Über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren wurden sie in verschiedenen Lagern, Heimen und Unterkünften untergebracht, „von Karlsruhe nach Meßstetten, Ludwigsburg, Pleidelsheim, Mundelsheim, Besigheim und schließlich Stuttgart“. So ist es nicht verwunderlich, dass die erste Zeit in Deutschland von großen Enttäuschungen geprägt war. Mit großem Humor berichteten sie darüber, dass es in Syrien und auf der Flucht teilweise absurde Gerüchte über das Leben in Deutschland gegeben hat, sodass die Konfrontation mit der Realität in den Unterkünften umso härter ist.
Einer der jungen Männer ist erst seit eineinhalb Jahren hier und hat trotz der erschwerten Umstände in dieser Zeit so gut Deutsch gelernt, dass er seinen Traum verfolgen kann, demnächst in Tübingen Medizin zu studieren. Bei allen drei kann gesagt werden, dass sie in der glücklichen Lage sind, einen Aufenthaltsstatus zu besitzen und somit auch offiziell Deutschkurse erhalten.
Während des ganzen Gesprächs wurden immer wieder Fragen aus dem Publikum gestellt und mit einer großen Offenheit und auch mit viel Humor beantwortet. Ein Highlight war die Frage aus dem Publikum, wie denn die Männer den Deutschunterricht erfahren. Hier gibt es sehr unterschiedliche Erfahrungen, aber ein Kernsatz blieb haften: „Wenn Lehrkräfte mit dem Herzen dabei sind und Begeisterung für ihre Sprache mitbringen, kann der Funke auch auf die Lernenden überspringen“.
Der gelungene Abend endete mit vielen Gesprächen in kleiner informeller Runde.


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