Logo Pädagogische Hochschule Ludwigsburg

http://www.ph-ludwigsburg.de/17901.1.html

27-11-2020

Grundlagen einer Kunstpädagogik im Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung – zum Beitrag zeichnerischer Selbstporträts im Hinblick auf die Entwicklung leiblicher Selbstbilder

Anna-Lena Schweinsberg - Lehrbeauftragte an der PH Ludwigsburg

 

Bislang fehlt eine genuin kunstpädagogische Konzeption für den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung. Die Folge ist meist eine Unterrichtspraxis, die den Bildungspotenzialen der Schüler*innen mit Körperbehinderung nicht gerecht wird.

Im Zuge der Inklusionsdebatten stellt sich die Frage, welches theoretische Denkmodell sich für das Verstehen und Fördern individueller kunstpädagogischer Bildungsprozesse eignet. Einen Ausweg aus dem Dilemma, Schüler*innen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten und Aneignungsweisen individuelle Lernerfahrungen zu ermöglichen, ohne zu separieren, bietet ein relationales Lernverständnis, das den Menschen eingebunden in seine soziale Gemeinschaft weiß. Ein solch konzipierter Kunstunterricht fördert das Miteinander- und Voneinander-Lernen.

Das Promotionsvorhaben von Frau Anna-Lena Schweinsberg ist zudem ein Plädoyer für Fachlichkeit. Eine Zusammenführung der Kunstpädagogik mit der Sonderpädagogik wird durch die Bezugnahme auf die Embodiment-These ermöglicht. Demnach stellt die Leiblichkeit des Menschen eine anthropologische Konstante dar, auf die Lehr-/Lernsituationen abgestimmt werden müssen.

Das auf diesen theoretischen Annahmen basierende kunstpädagogische Konzept wurde innerhalb eines Schuljahres an einem Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung erprobt. Das Thema der durchgeführten Unterrichtseinheit war das Ganzkörperselbstporträt und sein didaktisches Potenzial zur Auseinandersetzung mit Identität und Selbstbild. Es zeigt sich: Ein Kunstunterricht, der sich intensiv den leiblichen Selbstbildern der Schüler*innen widmet, kann zu einer gestalthaften Bildung des Ichs beitragen.

Betreut durch Prof. Dr. Hubert Sowa und Prof. Dr. Friedhold Fediuk

 

© Pädagogische Hochschule Ludwigsburg