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Miriam Grupp

Kettenreaktionen lösen eine gewisse Faszination auf uns Menschen aus. Dies wird an diversen Rekordversuchen deutlich. Sie sind radikal, einmal ausgelöst, kann man die Reaktion planmäßig nicht mehr stoppen. Die Konstrukteure erleben dabei Kontrolle, aber auch Kontrolllosigkeit, denn der Verlauf der Reaktion ist nicht immer prognostizierbar.

Deshalb ist es auch sehr spannend, im Rahmen eines Projektes selbst zu versuchen, eine Kettenreaktion zu bauen. Dies wurde in der Werkstatt Sachlernen bei den Tutorials mit acht Student*innen am 27.6.19 getan und zwei Wochen später am Lernfestival (10.7.19) mit zwei Kindergartenkindern und dann mit sechs 4.-Klässlern wiederholt.
 
Den Student*innen standen diverse Materialien (Blankowürfel, Pappröhren, Kissenerhöhungen, Dominosteine, Kapla-Holzbausteine, Murmeln, Bälle etc.) zur Verfügung. Um alles ausprobieren zu können, entschieden sie sich erstmal frei draufloszubauen. Dabei entstand schnell eine lange Schlange aus Domino- und Kaplasteinen. Damit die Reaktion nicht gleich bei jedem versehentlichen Anstupsen losging, wurden in die Schlange Lücken eingebaut, die erst am Ende aufgefüllt werden sollten. Nachdem man das Material ausreichend gesichtet hatte, entstand der Plan, am Anfang der Reaktion ein Glockenspiel zu integrieren. Die Schwierigkeit bestand darin, das Glockenspiel so zu platzieren, dass es schön klingt und gleichzeitig die Reaktion weiter ablaufen kann. Während sich eine Gruppe also um die Platzierung des Glockenspiels kümmerte, waren die anderen Student*innen damit beschäftigt, den krönenden Abschluss der Reaktion zu bauen: Es wurde eine Treppe aus Blankowürfeln konstruiert, die die Dominosteine „besteigen“ sollten. Anschließend sollte ein schwerer Gegenstand in eine Waagschale fallen, um die andere Waagschale dazu zu bewegen, nach oben zu gehen. An die nach oben gehende Waagschale wurde ein Lineal mit einer Murmel befestigt. Die Murmel sollte bei Ablauf der Reaktion das Lineal herunterrollen und in einem Auffangbehälter (einem Pappbecher) landen. In diesem Prozess stellten sich viele Fragen: „Wie hoch dürfen die Treppenstufen sein?“, „Welcher Gegenstand ist so schwer, dass die Waagschale nach unten geht? – Der Gegenstand muss aber trotzdem noch so leicht sein, dass er von den Dominosteinen angeschubst werden kann!“, „Wie soll die Murmel auf dem Lineal platziert werden?“, „Wie verhindert man, dass die Murmel ihre angedachte Bahn verlässt?“. Alle Fragen wurden angeregt diskutiert, dabei dienten kleine Testreaktionen der Expertise. Beim Aufbau lief natürlich nicht alles reibungslos ab. Mindestens ein Student / eine Studentin war damit beschäftigt, umgefallene Teile der Kettenreaktion wieder aufzubauen. Schlussendlich stand die Kettenreaktion aber und konnte gefilmt werden. Gleich beim ersten Film verfehlte die Murmel ihr Ziel und so musste die Kettenreaktion variiert werden. Beim zweiten Mal registrierte man, dass die Kapla-Hölzer ungleichmäßig umfallen. Die Folge war, dass die Reaktion mehrmals unterbrochen und wieder neu gestartet werden musste. Damit verlief der Anfang der Reaktion nicht so wie geplant, dafür funktionierte das Ende mit der Brücke und den Waagschalen so, wie die Student*innen es sich erhofft hatten. Schlussendlich bereitete das Tutorial viel Spaß und die Student*innen erfuhren genau das, was Kettenreaktionen ausmachen: Die Kontrolle, aber auch die Kontrolllosigkeit. Außerdem nahm man als Erkenntnis für das Lernfestival mit, dass die Kapla-Hölzer nur eingesetzt werden sollten, wenn das präzise Umfallen nicht entscheidend für den Ablauf der Reaktion ist. Dies wurde den Kindern am Lernfestival auch dementsprechend gesagt.

 

WERKSTATT SACHLERNEN IN FRÜHER BILDUNG UND GRUNDSCHULE 
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