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Auch im Sommersemester 2021 gilt: 

Die Seminare sind als Online-Seminare (Moodlekurs mit Formaten wie eingestellten Präsentationen, Texten, Übungen, Diskussionsforen) mit empfohlenen Kernarbeitszeiten in der gemeinsamen Seminarzeit geplant. Wir können - nach Abstimmung mit den Teilnehmer*Innen und in Abhängigkeit von der dann herrschenden Corona-Situation - synchrone Formate (Live-Video-Übertragung) oder auch Offline-Formate in kleinen Gruppen integrieren. Das bleibt aber freiwillig, eine reine a-sychrone Beteiligung bleibt in jedem Fall möglich.

Die Präsenz-CP werden durch eine bestimmte Anzahl von Postings in den Diskussionsforen erworben (Anzahl der Sitzungen x 2). Benotete Seminarleistungen können durch Präsentationen in Online-Formaten und deren Ausarbeitungen (min. 5/10/12 Seiten für 1/2/3 CP) bzw. normalen Hausarbeiten (min. 7/12/15 Seiten) erworben werden.

 

1. Inklusion, Menschenrechte und Sozialrecht
Do 14:15 bis 15:45 (möglicher Raum: 8A.003)       

Behinderung ist in der modernen Gesellschaft auch und vor allem eine rechtliche Kategorie. Als solche ist sie – im Verbund mit den entsprechenden institutionellen Strukturen - ausschlaggebend darüber, welche Lebensmöglichkeiten behinderten Menschen in der modernen Gesellschaft offen stehen oder verschlossen bleiben. Das beginnt bei der Frage, ob die Abtreibung eines ungeborenen mutmaßlich behinderten Kindes straffrei möglich ist oder nicht. Wie Menschen mit Behinderungen ihr Leben gestalten können, wie und wem sie wohnen und leben, ob und mit welchen Hilfen sie einer Schul- oder Berufsausbildung und –Tätigkeit nachgehen können oder nicht – das hängt nicht zuletzt von Rechtsansprüche auf Sozialleistungen ab, ohne die sie möglicherweise die dabei nötig werdenden Unterstützungsformen und Hilfen nicht finanzieren können.Politische Auseinandersetzungen über gesellschaftliche Lebensmöglichkeiten behinderter Menschen werden deshalb wesentlich auch in Form von  Konflikten über rechtliche Normierungen ausgetragen. Das zeigt auch die bildungs- und sozialpolitische Diskussion über die Inklusion behinderter Menschen. Ihr Hauptauslöser war eine Rechtsnorm, nämlich die sogenannte „UN-Behindertenrechtskonvention” (UN-BRK). Sie bekräftigt die eigentlich selbstverständliche Einbeziehung (Inklusion) auch behinderter Menschen in alle Menschen- und Grundrechte. Allerdings machen Grund- und Menschenrechte in den wenigsten Fällen Vorgaben über spezifische sozial- oder bildungspolitische Strukturen oder gar einzelfallspezifische Entscheidungen. In ihren konkreten Konsequenzen sind sie in hohem Maß auslegungsbedürftig, in ihren rechtlichen und politischen Bindungseffekten unscharf. Dennoch oder gerade deshalb hatte die Berufung auf faktische oder auch nur vermeintliche Menschenrechte schon immer die wichtige Funktion, für politische Anliegen öffentliche Aufmerksamkeit zu finden und zu mobilisieren und die grundsätzliche Inklusion aller in alle Funktionsbereiche der modernen Gesellschaft zu deklarieren.Dieser Zusammenhang von Menschenrechten und Inklusion wurde von der Soziologie - lange vor der erst in den 2000er-Jahren einsetzenden  Diskussion in den Erziehungswissenschaften und der Sonderpädagogik bereits in den 1950 und 1960-er Jahren analysiert. Für die Frage der faktischen Einbeziehung (behinderter) Menschen in die Gesellschaft und ihre verschiedenen Funktionssysteme (Beruf, Bildung, Privatleben und Familie, Kultur, Recht u.a.) ist aber nicht so sehr die Ebene der Menschenrechte als solcher entscheidend, sondern deren Konkretisierung in den Rechtsnormen des Sozialrechts, des Schulrechts, des bürgerlichen Rechts. In dem Seminar geht es darum, sich ein möglichst konkretes und praxisbezogenes Verständnis für dieses Spannungsverhältnis zu erarbeiten. Wir werden uns erarbeiten, welche Bedeutung konkrete Rechtsnormen für die Lebens- und Teilhabechancen behinderter Menschen zum Beispiel in den Lebensbereichen Bildung, Wohnen, Arbeiten haben und dabei auch die derzeit stattfindenden Veränderungen durch das sogenannte  Bundesteilhabegesetz analysieren und kritisch diskutieren.

 

2. Interaktion, Alltagswissen, Biographie - Qualitative Methoden der Sozialforschung in sonderpädagogischen Arbeitsfeldern
Do.    16:15 bis 18:30    (möglicher Raum: 8A.002)

Interaktion, Alltagswissen, Biographie - damit sind drei für die Sonderpädagogik relevante Aspekte sozialer Wirklichkeit benannt:

Interaktion, Alltagswissen, Biographie - damit sind drei grundlegende Aspekte sozialer Wirklichkeit benannt. Wir werden uns an für die Sonderpädagogik relevanten Beispielen (zum Beispiel Schulunterricht, Deutungen von Inklusion/Behinderung/chronischer Erkrankung, Biographien behinderter oder psychisch kranker Menschen) mit diesen Konzepten auseinander setzen und zugleich die Frage stellen, welche Methoden es gibt, um Interaktionen, Alltagswissen (Deutungsmuster) oder Biographien wissenschaftlich zu erschließen und zu analysieren, zum Beispiel auch im Rahmen von Masterarbeiten oder Studienprojekten. Behandelt werden können dann zum Beispiel Datenerhebung und ihre Auswertung im Kontext teilnehmender Beobachtung, von Interaktions- und Videoanalysen, Interviews, Lebenslauf- und Biographieanalysen. Da wir in dem Seminar auch selbst Daten erheben und auswerten, ist die Veranstaltung dreistündig konzipiert. 

 

3. Paradigmen der Inklusion und Exklusion - 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland (Projektseminar)
Fr 10:15 bis 11:45 (möglicher Raum: 8A.002)   

Wer verstehen will, was gesellschaftliche oder kulturelle "Inklusion" oder "Exklusion" bedeuten kann, muss sich mit der Geschichte des jüdischen Lebens in Deutschland, mit der Geschichte deutscher Juden und Jüdinnen, jüdischer Deutscher auseinandersetzen. Diese Geschichte ist singulär und universal zugleich. Sie erfordert die Auseinandersetzung mit ihr aus eigenem Recht. Und zugleich lassen sich aus ihr Mechanismen und Paradigmen der Einbeziehung und Ausgrenzung ablesen, die für das Verständnis der Situation aller sozialer und kultureller Minderheiten, mit denen die Sonder- und Inklusionspädagogik befasst ist, relevant sind.

Das Jahr 2021 gibt dazu einen äußeren Anlass. Die Jahreszahl erinnert daran, dass seit 1700 Jahren Juden auf dem Territorium leben, das heute Deutschland heißt. Am Ausgangspunkt dieser Chronologie steht eigentlich ein Ereignis der "Inklusion", der Einbeziehung. Im Jahr 321 n. d. Z. unterzeichnete der römische Kaiser Konstantin ein Edikt, in dem erstmals die Berufung von Juden in den Kölner Stadtrat gestattet wurde. Diese 1700 Jahre beinhalten Zeiten/Phasen/Möglichkeiten des selbstverständlichen Zusammenlebens, der Einbeziehung und eines hohen Maßes an kultureller Produktivität: Menschen mit jüdischem kulturellen und religiösen Hintergrund sind aus der europäischen und deutschen Kulturgeschichte nicht wegzudenken, waren und bleiben ihr integraler Bestandteil. Diese 1700 Jahre umfassen aber eben auch alle Formen der sozialen und kulturellen Diskriminierung und Ausgrenzung bis zur physischen Vernichtung und die historische Singularität der Shoa, des millionenfachen industriell durchgeführten Mordes mit dem Ziel der physischen und kulturellen Auslöschung eines Teils der Menschheit.

Das Seminar versteht sich als gemeinsames Projekt der Studierenden und des Dozenten. Im ersten Teil werden wir uns mit ausgewählten Aspekten der Geschichte jüdischer Kultur sowie des Antijudaismus und Antisemitismus auseinander setzen, mit einem gewissen Schwerpunkt auf der Region Südwestdeutschland. Im zweiten Teil können dann - nach Interesse - spezifischere Themen vertieft werden, wie zum Beispiel:

Je nach Coronasituation könnten wir versuchen, Vor-Ort-Termine, Führungen, Exkursionen, Archivarbeit in kleineren Gruppen einzuplanen. Das müssen wir aber dann zu gegebener Zeit absprechen.

INSTITUT FÜR ALLGEMEINE SONDERPÄDAGOGIK 
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