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 Studierende aus vier Hochschulen bereisten im Rahmen einer geographischen Großexkursion Marokko und lernten dabei ein Land der Gegensätze kennen. Fès und Marakkech, die Flussoasen und die Sandwüste im Südosten bildeten Höhepunkte der unter der Leitung von Susanne Hartleb, Dr. Wilma Ubbens und Prof. Dr. Peter Kirchner stehenden 15-tägigen Rundreise.

Als Kooperationsveranstaltung der Pädagogischen Hochschulen Schwäbisch Gmünd und Ludwigsburg führte eine Großexkursion 31 Geographiestudierende, darunter sieben Gäste von der Universität Leipzig und ein Gast der Pädagogischen Hochschule Heidelberg, vom 20. März bis 3. April 2009 nach Marokko. Das von den drei Atlas-Gebirgsketten und dem Rif-Gebirge durchzogene Land bietet durch die vielen unterschiedlichen Naturräume, Oasenlandschaften und Paradebeispiele der orientalischen Stadt vielfältige geographische Anschauungs- und Studienobjekte. Die immer wieder spektakulären Panoramafahrten über die Gebirgsketten hinweg untermauerten einmal mehr, dass bei einer geographischen Großexkursion auch immer der Weg das Ziel ist. So kontrastreich wie die Naturlandschaft zeigte sich auch die von den Menschen geformte Kulturlandschaft. Zwischen den High-Tech-Unternehmen der großen Städte und der traditionellen Landwirtschaft mit dem vom Maultier gezogenen Holzpflug liegen nur wenige Kilometer Entfernung.  
Die an Höhepunkten reiche Rundreise begann und endete in der 5 Mio. Einwohner zählenden Wirtschaftsmetropole Casablanca. Nach dem Besuch der in den Atlantik gebauten Moschee Hassan II. führte der Weg über die Küstenmeseta nach Süden zur „Wind City“ Essaouira, die wegen ihrer verlässlichen Nordwinde zu einem Treffpunkt für Surfer geworden ist. Nach einer ersten Überquerung des Hohen Atlas und einer aufregenden Fahrt über die Serpentinen des nördlichen Anti-Atlas erreichte die Gruppe am zweiten Tag Tafraoute. Die Granitlandschaft um Tafraoute mit ihren verschiedenen Verwitterungsformen ließ sich bei einer Wanderung ausgiebig untersuchen. Die von dem belgischen Künstler Jean Vérame bemalten Felsgruppen heben die Besonderheiten der Granitverwitterung auf andere Weise hervor. Der über eine südliche Route aus dem Anti-Atlas führende Weg nach Agadir war nicht minder spektakulär als die Anfahrt. Bis in die größten Höhen und steilsten Hänge haben die hier ansässigen Berber teilweise nur handtuchbreite Terrassen für den Ackerbau angelegt. Ganz anders stellte sich die Landwirtschaft in der Sous-Ebene dar, in der unter Foliengewächshäusern Gemüse und Obst für den Export nach Europa und für die stark wachsende Stadt Agadir erzeugt wird. Diese nach dem Erdbeben von 1960 völlig zerstörte Stadt erlebt seit dem Bau eines Internationalen Flughafens 1992 einen Boom im Bereich des Badetourismus. Nach einer zweiten Überquerung des Hohen Atlas stand eine intensive Begegnung mit Marakkech, der Perle des marokkanischen Südens, auf dem Programm. Ausgehend von dem berühmten Gauklerplatz Djemaa el Fna wurden die verwinkelten und engen Marktgassen der Altstadt in der Gruppe und auch individuell zu verschiedenen Tageszeiten erkundet.

Nach der dritten Überquerung des Hohen Atlas tauchte die Gruppe für mehrere Tage in den Südosten Marokkos, der als Übergangsraum in die Sahara gilt, ein. Leitlinien waren die Flussoasen entlang des Dadès-, Drâa- und Ziztales, die sich mit dem üppigen Grün der Dattelpalmen deutlich von den braunen vegetationslosen Talhängen abheben. Bei der Fahrt durch das Drâa-Tal wurde die Gruppe Zeuge eines äußerst seltenen Phänomens. Durch einen mehrstündigen Starkregen verwandelten sich die Trockentäler in reißende Sturzbäche, welche die Straße überfluteten und den Bus vor Erreichen des Etappenziels Zagora zur Umkehr zwangen. Der ausgefallene Programmpunkt wurde durch den Besuch eines lokalen Dampfbades (Hammam) kompensiert. Den starken Regenfällen fiel auch die zweimalige Übernachtung im Berberzelt am Fuße des Dünenkomplexes des Erg Chebbi zum Opfer. Spätestens bei der Ansicht des überfluteten Zeltcamps wurde den Studierenden einsichtig, dass in der Wüste schon mehr Menschen ertrunken als verdurstet sind. Die Erkundung der bis zu 150 Meter hohen Dünen sowie die Umrundung des 20 mal 7 Kilometer großen Dünenkörpers mit Geländefahrzeugen gehörten zu den Höhepunkten der Exkursion.

Die vierte und letzte Überquerung des Hohen Atlas und der Anstieg in den Mittleren Atlas führten nach Ifrane in die so genannte marokkanische Schweiz. Auf Grund der mit Ziegeln gedeckten Giebelhäuser, modernen Apartmenthäusern und einem Hotel Chamonix fühlte man sich tatsächlich in einen europäischen Höhenluftkurort versetzt. Der Kontrast hätte nicht größer ausfallen können. Am Morgen in der Sandwüste gestartet, schmolz am Nachmittag von den Dächern in Ifrane der tags zuvor gefallene Neuschnee. Von der europäisch anmutendenden Enklave Ifrane führte der Weg am Abend schließlich in das orientalische Herz Marokkos, nach Fès. Im Gassenlabyrinth der Altstadt ließ die Gruppe noch einmal die Merkmale einer orientalischen Stadt auf sich wirken. Am urtümlichsten erscheint das Gerberviertel, in dem in den zahlreichen Beiz- und Färbbottichen die Arbeit noch mit einfachsten Mitteln verrichtet wird. Auf dem Weg zurück an die Atlantikküste bildeten die Besichtigung von Volubilis, der größten römischen Ausgrabungsstätte Marokkos und Moulay-Idriss, der ältesten Stadt des Landes, den historischen Abschluss der Exkursion. In Casablanca schloss sich der Kreis der geographischen Reise zwischen Orient und Okzident, Tradition und Moderne, Europa und Afrika.

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Geographie > Galerie > Exkursion Marokko 2009
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