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Das Bachelorstudium aus Absolvent*innensicht

Ein Erfahrungsbericht von Mona Schuhmacher: Leitung in einer Kindertageseinrichtung

Nach meinem Abitur war mir klar, dass ich „Irgendetwas mit Kindern“ machen möchte. Bei meinen Recherchen stieß ich auf diesen Studiengang, machte im Jahr 2015 meinen Abschluss und war nun Kindheitspädagogin. Durch meine Praktika im Studium wusste ich, dass ich direkt in die Praxis möchte. Ich wollte im Team arbeiten und die Kinder bei ihrer Entwicklung begleiten. Daher habe ich mich für eine Kita entschieden, die zufällig noch im Aufbau war.

Die Mitgestaltungsmöglichkeiten waren durch die Neueröffnung enorm. Nach drei Jahren erhielt ich die Chance als Teamleitung einen Kitaaufbau zu steuern. Durch meine Praxiserfahrung profitierte ich sehr. Die Hauptaufgaben bestanden darin, das Team zusammenzustellen, die Konzeption umzusetzen und die Eingewöhnungen zu organisieren. Meine täglichen Aufgaben als Teamleitung beinhalten die fachliche und persönliche Führung von Fachkräften sowie die damit verbundene Führungsverantwortung, Konzeptions- und Qualitätsentwicklung, administrative Aufgaben und die Kommunikation mit den Eltern. Meiner Erfahrung nach ist eine Teamleitung ein/e „Allrounder*in“.

Die Werkzeuge, die mir als Teamleitung aus dem Studium besonders geholfen haben, waren meine Beobachtungsgabe anhand von bestimmten Methoden auszubauen und zu lernen sich selbst immer wieder professionell zu reflektieren. Auch die Haltung zu Kommunikation und Motivation des Teams, die im Studium vermitteln wurden, haben mich in meiner Arbeitsweise geprägt. Die Teamleitung hat durch ihre Handlungen Einfluss auf die Zufriedenheit im Team und im Endeffekt auf die Zusammenarbeit des Teams. Jeden Tag begleitet mich das Bild vom Kind, als eigenständiges und kompetentes Individuum, das in jeder Vorlesung und jedem Seminar im Mittelpunkt stand. Durch die ständige Präsenz dieser Wahrnehmung des Kindes hat sich meine innere Haltung als Teamleitung entwickelt.

Letztendlich bin ich überzeugt davon, dass die positive innere Haltung als Führungskraft sich automatisch auf das Team überträgt und die pädagogische Qualität der Einrichtung widerspiegelt.

Ein Erfahrungsbericht von Mona Hege: Leitung in einer Kindertageseinrichtung

Mein Name ist Mona Hege und ich habe 2013 das Bachelor-studium der Kindheitspädagogik erfolgreich abgeschlossen. Direkt im Anschluss erfolgte meine Anstellung als stellvertretende Leitung in einer Kindertageseinrichtung der Stadt Waiblingen (mit insg. 109 Kindern). Nach der Geburt unseres ersten Kindes war ich ab 2017 in Elternzeit und kehrte 2019 als Springer-Leitung in Teilzeit zurück. Aktuell bin ich mit unserem zweiten Kind in Elternzeit. Während meiner Schwangerschaften durfte ich aus gesundheitlichen Gründen nicht direkt in der Kita arbeiten. Dadurch hatte ich die Gelegenheit, die Abteilung Kindertageseinrichtungen der Stadt Waiblingen tatkräftig bei konzeptionellen Arbeiten zu unterstützen.

Nebenbei engagiere ich mich ehrenamtlich im Vereinsvorstand eines Waldkindergartens, der von unserem älteren Sohn besucht wird. Die Doppelrolle als Mama und Arbeitgeberin, die zugleich über Fachwissen verfügt, macht diese Aufgabe für mich sehr facettenreich.

Im Hinblick auf meine beruflichen Aufgaben möchte ich betonen, dass als Kita-Leitung zunehmend Management-Kompetenzen (in den Bereichen Teamführung, Personal-Themen, Organisation, Träger-Kommunikation, Kooperationen, Gebäudeverwaltung uvm.) gefordert sind. Ich setze hierbei auf mein gutes Organisationstalent und meine große Flexibilität. Je größer die Einrichtung, desto weniger bestimmt oft die direkte pädagogische Arbeit das Tagesgeschäft einer Leitungskraft.

Das Studium hat mir zunächst einen Überblick über die relevanten Themengebiete ermöglicht. Ich hatte die Chance, durch zahlreiche Hausarbeiten in für mich interessante Fragestellungen einzutauchen und kindliche Weltzugänge zu erforschen. Die bildungs- und sozialwissenschaftlichen Inhalte haben mich gut auf mein berufliches Arbeitsfeld vorbereitet. Bereiche wie z.B. die Anleitung von Auszubildenden, Dienstplangestaltung, Hygienekonzepte oder Arbeitsschutz wurden von meinem Studium nicht abgedeckt. Ich habe mir diese Themen in der Praxis und durch Weiterqualifikation erarbeitet. Die aktive Teilnahme an Weiterbildungen, Fortbildungen und auch Arbeitskreisen ist im pädagogischen Bereich ohnehin unerlässlich und gehört zu meinem Professionsverständnis.

Ein Erfahrungsbericht von Konstantinos Kafasis: Jugendreferent für Kommunale Jugendarbeit und Schulsozialarbeit

Zu meiner Studienzeit war das Studium der Kindheitspädagogik meinem Gefühl nach in der Arbeitswelt noch recht unbekannt und wenig etabliert. Dies zeigte sich vor allem bei Vereinen und Unternehmen, bei denen ich Praktika und das Praxissemester absolviert habe.

2016 war es dann so weit. Ich habe mich auf eine Stelle als Sozialpädagoge im Stationären Bereich beworben. Um genau zu sein war es eine Wohngruppe mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten. Während des Vorstellungsgespräches konnte ich die Stärken unseres Studiums hervorheben und konnte gleich darauf den Vertrag, mit einer gerechten Entlohnung auf dem Niveau eines Sozialpädagogen, unterschreiben.

Die Erfahrung, die ich hier sammeln durfte, öffnete mir im Anschluss viele Türen. Nach zwei Jahren im Stationären Bereich, in denen ich auch der Anleiter eines Auszubildenden war, wechselte ich in die Projektarbeit. Das erste Projekt, in dem ich mitwirkte, hieß „Angekommen und Angenommen“ und richtete sich an geflüchtete Familien. Hier lernte ich die Wichtigkeit von Vernetzung, Kooperation und selbständiger Koordination kennen. Meine Aufgabe bestand darin, Angebote für Familien aus Fellbach, Weinstadt und dem Weissacher Tal zu erstellen, die ihnen das Ankommen bei uns erleichtern. Das Spektrum dieser Angebote reichte von Väterabenden, bei denen in lockerer Atmosphäre versucht wurde in deutscher Sprache Themen wie Integration, Demokratie und Erziehung einen Raum zu geben und ging hin bis zur Unterstützung von Ehrenamtskreisen. Denn ohne die vielen engagierten Ehrenamtlichen wäre „Das schaffen wir“ von Frau Merkel in vielen Gemeinden nur ein Satz geblieben.

2020 wechselte ich dann zum Projekt #Ehrenmann, welches sich an Schüler aus ganz Baden-Württemberg ab der Klasse 7 richtete. Bei den von mir angebotenen Workshops behandelte ich zusammen mit den männlichen Jugendlichen Themen wie Männlichkeit, Ehre, patriarchale Geschlechterrollen, sowie Sexualität und Demokratie. Aufgrund der damals startenden Corona-Pandemie fanden von vielen geplanten und gewünschten Veranstaltungen leider nur ein Bruchteil statt.

Seit Januar 2021 bin ich zusammen mit meinem Kollegen als Jugendreferent für die Kommunale Jugendarbeit und die Schulsozialarbeit in Auenwald zuständig. Aktuell arbeite ich zu 70% als Jugendreferent in der Kommunalen Jugendarbeit und zu 30% als Schulsozialarbeiter an einer Grundschule in der gleichen Gemeinde.

Zu meinen Aufgaben gehören:

• Einzelfallhilfe für Kinder, Jugendliche und Angehörige
• Pädagogische Beratung
• Elternberatung
• Beratung/ Begleitung zum Berufseinstieg
• Projektarbeit
• Aufsuchende Arbeit
• Netzwerkarbeit
• Gruppenarbeit
• Schulsozialarbeit
• Sozialraumgestaltung

Zusammen mit meinem Kollegen bilden wir ein starkes Team, welches autonom agieren darf und die Arbeit frei gestalten kann. So habe ich das Glück, mich bei meiner Arbeit kreativ ausleben zu können.

Elementar für die Praxis als guter Pädagoge, ist meiner Ansicht nach ein gesundes Menschenbild und eine eigene Haltung zu haben. Darüber hinaus sollte man über Empathie verfügen und keine Vorurteile gegenüber Andersdenkenden, Andersgläubigen usw. haben. Und genau das verdanke ich der Hochschule und vor allem den großartigen Dozenten. Sie haben mir dir die Möglichkeit gegeben zu reifen, mich zu entdecken und zu hinterfragen. Wer bin ich? Für was stehe ich? Aber es muss einem auch bewusst sein, dass die Selbstfindung ein Prozess ist und immer wieder eine Reflexion des eigenen Handelns und Denkens voraussetzt.

Wenn ich an mein Studium zurückdenke, erinnere mich sehr gerne an interessante Diskussionen in den verschiedenen Seminaren sowie das Gefühl „gehört“ zu werden. Ich fühlte mich wichtig und erwachsen. Eine Sache die es im Kontext Schule so nicht gab in meiner Zeit. Damals hatten der Lehrer und das Lehrbuch recht. Raum für Diskussionen gab es nicht. Des Weiteren erinnere ich mich sehr gerne an die stressigen Phasen des Studiums zurück. Auch wenn ich gefühlt für mehrere Seminare nahezu zeitgleich Hausarbeiten schreiben oder andere Leistungsnachweise erbringen musste und
dies als stressig erlebt habe, so habe ich doch erfahren, dass ich trotz des Drucks alle Leistungsanforderungen erfolgreich abschließen konnte. Diese Erfahrung gibt mir heute immer noch Kraft und Zuversicht, wenn ich vor ähnlichem Zeitdruck stehe.

Ein Erfahrungsbericht von Antonia Wurst: Schulsozialarbeiterin

Nach dem Studium bewarb ich mich bei einem freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe auf die Stelle einer Schulsozialarbeiterin an einer Grundschule. Ich bin dort nun als Sozialpädagogin eingestuft und arbeite 90%. Diese sind in 75% Schulsozialarbeit und 15% Sozialpädagogische Familienhilfe gegliedert.

Meine Aufgaben in der Schule sind sehr vielfältig und abwechslungsreich. Als Ansprechpartnerin für alle Schüler*innen, Eltern, Erziehungsberechtige und Lehrkräfte berate und unterstütze ich bei Herausforderungen und Schwierigkeiten in schulischen sowie familiären Angelegenheiten. Die Vermittlung von Hilfsangeboten und eine intensive Netzwerkarbeit (Erziehungsberatungsstelle, Jugendamt, Psychologische Beratungsstelle, Interdisziplinäre Frühförderstelle…) sind dabei wesentlich. Zur Stärkung der Sozialen Kompetenzen sowie der Integration benachteiligter Kinder biete ich verschiedene Projekte in Klassen oder im Ganztagesbereich an. Im Rahmen der Sozialpädagogischen Familienhilfe (aufsuchendes Beratungs- und Unterstützungsangebot nach § 31 SGB VIII) unterstütze und begleite ich eine Familie in ihrem alltäglichen Umfeld in verschiedensten Lebenssituationen. Ziel meiner Arbeit ist es, den Familienalltag zu strukturieren, der Mutter in Erziehungsfragen weiterzuhelfen und sicherzustellen, dass das Wohl der Kinder nicht gefährdet wird. Zusammen mit der Familie stelle ich beispielsweise Regeln für Zuhause auf, mache kleine Unternehmungen und Spiele und führe viele Gespräche. Außerdem begleite ich die Familie bei Arztbesuchen und Besuchen der Geschwister, die in einer stationären Wohngruppe leben.

Im Hinblick auf meine heutige berufliche Tätigkeit sind einige Inhalte und Kompetenzen, die ich im Studium erworben habe relevant: Beratung, Familien im Wandel, Beobachtungen und Interpretationen, die kindliche Entwicklung, Medienpädagogik, sozialraum- und lebensweltorientierte Arbeit, psychoanalytische Beobachtungen und Interpretationen, die Bedeutung pädagogischen Handelns und Vieles mehr. Außerdem bietet die Ganztagesbetreuung die Möglichkeit, gezielte Angebote für Kinder in den verschiedenen Bildungsbereichen (Theaterpädagogik, Bewegung, Natur erkunden, Kunst, Musik…) anzubieten.

Wenn ich an mein Studium zurück denke, erinnere ich mich besonders gerne an einen Medienpädagogischen Elternabend, den wir zusammen im Seminar konzipiert und dann in einem Kindergarten durchgeführt haben. Außerdem ist mir diese Frage eines Dozenten, im Bezug auf lehren/lernen/unterrichten, in Erinnerung geblieben: Wieso wollt ihr KindheitspädagogInnen und nicht Lehrer*innen werden?