Zum Seiteninhalt springen

Aktuelle Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2026

Im Sommersemester 2026 biete ich folgende Veranstaltungen an:

1.Soziologische Klassiker für die Sonderpädagogik (Mead, Parsons, Goffman) - Donnerstag (ab 16.4.2026), 16.15 Uhr bis 17.45 Uhr, Raum 8A/002

Mead, Parsons und Goffman zählen zu den ersten Generationen von Wissenschaftler*innen der damals noch neuen Disziplin Soziologie. Alle drei haben wesentliche Positionen des Faches mitformuliert, die heute zum soziologischen Allgemeinwissen gehören. Dazu gehören auch viele für die Sonderpädagogik und ihre Anthropologie relevante Aspekte, wie zum Beispiel:

  • die soziale Verfasstheit von Selbst, Identität, von Affekten, Verhalten und Sprache und damit die Zusammengehörigkeit von Psyche und Sozialität (Mead);
  • die wichtige Bedeutung von Krisenerfahrung für den Aufbau psychischer Strukturen (Mead);
  • das Ineinandergreifen von biologischen, psychischen, sozialen und kulturellen Strukturen (Parsons);
  • Gesundheit, Krankheit und Behinderung als soziologische und soziale Kategorien (Parsons);
  • das Handlungsmodell moderner professioneller Berufe, zu denen auch die Sonder- und Heilpädagogik gehört (Parsons);
  • Inklusion und Integration als strukturelle Aspekte sozialer Systeme, die Zugang und soziale Kohäsion betreffen (Parsons).
  • Kategorisierung, Etikettierung und Stigmatisierung von Menschen mit körperbezogenen, psychischen, sozialen, sexuellen Diversitätsmerkmalen (Goffman);
  • die Rolle totaler Institutionen bei der Versorgung, aber auch der Diskriminierung und Segregation von Menschen mit Behinderung und psychischer Erkrankung (Goffman). 

In dem Seminar werden wir anhand eines Readers mit gut ausgewählten Auszügen solche klassischen Positionen kennen lernen und auf die aktuelle Debatte beziehen. Dabei wird deutlich werden, dass sehr viele aktuell in den Sozial- und Erziehungswissenschaften modische Begriffe (wie zum Beispiel Subjektivierung, Diversität, Inklusion, kulturelles Modell, Praxeologie, Performativität, Macht) teilweise hinter diese Positionen zurückfallen. Bereitschaft zur regelmäßigen Lektüre (im Umfang von einer Stunde pro Woche) wird erwartet.

 

2. Soziologie psychischer Krankheit - Donnerstag (ab 16.4.2026), 18.15 Uhr bis 19.45 Uhr, Raum 8A/002

„Psychische Krankheiten“ könnte man mit dem selben Recht als „soziale Krankheiten“ bezeichnen. Denn die angeblichen „Symptome“ dieser angeblichen „Krankheiten“ haben immer auch eine soziale „Außenseite“. Sie betreffen wichtige Aspekte von Kommunikation, Interaktion, der Verhältnisse und Beziehungen zwischen Menschen und damit die Strukturen und die Funktionsweise sozialer Systeme. Das, was Psycholog*innen, Sonderpädagog*innen und Psychiater*innen an Individuen als je nachdem: „gesund“, „normal“, „gestört“, „belastet“, „beeinträchtigt“ oder „krank“ gilt, ist entscheidend für die Teilnahme und Teilhabe dieser Personen an Interaktionen und Kommunikationen und beeinflusst in erheblicher Weise ihre soziale Einbeziehung (Inklusion), Integration und Partizipation.

Zugleich weiß niemand so genau, was psychische „Krankheiten“ eigentlich „sind“, ob dieses Konzept überhaupt einen greifbaren Sinn hat, ob damit im Einzelfall sinnvolle Phänomenklassen erfasst werden und in welchem Ausmaß kulturelle und soziale Zuschreibungen und Konstruktionen dabei eine Rolle spielen. Ob es ADHS, Autismus oder Schizophrenie "wirklich" „gibt“, ist, obwohl es sich um etablierte diagnostische Kategorien handelt, nach wie vor Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen - in Psychiatrie und Medizin ebenso wie in den Sozial- und Kulturwissenschaften.  

Wir werden uns in dem Seminar mit sozial und soziologisch relevanten Dimensionen und Aspekte sogenannter psychischer Funktionen und ihrer „Störungen“ auseinander setzen. Wir werden uns einen Überblick über den Phänomenbereich dessen erarbeiten, was unter „psychischer Krankheit“ bzw. „psychischer Störungen“ verstanden wird - unter Benutzung der gängigen Handbücher und Klassifikationssysteme (ICD-10, ICD-11, DSM-5). Es wird um die Klärung von Krankheits- bzw. Störungskonzepten und ihrer Abgrenzung gegenüber solchen der Behinderung gehen. Wir werden insbesondere an Fallbeispielen entlang die sozialen Aspekte und Dimensionen konkretisieren und deren Bedeutung für die pädagogische Praxis in Unterricht und sozialer Arbeit diskutieren.

 

3. Inklusion - Zukunft einer Illusion? Soziologie der Menschenrechte -  Freitag (ab 17.4.2026), 10.15 Uhr bis 11.45 Uhr, Raum 8A/003

Die Themen Inklusion und Menschenrechte hängen aufs engste zusammen, aber auf völlig andere Weise, wie das in der (Sonder- und Inklusions-)Pädagogik gemeinhin behandelt wird. Das entscheidende soziologische Stichwort hierzu lautet: funktionale Differenzierung der Gesellschaft.

Von diesem wichtigen Zusammenhang ausgehend werden wir in dem Seminar eine Bestandsaufnahme der Fortschritte in Sachen Inklusion und Teilhabe in den sonderpädagogischen Handlungsfeldern Bildung und Schule, Wohnen, Arbeit und Kultur vornehmen. Dabei gilt es die Frage zu klären, wieso nach fast zwanzig Jahren UNBRK die Fortschritte in Sachen Inklusion und Teilhabe mehr als ernüchternd sind. Dazu werden wir uns die analytischen Potentiale einer (Rechts-)Soziologie der Menschenrechte zunutze machen.

In einem weiteren Schritt werden wir die sozial- und bildungspolitischen Programmatiken der Parteien und Verbände, die bisherige juristische Umsetzung von Inklusion (zum Beispiel im Bundesteilhabegesetz und in den Schulgesetzen der Länder) sowie konkrete Konzepte von Inklusion in verschiedenen Handlungsfeldern kritisch analysieren.

Abschließend gilt es die Frage zu stellen, ob und welche Chancen realistische Perspektiven und Umsetzungsschritte von „Inklusion“ in absehbarer Zukunft haben und wie diese aussehen könnten – gerade auch angesichts der aktuell zu beobachtenden Militarisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und der damit absehbar einhergehenden Kürzungen von Ressourcen für Bildung und die sozialen Sicherungssysteme.

Das Seminar findet durchweg als Präsenzveranstaltung statt. Die zwei ECTS-CP für Kontaktzeiten/Vor- und Nachbereitung werden durch regelmäßige Anwesenheit und Mitarbeit erworben. Unbenotete Prüfungsleistungen (1 CP) setzen vorbereitete Inputs in die laufenden Seminarsitzungen voraus, benotete Leistungen (1-3 CP) zusätzlich dessen Ausarbeitung als schriftliche Hausarbeit (6-18 Seiten). 

 

4.Methoden qualitativer Forschung in der Sonderpädagogik/Methodenwerkstatt - Freitag (ab 17.4.2026), 12.15 Uhr bis 14.30 Uhr, Raum 8A/003

Etwas über (sonder-) pädagogische Praxis oder Lebenswelten von Schüler*innen, Klient*innen und die sie betreuenden Profis lernen - statt mit Theorie und Literaturrecherchen mal mit eigener Feldforschung? Mit den Leuten sprechen statt über sie? Interviews, Befragungen mit Fragebögen, teilnehmende Beobachtung? Das ist meistens eine gute Idee! Aber wie geht man dabei vor, von der ersten Idee bis zur sorgfältigen Analyse des dabei gewonnenen Materials?

Das Problem ist, dass man Methoden qualitativer und quantitativer Sozialforschung ebenso wenig nach Handbuch erlernen kann wie Autofahren, Fliesenlegen oder Trompete spielen.

Die Methodenwerkstätten, von Peter Jauch und Jörg Michael Kastl durchgeführt, sollen gemeinsames „Learning by Doing” aller Teilnehmer*innen ermöglichen – an konkreten Forschungsproblemen und „Datenmaterial” aller Art (z.B. Daten aus Fragebogen-Befragungen, Interviews, teilnehmenden Beobachtungen, Akten und anderen Dokumenten).

Sie richten sich an alle, die etwas über Forschungsmethoden lernen und/oder in eigenen Studienprojekten, Masterarbeiten oder für ihre Dissertation forschen und sich darüber mit anderen austauschen wollen. Es werden zwei Methodenwerkstätten angeboten:

  • Peter Jauch übernimmt die Werkstatt mit Schwerpunkt auf quantitativen Methoden (z. B. standardisierte Beobachtungen, Befragungen mit Fragebögen, Evaluationen, statistische Auswertungen mit SPSS u.a.);
  • Jörg Michael Kastl übernimmt die Werkstatt mit Schwerpunkt auf qualitativen Methoden (z.B. narrative Interviews, Auswertungen mit objektiver Hermeneutik/Grounded Theory).

Denkbar sind – je nach den Interessen der Teilnehmer*innen - auch phasenweise Kooperationen der beiden Werkstätten/ein Wechsel zwischen beiden Veranstaltungen. Die Sitzungen, die nicht für die Projekte und Fragestellungen der Teilnehmer*innen benötigt werden, können wir zu einer konventionellen Einführung in wichtige Aspekte qualitativer und quantifizierender Erhebungs- und Auswertungsmethoden nützen.

Es können alle Studierenden und Promovierenden, die in irgendeiner Form empirisch arbeiten oder dies vorhaben, ihre Überlegungen, Probleme, Ideen, Forschungsinstrumente, Daten einbringen - zum Beispiel bei kleinen und großen Projekten während des Studiums, im Zusammenhang mit Masterarbeiten, Dissertationsprojekten. Es spielt dabei keine Rolle, in welchem Stadium der Überlegungen Sie sind. Die Veranstaltung lebt von der Diskussion in der Gruppe, wir legen großen Wert auf die Diskussion von allen mit allen. Ausgangspunkt sind stets die sich konkret stellenden Forschungsprobleme.

Die Werkstätten sind offen für alle Studierende der Fakultät für Teilhabewissenschaften und der Pädagogischen Hochschule insgesamt, die etwas über Methoden lernen wollen. Für Studierende, die von  Peter Jauch oder/und Jörg Michael Kastl bei Abschluss- oder Projektarbeiten mit empirischen Anteilen betreut werden, ist ein Besuch verbindlich.

Das Seminar findet durchweg als Präsenzveranstaltung statt. Die zwei ECTS-CP für Kontaktzeiten/Vor- und Nachbereitung werden durch regelmäßige Anwesenheit und Mitarbeit erworben. Unbenotete Prüfungsleistungen (1 CP) setzen vorbereitete Inputs in die laufenden Seminarsitzungen voraus, benotete Leistungen (1-3 CP) zusätzlich dessen Ausarbeitung als schriftliche Hausarbeit (6-18 Seiten). 

_______________________________________________________

Für alle Seminare gelten die gleichen Bedingungen der Anrechnung von ECTS-CP: sie finden durchweg als Präsenzveranstaltungen statt. Die zwei ECTS-CP für Kontaktzeiten/Vor- und Nachbereitung werden durch regelmäßige Anwesenheit und Mitarbeit erworben. Unbenotete Prüfungsleistungen (1 CP) setzen vorbereitete Inputs in die laufenden Seminarsitzungen voraus, benotete Leistungen (1-3 CP) zusätzlich dessen Ausarbeitung als schriftliche Hausarbeit (6-18 Seiten).