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Aktuelle Lehrveranstaltungen

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2026/2027

Im Wintersemester 2026/2027 biete ich folgende Veranstaltungen an:

1.Soziologie der Behinderung - Donnerstag (ab 22.10.2026), 14.15 Uhr bis 15.45 Uhr, Raum 8A/003

Seit den 1970er-Jahren ist die Soziologie für das Thema „Behinderung” zur wissenschaftlichen Leitdisziplin geworden, im Feld des Sozialrechts und der Sozialpolitik ebenso wie in der Sonder-, Heil-, Rehabilitations- und Inklusionspädagogik. Das dokumentiert sich nicht zuletzt in der Selbstverständlichkeit, mit der wir heute auf Konzepte zurückgreifen wie Teilhabe, Inklusion, Diversität, (De-)Kategorisierung und Stigmatisierung oder „Abilities”/„Dis-Abilities” als Wirkung soziokultureller Erwartungs-, Anforderungs- und Deutungsmuster ansehen.

Um all dies wird es in dem Seminar gehen – auch unter Rückgriff auf konkrete Fälle, Beispiele und empirische Forschungsergebnisse. Es wird aber auch um Vereinfachungen, Vereinseitigungen und Differenzierungs-verluste gehen, die mit diesem scheinbaren Siegeszug soziologischer Konzepte verbunden sind. Wo sind diese Konzepte wissenschaftlich und politisch „stumpf” geworden und wie können sie einer erneuten Schärfung unterzogen worden? Die Antwort dieses Seminars darauf lautet: mit einer adäquaten, nicht-sozialkonstruktivistischen, sondern kritisch-realistischen Neufassung des Verhältnisses von Körper(lichkeit) und Gesellschaft.

Das Seminar ist ein Angebot für Studierende und Interessierte aller sonderpädagogischen Fachrichtungen. Ihm liegt ein weiter (und kritischer) Begriff von „Behinderung” im Sinne der ICF zugrunde. Es geht also nicht nur um „Körperbehinderungen” im engen Sinn, sondern auch um Behindert-Sein und Behindert-Werden kognitiver, sprachlicher, psychischer und sensorischer Funktionen.

 

2. Aktuelle Perspektiven zum "biopsychosozialen Modell" - Donnerstag (ab 22.10.2026), 16.15 Uhr bis 17.45 Uhr, Raum 8A/002

Die ICF (International Classification of Functioning, Health and Disability) der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) verpflichtet alle wissenschaftlichen, professionellen und institutionellen Akteure, Disziplinen, Organisationen, die mit dem Thema Behinderung im weitesten Sinne (also einschließlich kognitiver, psychischer, sensorischer Beeinträchtigungen) zu tun haben auf ein sogenanntes „biopsychosoziales“ Verständnis menschlicher Handlungsfähigkeit.

Was ist damit eigentlich gemeint? Welche theoretischen und empirischen Konzepte, Modelle oder Paradigmen von „biopsychosozial“ gibt es eigentlich in den verschiedenen Disziplinen der Soziologie, der Psychologie, Psychiatrie oder der Sonder-, Heil- und Rehabilitations-pädagogik? Führt das wirklich zu einem veränderten und differenzier-teren Verständnis von menschlichem Verhalten und Handeln? Hat das Auswirkungen auf die professionelle Praxis in schulischen und außerschulischen Handlungsfeldern? Oder handelt es sich dabei nur um eine der zahlreichen Rhetoriken und Deklaratoriken, deren Hauptfunktion in der institutionellen oder professionellen Selbstbeweihräucherung, Außendarstellung und Werbung liegt?

 

3. Wohnen mit Behinderung und psychischer Krankheit  Freitag (ab 23.10.2026), 10.15 Uhr bis 11.45 Uhr, Raum 8A/003

„Wohnen” steht für einen zentralen Lebensbereich in der modernen Gesellschaft – nämlich die Sphäre des Privatlebens, der persönlichen Selbstentfaltung, Autonomie und der Ort der höchstrelevanten, auf Intimität angelegten Sozialbeziehungen. Zugleich gilt der Umstand, eine Wohnung, damit eine Adresse in einem bestimmten Ort zu haben, als Inbegriff unserer gesellschaftlichen Adressierbarkeit als Bürger*innen überhaupt. Demgemäß ist die Unverletzlichkeit der Wohnung ein durch Menschen- und Grundrechte geschütztes hohes Verfassungsgut.

Vor diesem Hintergrund werden in dem Seminar strukturelle Bedingungen, Probleme und Potentiale unterschiedlicher Wohnformen für Menschen mit Behinderungen (aller Formen) oder psychischen Krankheiten/Störungen/Problemen behandelt.

Dabei wird es selbstverständlich auch um die sozialrechtliche und professionelle Einbettung und Flankierung solcher Wohnformen gehen und um damit zusammenhängende aktuelle institutionelle Entwicklungen (Deinstitutionalisierung, Ambulantisierung von Betreuungsverhältnissen, „Inklusion” in die Wohngemeinde bzw. „inklusiver” Wohnformen). Wir werden uns anhand von Fallstudien auch mit Wohnbiographien von Menschen mit Behinderungen und psychischen Problemen auseinandersetzen. 

Angesprochen sind damit sowohl Studierende des Studiengangs "Soziale Arbeit in sonderpädagogischen Handlungsfeldern" wie auch Studierende des Lehramtsstudiengangs Sonderpädagogik, da die Ausbildung lebenspraktischer Kompetenzen, die mit Wohnen zu tun haben sowie die Vermittlung von Wissen über Wohn- und Lebensformen für Menschen mit Behinderungen zu den Aufgaben der Schule gehören.   

 

4.Methoden qualitativer Forschung in der Sonderpädagogik/Methodenwerkstatt - Freitag (ab 23.10.2026), 12.15 Uhr bis 14.30 Uhr, Raum 8A/003

Etwas über (sonder-) pädagogische Praxis oder Lebenswelten von Schüler*innen, Klient*innen und die sie betreuenden Profis lernen - statt mit Theorie und Literaturrecherchen mal mit eigener Feldforschung? Mit den Leuten sprechen statt über sie? Interviews, Befragungen mit Fragebögen, teilnehmende Beobachtung? Das ist meistens eine gute Idee! Aber wie geht man dabei vor, von der ersten Idee bis zur sorgfältigen Analyse des dabei gewonnenen Materials?

Das Problem ist, dass man Methoden qualitativer und quantitativer Sozialforschung ebenso wenig nach Handbuch erlernen kann wie Autofahren, Fliesenlegen oder Trompete spielen.

Die Methodenwerkstätten, von Peter Jauch und Jörg Michael Kastl durchgeführt, sollen gemeinsames „Learning by Doing” aller Teilnehmer*innen ermöglichen – an konkreten Forschungsproblemen und „Datenmaterial” aller Art (z.B. Daten aus Fragebogen-Befragungen, Interviews, teilnehmenden Beobachtungen, Akten und anderen Dokumenten).

Sie richten sich an alle, die etwas über Forschungsmethoden lernen und/oder in eigenen Studienprojekten, Masterarbeiten oder für ihre Dissertation forschen und sich darüber mit anderen austauschen wollen. Es werden zwei Methodenwerkstätten angeboten:

  • Peter Jauch übernimmt die Werkstatt mit Schwerpunkt auf quantitativen Methoden (z. B. standardisierte Beobachtungen, Befragungen mit Fragebögen, Evaluationen, statistische Auswertungen mit SPSS u.a.);
  • Jörg Michael Kastl übernimmt die Werkstatt mit Schwerpunkt auf qualitativen Methoden (z.B. narrative Interviews, Auswertungen mit objektiver Hermeneutik/Grounded Theory).

Denkbar sind – je nach den Interessen der Teilnehmer*innen - auch phasenweise Kooperationen der beiden Werkstätten/ein Wechsel zwischen beiden Veranstaltungen. Die Sitzungen, die nicht für die Projekte und Fragestellungen der Teilnehmer*innen benötigt werden, können wir zu einer konventionellen Einführung in wichtige Aspekte qualitativer und quantifizierender Erhebungs- und Auswertungsmethoden nützen.

Es können alle Studierenden und Promovierenden, die in irgendeiner Form empirisch arbeiten oder dies vorhaben, ihre Überlegungen, Probleme, Ideen, Forschungsinstrumente, Daten einbringen - zum Beispiel bei kleinen und großen Projekten während des Studiums, im Zusammenhang mit Masterarbeiten, Dissertationsprojekten. Es spielt dabei keine Rolle, in welchem Stadium der Überlegungen Sie sind. Die Veranstaltung lebt von der Diskussion in der Gruppe, wir legen großen Wert auf die Diskussion von allen mit allen. Ausgangspunkt sind stets die sich konkret stellenden Forschungsprobleme.

Die Werkstätten sind offen für alle Studierende der Fakultät für Teilhabewissenschaften und der Pädagogischen Hochschule insgesamt, die etwas über Methoden lernen wollen. Für Studierende, die von  Peter Jauch oder/und Jörg Michael Kastl bei Abschluss- oder Projektarbeiten mit empirischen Anteilen betreut werden, ist ein Besuch verbindlich.

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Für alle Seminare gelten die gleichen Bedingungen der Anrechnung von ECTS-CP. Sie finden durchweg als Präsenzveranstaltungen statt. Die  ECTS-CP für Kontaktzeiten/Vor- und Nachbereitung werden durch regelmäßige Anwesenheit und Mitarbeit erworben. Unbenotete Prüfungsleistungen (1 CP) setzen vorbereitete Inputs in die laufenden Seminarsitzungen voraus, benotete Leistungen (1-3 CP) zusätzlich dessen Ausarbeitung als schriftliche Hausarbeit (6-18 Seiten).