Gegenwärtig erlebt man im öffentlichen und privaten Diskurs häufiger eine Relativierung des ‚Holocaust‘, indem dieser als ‚moralisches Argument‘ gegen das diskussionswürdige Verhalten der israelischen Politik in Gaza missbraucht wird. Doch erfüllt diese Argumentation, unabhängig aus welchem politischen Lager und aus welcher Motivation oder Betroffenheit sie erfolgt, die Kriterien des Antisemitismus. Auch negiert eine solche Argumentation, dass die Taten der Hamas am 7. Oktober 2023 die größte gegen Juden gerichtete Mordaktion seit 1945 war.
Doch worüber wird eigentlich geredet, wenn über den ‚Holocaust‘ geredet wird und warum taugt er in keinem Kontext als Vergleichsgröße? Um diese Frage zu klären, muss aber zuerst Basiswissen über die nationalsozialistische Judenverfolgung und den Versuch der systematisch-industriellen Vernichtung des europäischen Judentums vorhanden sein. Mit diesem Basiswissen wird man sich jeden Holocaust-Vergleich vermutlich mehrfach überlegen.