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26-08-2019

Spracherwerb im Grundschulalter

apl. Prof. Dr. Stefan Jeuk (2005 bis 2013)

Kinder nicht deutscher Herkunftssprache weisen zum Zeitpunkt der Einschulung häufig Defizite in der Zweitsprache Deutsch auf, insbesondere im Bereich der Grammatik. Im Laufe der Schulzeit können die Sprachschwierigkeiten nicht immer kompensiert werden. Der Schulerfolg der Kinder hängt jedoch entscheidend davon ab, wie es gelingt, ihre sprachlichen Fähigkeiten weiterzuentwickeln.

Kinder, die in Deutschland zweisprachig aufwachsen, kommen häufig aus Familien mit Migrationshintergrund. Für diese Kinder ist die Schule, nach der Kindertageseinrichtung, der wichtigste Sprachlernort für die Zweitsprache Deutsch. Diese Kinder müssen in der Grundschule gemeinsam mit einsprachig deutschen Kindern unterrichtet werden. Der Deutschunterricht ist jedoch eher auf einsprachig deutsche Kinder ausgerichtet. Auch die Sprachaneignung einsprachig deutscher Kinder ist zum Zeitpunkt der Einschulung noch nicht abgeschlossen. Ein Ausbau sprachlicher Kompetenzen ist nicht zuletzt mit der Aneignung der Schrift verbunden.

 Ziel des Projekts ist, die Sprachaneignung in den Klasse 1 und 2 bei einsprachigen und mehrsprachigen Kindern zu untersuchen und aus den Beobachtungen Vorschläge für die Verbesserung der unterrichtlichen Praxis in mehrsprachigen Lerngruppen abzuleiten. Ein weiteres Ziel ist, eine bessere Grundlage für  die Konzeption von Verfahren der Sprachstandsfeststellung zu legen.

Gegenstand der Untersuchung ist der Ausbau sprachlicher  Fähigkeiten in Einzelsituationen und im Rahmen der Unterrichtskommunikation. Die Beobachtung und Analyse der Unterrichtskommunikation in ausgewählten Kontexten steht hierbei exemplarisch für den kommunikativen Austausch zwischen der Lehrkraft und den SchülerInnen. Im Zentrum der Analyse steht die Entwicklung grammatischer Kompetenzen der einsprachigen Kinder und der mehrsprachigen Kinder in der Zweitsprache Deutsch.

Zunächst wird der Sprachstand aller Kinder einer Klasse zum Zeitpunkt der Einschulung erhoben. Hierzu werden Teile bestehender Verfahren sowie eigens konzipierte Verfahren kombiniert. Gegenstand der Erhebung sind Fähigkeiten in der gesprochenen Sprache aber auch Voraussetzungen zum Erwerb der Schrift. Im Laufe der ersten beiden Schuljahre fanden insgesamt vier Untersuchungen statt, sodass von allen Kindern ein sprachliches Entwicklungsprofil entsteht.

Die übergeordnete Intention des Projekts ist die Verbesserung der unterrichtlichen Praxis im Fach Deutsch in der Grundschule mit mehrsprachigen Lerngruppen. Außerdem sollen Rückschlüsse auf Möglichkeiten des Einsatzes förderdiagnostischer Verfahren gezogen werden.

Veröffentlichungen:

  • Jeuk, Stefan (2013): Aspekte der Nominalfexion bei mehrsprachigen Kindern. In: Dirim, Inci; Oomen-Welke, Ingelore (Hrsg.): Mehrsprachigkeit in der Klasse. Wahnehmen - aufgreifen - fördern. Stuttgart: Fillibach bei Klett, S. 99-110.
  • Jeuk, Stefan (2010): Analyse der diskursiven Basisqualifikation bei mehrsprachigen und einsprachigen Kindern zum Zeitpunkt der Einschulung. In: Rost-Roth, Martina (Hrsg.): DaZ-Spracherwerb und Sprachförderung Deutsch als Zweitsprache. Freiburg: Fillibach, S. 123-139.
  • Jeuk, Stefan (2010): Rechtschreibung und Grammatik bei mehrsprachigen Kindern. In: Grundschule Deutsch 27, S. 26-28.
  • Jeuk, Stefan; Schäfer, Joachim (2009): Förderung durch Fehleranalyse. In: Förderschulmagazin 6/09, S. 14-17.
  • Jeuk, Stefan (2009): Aktuelle Verfahren zur Einschätzung des Stands der Sprachaneignung im Grundschulalter. In: Jeuk, Stefan; Schmid-Barkow, Ingrid (Hrsg.): Differenzen diagnostizierten und Kompetenzen fördern im Deutschunterricht. Freiburg: Fillibach, S. 61-81.
  • Jeuk, Stefan (2009): Aspekte des Orthographieerwerbs bei einsprachigen und mehrsprachigen Kindern in der zweiten Klasse. In: Nauwerck, Patricia (Hrsg.): Kultur der Mehrsprachigkeit in Schule und Kindergarten – Festschrift für Ingelore Oomen-Welke. Freiburg: Fillibach, S. 171-187.
  • Jeuk, Stefan; Schäfer, Joachim (2008): „Der, die, das - ist mir doch egal“. In: Grundschule Deutsch 18, S. 11-15.
  • Jeuk, Stefan (2008): „Der Katze jagt den Vogel“. Aspekte des Genuserwerbs im Grundschulalter. In: Ahrenholz, Bernt (Hrsg.). Zweitspracherwerb. Diagnosen, Verläufe, Voraussetzungen. Freiburg: Fillibach, S. 135-150.
  • Jeuk, Stefan (2008): Schriftaneignung und Grammatisierung bei mehrsprachigen Kindern im Anfangsunterricht. In: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie (OBST) 73, S. 35-55.
  • Jeuk, Stefan, Schäfer Joachim (2007): Beobachtung des Zweitspracherwerbs im Anfangsunterricht - Schwerpunkt Grammatik. In: Grundschule Deutsch 14, 2/07, S. 38-39, ausführliche Fassung und Beobachtungsbogen auf CD-Rom.
  • Jeuk, Stefan (2008): Zweitspracherwerb im Anfangsunterricht – erste Ergebnisse. In: Ahrenholz, Bernt (Hrsg.): Kinder mit Migrationshintergrund. Spracherwerb und Fördermöglichkeiten. Freiburg: Fillibach, S. 186-202.
  • Jeuk, Stefan (2006): Sprachstandsmessung bei Kindern nicht deutscher Herkunftssprache zum Zeitpunkt der Einschulung. In: Didaktik Deutsch 20, S. 52-69.

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